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Mitteldeutschland Besetzung von Stasi-Dienststellen möglicherweise von SED gelenkt
Region Mitteldeutschland Besetzung von Stasi-Dienststellen möglicherweise von SED gelenkt
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21:22 30.11.2009
m 4. Dezember 1989 sind die Stasi-Bezirksverwaltungen in Erfurt, Leipzig und Rostock sowie eine Reihe von Kreisdienststellen schlagartig von Bürgerrechtlern besetzt worden. Quelle: Uwe Pullwitt
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Am 4. Dezember 1989 waren die Stasi-Bezirksverwaltungen in Erfurt, Leipzig und Rostock sowie eine Reihe von Kreisdienststellen schlagartig von Bürgerrechtlern besetzt worden. Am nächsten Tag folgte Dresden. Dabei sei nicht alles spontan verlaufen, erklärte der sächsische Landesbeauftragte Michael Beleites. „Die Bezirks- und Militärstaatsanwaltschaften, bisher enge Verbündete der Stasi, handelten plötzlich in allen Bezirksstädten synchron.

Selbst an Orten, an denen es keine Bürgerkomitees gab, haben Stasi und Staatsanwaltschaft von sich aus die SED-Presse und Bürgervertreter eingeladen, damit sie die Versiegelung der Archive dokumentierten. Damit sollte die Erstürmung der Dienststellen verhindert werden.“ Beleites betonte, es sei bleibendes Verdienst der Bürgerrechtler, die Aktenvernichtung gestoppt zu haben.

Gemeinsam mit seinem Berliner Amtskollegen Martin Gutzeit geht er derzeit in einem Forschungsprojekt der Frage nach, ob die SED die Aktionen inszenierte. Die Arbeit sei noch nicht abgeschlossen, sagte Beleites. Ein Ergebnis der Besetzungen sei jedoch auffällig: „Die Partei geriet insgesamt aus der Schusslinie.“

Auf scharfe Kritik stößt das Forschungsprojekt bei Tobias Hollitzer, Chef des Leipziger Stasi-Museums. „Die Besetzung war einer der großen Siege der Friedlichen Revolution und keinesfalls im Interesse der SED oder der Staatssicherheit", sagte Hollitzer. Der Gedanke, dass die Partei das Vorgehen gesteuert haben könnte, sei absurd, dafür fehle jeder Beweis, sagte er.

Gutzeit verwies dagegen auf Verhandlungen, die Bürgerrechtler in Berlin am 3. und 4. Dezember 1989 mit Regierungschef Hans Modrow, dem damaligen Geheimdienstchef Wolfgang Schwanitz, dem DDR-Innenminister und dem stellvertretenden Generalstaatsanwalt führten. Dabei sei besprochen worden, ob man einer Erstürmung der Leipziger Geheimdienstzentrale durch eine geordnete Besichtigung zuvorkommen könnte.

Armin Görtz

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