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Mitteldeutschland Bitterfelds schwimmende Häuser
Region Mitteldeutschland Bitterfelds schwimmende Häuser
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00:33 09.04.2018
Martin Röstel (links) mit seinen Miturlaubern auf der Terrasse des Hausboots auf dem Goitzschesee in Bitterfeld. Quelle: Christian Modla
Bitterfeld

Die freien Tage verlängern und die Woche nach Ostern für einen Erholungsurlaub in der Nähe nutzen: Das hat sich auch Martin Röstel gedacht. Der 35-jährige Berliner sitzt mit seiner Freundin Marina aus München sowie dem befreundeten Pärchen Anja und André sowie deren kleiner Tochter Leni auf einer Bitterfelder Terrasse und genießt die Mittagssonne. Das besondere dabei? Die Terrasse gehört zu einem Hausboot auf dem Goitzschesee direkt am Goitzsche-Campingplatz in Bitterfeld.

Ab 140 Euro Miete pro Übernachtung

Dass es sie gerade hierhin verschlagen hat, ist eher dem Zufall geschuldet. Die Urlauber haben im Internet nach Ferien an Seen oder auf Bergen gesucht und sind dann über die Hausbootsuche zu den Unterkünften auf der Goitzsche gestoßen. „Wenn man Bitterfeld liest, hat man meistens erst einmal ein anderes Bild vom Ort“, hält Röstel treffend fest.

Mit seinen 44 Quadratmetern Wohnfläche ist das Haus schon so groß wie eine kleine Wohnung. Zwei Schlafzimmer, ein Bad und ein Wohnzimmer mit Küchenzeile, die direkt am Wasser liegen. Zusätzliche Dachterrasse inklusive. Für eine Nacht zahlen sie derzeit im Schnitt 140 Euro. In der Saison erhöht sich der Preis noch einmal um 40 Euro pro Übernachtung.

Martin Röstel (links) und seine Miturlauber auf der Terrasse des Hausboots in Bitterfeld. Quelle: Christian Modla

Acht weitere Hausboote liegen neben ihnen am Steg. Sie tragen so klangvolle Namen wie „La-belle-vie“, „Seapearl“ oder „Meine Olle“. Das ist die zum Ufer gewandte Seite des Stegs. Auf der zum See gewandten schwimmen noch einmal weitere sieben. Diese Hausboote werden aber „schwimmende Häuser“ genannt und unterscheiden sich allein schon dadurch, dass sie im Gegensatz zu den Hausbooten aus zwei Stockwerken mit 140 Quadratmetern Wohnfläche bestehen.

Stahlbeton und Polystoryl

Das erklärt Maria Grütze, die die Häuser als Feriendomizile vermietet. Am Steg des „Goitzsche Resorts“ ist noch Platz für drei weitere dieser schwimmenden Häuser. Das Prinzip hinter diesen Bauten ist recht simpel. Die Aufbauten werden auf im Wasser schwimmenden Pontons errichtet. Diese Stahlbetonhohlkörper wiegen zwar fast 80 Tonnen, gehen aber nicht unter, weil sie mit Polystyrol gefüllt wurden.

Gebaut werden sie von der Firma „floating house“ ein paar Kilometer weiter im Bitterfelder Stadthafen. Dort werden die Pontons gegossen. Später werden die Aufbauten daraufgesetzt. Im Schnitt dauert es von der Planung bis zur Fertigstellung eines solchen Hausbootes sechs Monate. Zwei dieser Pontons liegen bereits an der Hausboot-Marina. Ein drittes „schwimmendes Haus“ wird gerade im Stadthafen fertiggestellt.

Die Hausboot-Marina auf dem Goitzschesee in Bitterfeld. Quelle: Christian Modla

Die Firma kümmert sich außerdem um die Liegeplätze und alle anfallenden Genehmigungen für die Boote. Natürlich ist der Preis von rund 230 000 Euro für ein Hausboot und 400 000 Euro für ein „schwimmendes Haus“ nicht für jedermann erschwinglich. Die meisten der Objekte auf der Goitzsche gehören Unternehmern aus der Region oder aus Berlin, die sie als Ferien- oder Wochenenddomizile benutzen. Den Rest des Jahres lassen die Besitzer sie von ihr an Touristen vermieten, erzählt Grütze.

Weitere Hausbootplätze im Großraum Leipzig

Obwohl dauerhaftes Wohnen auf den Hausbooten auf der Goitzsche möglich wäre, ist es durch die Verwaltung faktisch nicht vorgesehen. Würde jemand seine feste Wohnanschrift in eines der Häuser verlagern wollen, würde er von der Verwaltung keine Meldeadresse erhalten. Das ist bis jetzt nur an wenigen Stellen möglich. Beispielsweise im Wohnkomplex „Humboldt-Insel“ im Berliner Stadtteil Tegel. Dort haben die „schwimmenden Häuser“ der Anlage nach jahrelanger Vorbereitung eine Meldeadresse erhalten, wie man von der Firma erfährt.

Die zweistöckigen „schwimmenden“ Häuser auf dem Goitzschesee in Bitterfeld. Quelle: Christian Modla

Dennoch liegen Hausboote derzeit scheinbar im Trend. Maria Grützes Liegeplätze auf dem Goitzschesee sind mittlerweile restlos vergeben. Ihre Aufmerksamkeit wird die 28-Jährige mit ihrem Familienbetrieb demnächst einem Projekt am Geiseltalsee widmen. Und „floating house“ plant schon weitere Projekte am Cospudener und dem Zwenkauer See. Auf Hausbooten entspanne man einfach besonders, teilt Maria Grütze ihre Erfahrungen. „Wasser hat noch mal eine ganz andere Wirkung“, ist sie sich sicher.

www.hausbootvermietung-seeblick.de/

Von Edgar Lopez

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