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Mitteldeutschland Bis zu 20 zusätzliche Nachtflüge in Leipzig: Neues Anflugverfahren erlaubt mehr Landungen
Region Mitteldeutschland Bis zu 20 zusätzliche Nachtflüge in Leipzig: Neues Anflugverfahren erlaubt mehr Landungen
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23:00 14.08.2018
Ein DHL-Frachtflugzeug (im Vordergrund) landet in den Nachtstunden auf dem Flughafen Leipzig/Halle. Durch das neue System sollen statt 28 künftig maximal 31 Landungen möglich sein. Quelle: dpa
Schkeuditz

Betrieb ist am Flughafen Leipzig/Halle schon jetzt vor allem nachts. In Stoßzeiten setzen im Zwei-Minuten-Takt die Frachtmaschinen von DHL, Aerologic & Co. auf. Jetzt könnten es noch mehr werden: Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat in Schkeuditz ein neues Anflugverfahren eingeführt – und das ermöglicht bis zu 20 Landungen mehr pro Nacht.

Mit dem neuen Verfahren Recat-EU ließen sich „mehr Flugzeuge in kürzerer Zeit sicher zur Landung bringen“, sagte DFS-Sprecher Stefan Jaekel der LVZ. Der Trick: Der Sicherheitsabstand zwischen anfliegenden Maschinen wird je nach Flugzeugtyp etwas verkürzt, sodass mehr Maschinen landen können. Pro Stunde könnten dadurch drei Maschinen mehr abgefertigt werden: 31 statt bisher 28.

„Das spielt natürlich vor allem nachts eine Rolle, wenn die Frachtmaschinen landen“, so Jaekel. Denn während tagsüber zum Teil mehr als eine Stunde vergeht, bis die nächste Passagiermaschine landet, herrscht zwischen 23.30 und 5.30 Uhr, wenn nur Frachtmaschinen den Airport ansteuern dürfen, reger Betrieb. Allein 65 Flieger landen im Schnitt pro Nacht am DHL-Drehkreuz. Hinzu kommen weitere 40 Frachtairlines.

Airport und Hauptnutzer DHL begrüßten das neue Anflugverfahren. Die kürzere Taktzeit helfe der Post-Tochter, die „Abläufe zu verbessern und einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten“, erklärte DHL-Sprecher Mattias Persson.

Entsetzen bei Lärmfluggegnern

Fluglärmgegner zeigen sich dagegen entsetzt. Schkeuditz sei schon jetzt einer der lautesten Flughäfen in Deutschland, sagte Matthias Zimmermann von der Bürgerinitiative gegen Fluglärm. Die neuen Pläne bringen die Anwohner zusätzlich um ihren Schlaf: „Wenn jetzt noch mehr Flüge pro Stunde gehen, explodiert das. Dann wird es noch lauter.“ Und das dürfte erst der Anfang sein. Die Bundesregierung will Leipzig/Halle zum zentralen Frachtdrehkreuz ausbauen. Dieser Ausbau hat noch gar nicht begonnen.

Bedenken, das neue Anflugverfahren gehe zu Lasten der Sicherheit, wies DFS-Sprecher Jaekel zurück. Bisher seien die Sicherheitsabstände oft viel zu groß bemessen, weil die Flugzeugtypen nur grob in vier Klassen eingeteilt wurden. Das gehe jetzt genauer – ohne Sicherheitsverlust. Das Verfahren wurde ein Jahr lang in Schkeuditz erprobt und für gut befunden. Deshalb gehe es jetzt in den Regelbetrieb. In Deutschland ist Leipzig damit Pionier: Bisher wurde das neue Verfahren nur in Paris und London genutzt.

Wirklich zum Tragen kommen wird die neue Obergrenze von 31 Landungen pro Stunde aber wohl erst im Dezember, wenn das Weihnachtsgeschäft die Luftfracht brummen lässt. Vor zwei Jahren sei man da schon knapp an die alte Obergrenze von 28 gekommen, berichtet Jaekel. Daher habe man überlegt, wie sich die Kapazität erhöhen lässt, ohne gleich den ganzen Airport auszubauen – und Schkeuditz dann gezielt für den Test von Recat-EU ausgewählt. Dabei habe sich gezeigt, dass gerade der Flottenmix von DHL perfekt zum neuen Verfahren passe. „Das macht hier richtig Sinn.“

Von Frank Johannsen

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