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Aufregung um Problem-Wölfe: Landrat will Lausitzer Rudel erschießen lassen

Umstrittene Tötung von Raubtieren Aufregung um Problem-Wölfe: Landrat will Lausitzer Rudel erschießen lassen

Das „Rosenthaler Rudel“ hat eine Blutspur durch die Lausitz in Sachsen gezogen: Mindestens 150 getötete oder verletzte Nutztiere gehen auf das Konto der Raubtiere. Nachdem vor allem Schafsbesitzer der Region Bautzen auf die Barrikade gegangen sind und um den Fortbestand ihrer Herden fürchten, will die Politik jetzt handeln.

Schäfer sind entsetzt: Immer wieder überwinden Wölfe die Schutzzäune und reißen die Schafe auf den Weiden.

Quelle: Steffen Unger

Bautzen/Altenburg. Der Bautzener Landrat Michael Harig (CDU) hat beim sächsischen Umweltministerium in Dresden einen Antrag gestellt, ein besonders gefährliches und unkontrollierbares Rudel Wölfe aus der Natur zu entnehmen. Heißt: In letzter Konsequenz wären die Problemwölfe dann auch zum Abschuss freigegeben. Dies wäre ein Novum in Mitteldeutschland, da Wölfe streng geschützt sind. Landrat Harig sieht dennoch keinen anderen Ausweg mehr. Die Raubtiere würden inzwischen jede Schutzvorrichtung überwinden, die vom Land gefördert werden. Sie überspringen selbst 1,40 Meter hohe Zäune. Zuletzt riss das sogenannte „Rosenthaler Rudel“ 32 Nutztiere in nur drei Tagen, ein Schäfer aus Cunnewitz verlor Anfang Oktober seine komplette Schafherde an den Wolf.

Bautzener Landrat: Erträgliches Maß überschritten

Für Landrat Michael Harig ist hier das erträgliche Maß längst überschritten. „Für die Halter von Nutztieren sind die geförderten Schutzmaßnahmen ungeeignet“, so Harig. Mit jedem Nutztierhalter, der wegen der Schadensereignisse aufgibt, gebe es „einen Verlust an Traditionen im ländlichen Raum und ein Weniger an ökologischer Landschaftspflege.“ In einem Fall habe ein Schäfer bereits das Maximum an Fördergeldern und Ausgleichszahlungen in Höhe von 15 000 Euro erhalten. Dem Mann droht bei weiteren Wolfschädigungen der Existenzverlust seiner Schäferei.

Sachsens Umweltministerium lehnt Tötung ab

Trotzdem ist der Aufschrei von Naturschutzverbänden und den Grünen in Sachsen gegen den möglichen Abschuss der Wölfe groß. Grünen-Landeschef Jürgen Kasek sagte: „Landrat Harig verbreitet Panikmache und macht deutlich, welche Wertschätzung er Arten- und Naturschutz entgegenbringt. Seine getroffenen Äußerungen sind billiger Populismus und schüren Ängste gegenüber Wölfen.“ Auch aus dem Umweltministerium kommen derzeit ablehnende Signale. Für eine sogenannte Entnahme der Tiere aus der Natur bestehe „derzeit keine Handlungsmöglichkeit“. Die Maßnahmen zum Schutz gefährdeter Nutztiere in der betroffenen Region Ralbitz-Rosenthal seien noch nicht vollständig ausgeschöpft, so Ministeriumssprecher Frank Meyer.

Auch in Thüringen wächst die Angst

In Thüringen stellt sich das Problem noch nicht ganz so gravierend dar. Hier wurden bisher sechs Wolfsrisse gezählt. Lange zogen die Wölfe an Thüringen vorbei. Doch seitdem im Gebiet um den Truppenübungsplatz Ohrdruf eine Wölfin gesichtet wurde, geht auch hier die Angst um. Birgit Seiler, Leiterin der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Altenburger Land, versucht zu vermitteln: „Als Behörde laden wir derzeit sämtliche Gemeinden ein, um ihnen die genauen Zuständigkeiten zu erklären, sollte ein Wolf beobachtet werden, wenn er durch das Gemeindeterritorium zieht. Grundsätzlich stehen die Tiere unter strengem Artenschutz, eine Tötung ist deshalb untersagt. Sollte von dem Tier aber eine konkrete Bedrohung ausgehen, sähe dies anders aus. Denn dann greift kein Naturschutzrecht mehr.“

Von Olaf Majer und Jörg Wolf

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