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Mitteldeutschland Ausgemottet: „Kleiner Trompeter“ jetzt im Stadtmuseum in Halle
Region Mitteldeutschland Ausgemottet: „Kleiner Trompeter“ jetzt im Stadtmuseum in Halle
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22:02 25.04.2018
Museumschefin Jane Unger (links) und Kuratorin Susanne Feldmann mit der Bronzeskulptur des Kleinen Trompeters im halleschen Stadtmuseum. Quelle: Lutz Schmidt
Halle

Im neuen Bereich der Dauerausstellung „Entdecke Halle!“, der am Freitag im Stadtmuseum festlich eröffnet wird, gehört das Fritz-Weineck-Denkmal zweifellos zu den auffälligsten Exponaten. Bis 1990 stand die lebensgroße Skulptur des „Kleinen Trompeters“ am halleschen Saale-Ufer, war verordneter Wallfahrtsort für Pioniere und FDJler. Das Denkmal, das in der DDR nahezu jedes Kind kannte, trägt Spuren der Wendezeit. „Es wurde damals vom Sockel gestürzt und mit Farbe beschmiert. Daraufhin kam es ins Museums-Depot“, berichtet Kuratorin Susanne Feldmann.

Fritz Weineck. Quelle: MDR/HA Kommunikation

Rund 28 Jahre später ist das vom Bildhauer Gerhard Geyer (1907–1989) geschaffene Bronze-Standbild nunmehr in der dritten Etage des einfühlsam umgebauten ehemaligen Druckereigebäudes erstmals wieder öffentlich zu sehen. Der Hallenser Fritz Weineck, der mit nur 28 Jahren von der Polizei erschossen wurde, galt während der SED-Herrschaft als die Symbolfigur für einen aufrechten Rot-Frontkämpfer. In Lesebüchern stand, der Hornist habe sich am 13. März 1925 bei einer Wahlkundgebung im halleschen Volkspark über den damaligen KPD-Vorsitzenden Ernst Thälmann geworfen, um so dessen Leben vor Polizeikugeln zu retten.

Generationen von Jungen Pionieren mussten zu DDR-Zeiten zum Denkmal des "Kleinen Trompeters" am Saale-Ufer in Halle pilgern. l Quelle: Bundesarchiv

Der Weineck-Mythos war bereits in DDR-Zeiten umstritten. „Der Bürstenbinder galt bei vielen Saalestädtern eher als eine tragische Figur. Hinter vorgehaltener Hand wurden dubiose Geschichten über ihn und seine Familie erzählt“, erinnert sich der Hallenser Dietmar Hesse. Museumschefin Jane Unger fürchtet weder Bewunderer noch Verächter. „Gewiss wird kontrovers diskutiert werden“, meint sie. Ohnehin sei die neue Ausstellung nicht statisch zu verstehen. „Aktive Museumsbesucher sind gefragt. Wir möchten, dass sich unsere Gäste mit Ideen und Vorschlägen einbringen“, betont Unger, „zumal Menschen im Mittelpunkt des neuen Bereichs der stadtgeschichtlichen Dauerausstellung stehen.“ Gegliedert ist diese in die Kapitel „Stadt- und Kirchengemeinden im Spätmittelalter“, „Kommen und Gehen“, „Halle im Porträt“ und „Wahrzeichen von Halle“. Hinzu kommt das Thema „Die Politische Gemeinde von Halle im 20. Jahrhundert“, das mit dem Ersten Weltkrieg beginnt und mit der Friedlichen Revolution endet. „Regionale Ereignisse werden beleuchtet, die zum Verständnis heutiger Entwicklungen beitragen“, sagt die Museumschefin. Bewusst verzichten die Gestalter dabei auf viel Text, die Objekte sollen auf die Betrachter wirken, betont Feldmann. So erhält jeder Besucher einen Ausstellungsbegleiter, gleichzeitig als ein Sammelheft für Klebebilder geeignet.

Das Stadtmuseum befindet sich im Gebäudeensemble des Christian-Wolff-Hauses, Große Märkerstraße 10. Geöffnet ist täglich (außer montags) von 10 bis 17 Uhr.

Von Bernd Lähne

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