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Mitteldeutschland Ausbau der Windenergie kommt in Sachsen nur langsam voran
Region Mitteldeutschland Ausbau der Windenergie kommt in Sachsen nur langsam voran
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17:12 08.09.2018
Der Ausbau der Windenergie genht in Sachsen nur langsam voran. (Archivbild) Quelle: Arno Burgi/dpa
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Leipzig/Dresden

Windräder in der Landschaft - in Sachsen kommen mittlerweile nur noch selten neue hinzu. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres sind laut Energieministerium im Freistaat lediglich zwei weitere Windenergieanlagen mit einer Leistung von zusammen etwa sieben Megawatt aufgestellt worden. Weitere Anlagen mit zusammen 20 Megawatt seien im Genehmigungsverfahren, heißt es. Wann diese gebaut werden, konnte der Ministeriumssprecher nicht sagen.

Aktuell stehen im Freistaat fast 900 Windkraftanlagen. Bis 2022 soll die Stromerzeugung aus Windenergie auf 2200 Gigawattstunden pro Jahr steigen. Die dafür vorgesehenen Flächen sollen nur moderat erweitert werden. 2015 wurden rund 1940 und 2016 etwa 1700 Gigawattstunden Strom aus Windenergie erzeugt. „2016 war kein gutes Windjahr“, sagte der Sprecher.

Dem Ministerium zufolge kamen 2016 mehr als 20 Prozent des Stromes im öffentlichen Netz aus erneuerbaren Energien: 6,4 Prozent Windenergie, ein Prozent Wasserkraft, 7,4 Prozent Biomasse, 5,6 Photovoltaik. Die eingespeiste Strommenge ging im Vergleich zum Vorjahr von etwa 5700 Gigawattstunden um sechs Prozent auf rund 5360 Gigawattstunden zurück. Der Grund: 2016 gab es weniger Sonne und weniger Wind.

Kritik der Grünen

Die Grünen im Landtag kritisieren den schleppenden Ausbau der Windenergie. 2017 etwa seien nur 16 neue Anlagen errichtet worden,  hatte deren Energieexperte Gerd Lippold schon vor Wochen festgestellt. Die Stromerträge aus Windkraft seien viel zu niedrig. „Und Besserung ist nicht in Sicht: Es gibt kaum ausgewiesene Flächen für Windkraftanlagen, teils unsinnige Höhenbeschränkungen und keine Rückendeckung durch politisch Verantwortliche.“

Das Ministerium verweist auf hohe Hürden wie den Artenschutz und Naturschutz, aber auch Widerstände in der Bevölkerung. Es setzt auf das sogenannte Repowering - den Ersatz alter Anlagen durch moderne mit einer größeren Leistung. Ein modernes Windrad könne ebenso viel Strom erzeugen wie zwei oder drei ältere. Am Ende könne mit weniger Windrädern sogar mehr Strom erzeugt werden. Allerdings: „Es liegt im Ermessen des Betreibers, eine Windenergieanlage zu repowern“, heißt es.

Das Chemnitzer Energieunternehmen enviaM würde nach eigenen Angaben in Sachsen gern mehr Windkraftanlagen aufstellen. Aber: „Die Ausweisung von geeigneten Windvorrang-Flächen geschah in den letzten Jahren sehr zurückhaltend“, sagte Unternehmenssprecher Stefan Buscher. Das sei auch auf die vergleichsweise geringe Akzeptanz der Windenergie zurückzuführen. Das Unternehmen führe auch ein Repowering von Windenergie-Anlagen durch. Die Entscheidung dafür hänge jedoch von den Bedingungen an den jeweiligen Standorten und der Wirtschaftlichkeit ab.

Störende Geräusche

Der Chef des Landesverbandes Sachsen des Bundesverbandes Landschaftsschutz, Michael Eilenberger, ist überzeugt, dass viele Menschen das Repowering von Windkraftanlagen nicht ohne Widerstand hinnehmen werden. „Diese Anlagen sind teilweise bis zu 250 Meter hoch. Das ist mehr als das Doppelte.“  Die alten Anlagen seien möglicherweise gerade noch ertragen worden. Vor allem nachts, wenn die Menschen schlafen wollten, würden deren Geräusche als störend empfunden. Er glaube ohnehin nicht, dass die Windenergie „der große Wurf“ sei. „In diesem Sommer mit stabilen Hochdruckwetterlagen hat sich lange kein einziges Windrad gedreht.“ Eilenberger weiß von landesweit etwa 65 Bürgerinitiativen gegen Windenergie.

Die Tourismuswirtschaft sieht den Ausbau der Windenergie ebenfalls mit gemischten Gefühlen. „Es gibt Standorte, an denen Windkraftanlagen touristisch ohne Bedeutung sind. Und dann gibt es welche, wo man von Auswirkungen sprechen kann“, sagte die Sprecherin des Tourismusverbandes Erzgebirge, Doreen Burgold. So sei etwa der Kammweg Erzgebirge-Vogtland seit dem Jahr 2011 als „Qualitätswanderweg Wanderbares Deutschland“ zertifiziert. Maximal zehn Prozent der Gesamtstrecke dürften Stromtrassen und Windenergieanlagen tangieren. „Andernfalls ist eine Zertifizierung ausgeschlossen. “ Auch wegen der Bewerbung der Region als Unesco-Welterbe gebe es Einschränkungen.

Ralf Hübner, dpa

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