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Mitteldeutschland Auch Dutzende Missbrauchsfälle in Mitteldeutschland
Region Mitteldeutschland Auch Dutzende Missbrauchsfälle in Mitteldeutschland
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22:13 25.09.2018
In der Kirche gab es zahlreiche Missbrauchsfälle. Quelle: dpa
Dresden/Magdeburg/Erfurt

Auch in Mitteldeutschland sind einer Studie zufolge zahlreiche Kinder und Jugendliche Opfer von sexuellem Missbrauch durch Geistliche der katholischen Kirche geworden. Am Dienstag war durch die Vorstellung der Studie auf der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda bereits das bundesweite Ausmaß des Skandals deutlich geworden. Doch auch in den Bistümern Dresden-Meißen, Magdeburg und Erfurt sind Dutzende Geistliche übergriffig geworden.

Allein im Bistum Dresden-Meißen sind in der Zeit von 1953 bis 2014 insgesamt 28 Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen bekannt. 15 Priester werden beschuldigt. Es geht um Tatvorwürfe aus den Jahren 2008 bis 2014, die meisten Missbrauchsfälle datieren aus DDR-Zeiten zwischen 1970 und 1989. Unter den 28 Opfern sind nach Angaben des Bischöflichen Ordinariats vom Dienstag in Dresden 15 Mädchen und 13 Jungen. Das jüngste Opfer war sechs Jahre alt, das älteste 18 und die meisten Elf- bis 13-Jährige. In einer Erklärung bat Bischof Heinrich Timmerevers die Opfer um Entschuldigung. „Es hat mich erschüttert und es tut mir unendlich weh“, sagte er.

Er versprach konsequente Aufklärung und Hilfe für die Betroffenen. Das bis nach Thüringen reichende Bistum, in dem fast 142.000 Katholiken leben, hat die Opfer mit 2000 bis 17.000 Euro unterstützt. Insgesamt wurden 96.500 Euro gezahlt. Schulungen von Priestern, Mitarbeitern und in der Priesterausbildung sollen künftige Fälle vermeiden helfen.

Jeweils drei der Täter sind tot und unbekannt, drei wurden wegen ihrer Vergehen aus dem Priesterstand entlassen und entweiht, ein Priester vom Dienst freigestellt. Zwei Priester im Ruhestand wurden verurteilt, gegen einen weiteren laufen wegen eines aktuellen Verdachts Voruntersuchungen.

Mindestens 18 Opfer im Bistum Magdeburg

Das katholische Bistum Magdeburg hat in seinen Akten für die Zeit von 1946 bis 2014 Missbrauchsfälle durch sieben Gemeindepfarrer und einen Krankenhausseelsorger ausfindig gemacht. Fünf der Beschuldigten seien bereits gestorben, bei den drei verbliebenden seien kirchenrechtliche Schritte eingeleitet worden, teilte das Bistum Magdeburg am Dienstag in Magdeburg mit.

Die Straftaten seien zwischen 1953 und 1991 geschehen. „Wir haben zu lange weggeschaut und geleugnet. Wir haben den Opfern zu wenig zugehört. Wir haben versagt“, sagte der Generalvikar des Bistums, Bernhard Scholz.

Die Opfer sind 18 Kinder und Jugendliche, zehn Mädchen und acht Jungen. Keiner der Beschuldigten habe sich von sich aus offenbart. Alle Taten kamen durch Anzeigen ans Licht. Auch daher sei von einer erheblichen Dunkelziffer auszugehen, sagte Thomas Kriesel, der als Personalreferent des Bistums die Unterlagen ausgewertet hat. Möglicherweise kämen durch die aktuellen Veröffentlichungen weitere Fälle ans Licht.

Zehn beschuldigte Priester im Bistum Erfurt

Mindestens zehn Jungen und zwei Mädchen sind nach Angaben des Bistums Erfurt von katholischen Priestern im Gebiet der heutigen Diözese von 1946 bis 2014 sexuell missbraucht worden. Die Opfer seien zu den Zeitpunkten der Taten zwischen 8 und 20 Jahren alt gewesen, sagte Generalvikar Raimund Beck am Dienstag in Erfurt.

In diesen Fällen seien zehn der 948 im genannten Zeitraum im Bistumsgebiet lebende Priester beschuldigt worden. Das Bistum gehe allerdings von einer Dunkelziffer an Missbrauchsfällen aus: „Ich bin mir sicher, es gibt mehr, und ich kann nur hoffen, dass Betroffene den Mut finden, etwas zu sagen.“

Nach der bei der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda vorgestellten Studie sollen bundesweit zwischen 1946 und 2014 insgesamt 1670 katholische Kleriker 3677 meist männliche Minderjährige sexuell missbraucht haben. Die meisten Betroffenen waren beim ersten Mal maximal 13 Jahre alt. Die Dauer der Handlungen erstreckte sich über längere Zeiträume, im Schnitt über mindestens 15 Monate. Mehr als 80 Prozent erlitten Taten mit körperlicher Berührung.

Von LVZ

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