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Mitteldeutschland Betrunkener Lokführer: Für Bahn und Gewerkschaft ein absolutes No-Go
Region Mitteldeutschland Betrunkener Lokführer: Für Bahn und Gewerkschaft ein absolutes No-Go
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21:39 10.01.2019
Der Lokführer eines ICE war mit 2,5 Promille erwischt worden (Symbolfoto). Quelle: dpa
Leipzig/Wittenberg

Trunkenheit am Steuer ist kein Kavaliersdelikt. Betrunken am Steuer eines ICE mit Dutzenden oder Hunderten von Reisenden gehe gar nicht. Das müsse harte Konsequenzen haben. Dieser Meinung ist man beim Fahrgastverband Pro Bahn. „Wer so erwischt wird, ist die längste Zeit seines Lebens Lokführer gewesen“, sagte Pro-Bahn-Sprecher und Ehrenvorsitzender Karl-Peter Naumann. Auch die Deutsche Bahn als Arbeitgeber und die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) verurteilten die Trunkenheitsfahrt eines Lokführers, wollen vor einer genauen Bewertung aber erst die Ermittlungen abwarten.

Am Dienstagabend war ein Lokführer an Wittenberg Richtung Leipzig vorbeigerauscht, ohne wie geplant zu halten. Nach Medienberichten soll der Zugführer daraufhin die Bundespolizei verständigt haben. Beamte holten den Lokführer in Bitterfeld aus dem Zug. Eine Alkoholtest ergab laut Bundespolizei 2,49 Promille.

Was genau passiert sei, könne man noch nicht sagen. Die Bundespolizei ermittle noch, sagte ein Bahnsprecher. Dem Lokführer sei der Triebfahrzeugschein weggenommen und dem Eisenbahnbundesamt übergeben worden. Über straf- oder arbeitsrechtliche Folgen werde erst nach Abschluss der Ermittlungen entschieden. Es handele sich um eine absolute Ausnahme.

„Fahren unter Alkoholeinfluss ist ein absolutes No-Go“, sagte GDL-Chef Claus Weselsky. Für das Fahrpersonal gelte die Null-Promille-Grenze im Dienst. „Weder Alkohol noch Drogen sind zu tolerieren, denn Lokführer tragen eine besondere Verantwortung, schließlich begeben sich die Reisenden vertrauensvoll in ihre Hände.“ Wie in anderen Bereichen der Gesellschaften könne man aber derartiges nicht ausschließen. Immerhin gebe es 28 000 Lokführer bei der Deutschen Bahn und bei anderen Verkehrsunternehmen in Deutschland. Weselsky sprach ebenfalls von einer absoluten Ausnahme.

Gegen den in Leipzig angestellten Mann ermittelt jetzt die Bundespolizei – wegen Gefährdung des Bahnverkehrs. Sollte es zur Anklage kommen, drohen dem Lokführer im schlimmsten Fall bis zu fünf Jahre Haft. Sich zur beruflichen Zukunft des Mannes zu äußern, sei zu früh, meinte Weselsky. Grundsätzlich habe jeder eine zweite Chance verdient. Als Erstes müsse sichergestellt werden, dass kein krankheitsbedingter Alkoholmissbrauch vorliegt und eine Wiederholungsgefahr ausgeschlossen ist. Ob der Mann wieder Lok fahren darf, entscheide letztlich das Eisenbahnbundesamt.

Selbst wenn der Lokführer ein Gesundheitsproblem habe, werde die Bahn ihn nicht fallen lassen, sagte ein Sprecher. Das Unternehmen verfüge über ein Netz von hauptamtlichen Sozialbetreuern und ehrenamtlichen Suchtberatern.

Dem nach Bekanntwerden des Vorfalls in den sozialen Netzwerken geforderten Alkohol-Test vor Fahrtantritt steht Weselsky kritisch gegenüber. Nicht nur weil das gegen das Persönlichkeitsrecht verstoße, sondern auch weil es bereits viele Sicherheitseinrichtungen gebe. So müsse der Lokführer zum Beispiel alle zwei Minuten eine Wachsamkeitstaste drücken. Unterlässt er das, bremst der Zug automatisch ab. Lokführer müssten zudem aller drei Jahre zu einem umfangreichen Gesundheits-Check. Ab 55 sei der Gang zum Arzt sogar jedes Jahr fällig.

In den sozialen Netzwerken gab es auch ironische Kommentare. Ein Nutzer schrieb: „Der Mann hat nach dem Alkoholkonsum extra sein Auto stehen gelassen und öffentliche Verkehrsmittel benutzt! Vorbildlich!“

von Andreas Dunte

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