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Mitteldeutschland Demonstrationen in Chemnitz bleiben friedlich - DGB zufrieden
Region Mitteldeutschland Demonstrationen in Chemnitz bleiben friedlich - DGB zufrieden
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22:42 01.05.2018
Teilnehmer einer Gegendemonstration protestieren an einer Straßenkreuzung und werden von Polizei zurück gehalten. Quelle: dpa
Chemnitz 

Chemnitz hat ein Zeichen gegen Rechts gesetzt: Mehrere Tausend Menschen sind am 1. Mai dem Aufruf der Gewerkschaften und zahlreicher Bündnisse gefolgt, gewaltfrei gegen einen Neonazi-Aufmarsch zu demonstrieren. Die Beteiligung an der Mai-Kundgebung, die sich auch für eine gerechte Gesellschaft einsetzte, sei richtig gut gewesen, sagte Sachsens DGB-Chef Markus Schlimbach am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Viele Tausend Menschen hätten sich gegen Nazis gezeigt. „Ich bin sehr zufrieden“, sagte Schlimbach nach Abschluss aller Demonstrationen.

Die Polizei hatte sich mit einem massiven Aufgebot auf mögliche Zusammenstöße von Rechten und Gegendemonstranten eingestellt. Über dem Stadtteil Sonnenberg, durch den zwei Routen führten, schwebte ein Hubschrauber. Wasserwerfer und gepanzerte Fahrzeuge standen bereit. Ein Großaufgebot von Beamten aus Sachsen, Bayern und Nordrhein-Westfalen begleitete die Aufzüge.

Die Chemnitzer Polizei zog ein positives Fazit. Man habe allen Teilnehmern das gewähren können, was ihnen das Versammlungsrecht einräume. Störungen seien frühzeitig unterbunden worden. „Wir haben unser Einsatzziel erreicht“, sagte eine Polizeisprecherin. Schlimbach lobte, es sei ein besonnener, ruhiger und konzentrierter Einsatz gewesen.

Zu der rechtsextremen Demonstration waren 1500 Teilnehmer erwartet worden - es kamen laut Polizei aber deutlich weniger. Zudem demonstrieren die Gewerkschaften am 1. Mai mit Schwerpunkt in Chemnitz für Sachsen, sie riefen zu Engagement gegen Rechts auf. Diesem Aufruf sind mehrere Tausend Menschen gefolgt.

Insgesamt hatten rund 25 Parteien, Bündnisse, Initiativen, Vereine, Clubs und Kirchenvertreter gemeinsam dazu aufgerufen, friedlich gegen Rechts zu demonstrieren. Prominenter Unterstützer ist unter anderem die Rockband „Kraftklub“, die dort auf einer mobilen Bühne auftreten will.

Riesige Protestdemo in #Chemnitz gegen den #Nazi-Aufmarsch der faschistischen Kleinstpartei III. Weg. 😍 #c0105 #Antifa #platznehmen

Gepostet von Leipzig nimmt Platz am Dienstag, 1. Mai 2018

Die Lage blieb zunächst ruhig. Die Polizei berichtet nur von einem kleineren Zwischenfall, als Teilnehmer einer Gegendemo versuchten, auf die Strecke der Demonstration der Rechtsextremen zu gelangen. Festnahmen hat es aber offenbar nicht gegeben. Teilnehmer der Protestzüge schätzen, dass sich gegen die Rechtsextremen rund 1500 Menschen auf den Weg gemacht haben. Die Demonstration der Neonazis soll laut Beobachtern zunächst mit 400 Teilnehmern gestartet sein.

Die Polizei hatte angekündigt, den friedlichen Verlauf aller angemeldeten Veranstaltungen zu gewährleisten. Dafür sollten die verschiedenen Gruppen getrennt bleiben. Neben der Chemnitzer Polizei unterstützt auch Bereitschaftspolizei aus Nordrhein-Westfalen und Bayern den Einsatz.

Kretschmer fordert Engagement gegen Rechts

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat bei einer Gewerkschaftskundgebung in Chemnitz alle Bürger aufgerufen, sich gegen Rechtsextremismus einzusetzen. „Rechtsextremismus bekämpft man nicht mit Linksextremismus. Es muss aus der Mitte der Gesellschaft kommen“, sagte Kretschmer zum Auftakt der Veranstaltung am Dienstag. Er bedankte sich bei den einigen Hundert Teilnehmern der Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes Sachsen (DGB) für ihr Kommen. Sie zeigten damit, dass von Chemnitz ein anderes Bild ausgehen soll als das des Rechtsextremismus.

Gleichzeitig lobte Kretschmer die gute Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften zum Erhalt von Arbeitsplätzen in Sachsen. Die Gewerkschaften seien Wächter über die Solidarität und für gute Arbeitsbedingungen und Löhne.

Der Demonstrationszug des DGB zog vom Chemnitzer Neumarkt zum Stefan-Heym-Platz. Kretschmer ging voran - vor sich ein Plakat mit dem Motto der Kundgebung „Vielfalt, Gerechtigkeit, Solidarität. Chemnitz - dem Rassismus keine Chance“. Neben ihm liefen Sachsens DGB-Chef Markus Schlimbach sowie die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) und Volkmar Zschocke, Fraktionsvorsitzender der Grünen im sächsischen Landtag.

Von lyn (mit dpa)