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Berlin erinnert mit „Platz des Volksaufstandes von 1953“ an DDR-Revolte vor 60 Jahren

Berlin erinnert mit „Platz des Volksaufstandes von 1953“ an DDR-Revolte vor 60 Jahren

Mit dem „Platz des Volksaufstandes 1953“ wird in Berlin jetzt auf Dauer an die DDR-Massenerhebung erinnert. Nach jahrelanger Debatte wurde am Sonntag das Areal vor dem Bundesfinanzministerium danach benannt.

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Auf dem neuen "Platz des Volksaufstandes 1953" haben sich Berlins OBM Klaus Wowereit (SPD, l-r), Zeitzeuge Klaus Gronau, Innensenator Frank Henkel (CDU) und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) aufgestellt.

Quelle: dpa

Berlin. Vor dem einstigen Haus der DDR-Ministerien hatten sich am 16. Juni 1953 Tausende Demonstranten versammelt und ihre Forderungen skandiert. Einen Tag später weiteten sich die Proteste aus und wurden niedergeschlagen. Am Gedenktag an diesem Montag werden auf dem Berliner Friedhof Seestraße am Mahnmal für den Volksaufstand Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) Kränze niederlegen.

Zudem entbrannte am Sonntag erneut eine Debatte, den 17. Juni wieder zum gesetzlichen Feiertag zu machen. Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, sprach sich dafür aus. Auch Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte am Sonntag, er unterstütze die Wiedereinführung eines Feiertages am 17. Juni. Mit der Wiedervereinigung wurde der Feiertag abgeschafft und stattdessen der 3. Oktober als Tag der Deutschen Einheit zum Nationalfeiertag erklärt.

Der Zeitzeuge Klaus Gronau enthüllte das neue Namensschild am Platz vor dem Bundesfinanzministerium. Er protestierte als 16-jähriger Lehrling mit und setzte sich nach der Wende für die Umbenennung des Platzes ein. „Es lebe Berlin, es lebe die Freiheit!“, rief er, als das Schild schließlich zu sehen war.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sagte bei der Benennung des Platzes, der DDR-Volksaufstand sei der Grundstein für die deutsche Einheit gewesen. „Die Menschen, die 1953 auf die Straße gegangen sind, waren die politischen und moralischen Vorreiter der Menschen, die im Herbst 1989 auf die Straßen gegangen sind.“ Für Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ist der neue Name des Platzes ein „später Triumph über die SED-Diktatur“.

Am Gedenktag an diesem Montag wird am Mahnmal für den Volksaufstand in Berlin auch eine Ansprache der Kanzlerin erwartet. Mit einer Gedenkminute soll der Opfer gedacht werden.

Rund um den 17. Juni 1953 waren in rund 700 DDR-Orten mehr als eine Million Menschen auf die Straße gegangen. Aus anfangs sozialen Protesten, so gegen höhere Arbeitsnormen, entwickelte sich der Ruf nach Freiheit und Demokratie. Der Aufstand wurde mit sowjetischen Panzern niedergewalzt. Danach vollstreckte die DDR-Justiz massenhaft Unrechtsurteile gegen Aufständische. „Rädelsführer“ wurden standrechtlich erschossen.

Am Vormittag hatten Forscher der Stasi-Unterlagen-Behörde über neue Erkenntnisse zu der Massenerhebung berichtet. So zeigten damalige Stasi-Berichte an die SED-Führung eine Gesellschaft, die noch lange in Aufruhr war und sich nur widerwillig der Führung beugte.

Von der DDR-Führung wurde der Aufstand anfangs als „faschistischer Putsch“ verunglimpft und später tot geschwiegen. Im Westen wurde der 17. Juni zwar ein nationaler Gedenktag. Seine Bedeutung verblasste im Laufe der Jahre aber und wurde immer mehr als Bade- und Feiertag wahrgenommen.

Anlässlich des 60. Jahrestages hatte der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, erklärt, der 17. Juni ’53 habe einen langen Schatten für die Menschen in der DDR geworfen. Aufständische hätten offiziell als Verräter gegolten und beruflich keine Chancen gehabt. Niemand habe von den wahren Motiven der Demonstranten erzählt, sagte der frühere DDR-Oppositionelle.

dpa

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