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Mitteldeutschland Brunhild Kurth ist Sachsens neue Kultusministerin - Konflikt nicht gelöst
Region Mitteldeutschland Brunhild Kurth ist Sachsens neue Kultusministerin - Konflikt nicht gelöst
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15:47 22.03.2012
Die Leiterin der Regionalstelle Chemnitz der sächsischen Bildungsagentur, Brunhild Kurth, wird Sachsens neue Kultusministerin. Quelle: dpa
Dresden

Sie sei lebenserfahren, Expertin im Umgang mit Kindern und habe verantwortliche Aufgaben in der Schulverwaltung erfüllt. Kurth sprach von einem wahrlich anspruchsvollem Amt, dem sie sich stelle. „Sachsen soll ein exzellenter Bildungsstandort bleiben“, betonte die bisherige Chefin der Chemnitzer Bildungsagentur-Regionalstelle. Noch am Abend übergab Amtsvorgänger Roland Wöller (CDU) die Geschäfte.

Wöller hatte aus Frust über Personalabbau an Schulen am Dienstag das Handtuch geworfen. Der 41-Jährige wollte keine Verantwortung mehr für Unterrichtsausfall und weitere Missstände übernehmen. Zudem bezeichnete er das zuvor auch von ihm unterzeichnete Bildungspaket als Mogelpackung. Nach Aussagen von Teilnehmern der Fraktionssitzung erhielt er am Donnerstag bei seiner Verabschiedung „stürmischen“ Applaus. Auch dies mag ein Zeichen für parteiinterne Verwerfungen in der Bildungspolitik sein.

Tillich unterstrich bei der Amtsübergabe das Ziel, dass Sachsen auch künftig den Spitzenplatz in der Bildung einnehmen wolle. „Bildung hat im Freistaat höchste Priorität. Die neue Ministerin wird diesen Anspruch entsprechend wieder mit Leben erfüllen“, hieß es in einer Presseerklärung der Staatskanzlei. Die Formulierung lässt aufhorchen: Das Wort „wieder“ kann als Seitenhieb auf Wöller verstanden werden. Auch dass Wöller Kurth einst als Chefin der Bildungsagentur Sachsen ablösen ließ, stellt die Ernennung in ein besonderes Licht.

CDU-Bildungsexperte Thomas Colditz nahm kein Blatt vor den Mund. Schon zuvor hatte er sich als Kritiker der Regierung erwiesen. Am Donnerstag wurde er nach eigenem Bekunden von Fraktionschef Steffen Flath aufgefordert, entweder Tillich und Kurth zu unterstützen oder die Fraktion zu verlassen. „Ich lasse mir keinen Maulkorb verpassen“, sagte der 54 Jahre alte Lehrer und kündigte an, das Geschehen weiter kritisch zu begleiten. Er begrüßte die Ernennung Kurths. Sie brauche aber mehr Unterstützung als ihr Vorgänger und müsse sich im Kabinett gegen Tillich und Finanzminister Georg Unland (CDU) durchsetzen.

Die Opposition im Landtag knüpfte Erwartungen an den Amtswechsel. „Ob es aber der Staatsregierung tatsächlich gelingt, den Lehrerbedarf an Sachsens Schulen nachhaltig zu sichern, liegt einzig und allein in der Verantwortung des Ministerpräsidenten“, betonte SPD-Fraktionschef Martin Dulig. Linksfraktionschef André Hahn sieht Kurth zum Scheitern verurteilt, wenn es nicht zu einem Kurswechsel von Schwarz-Gelb komme. Die Grünen befürchten, dass die neue Ministerin ohne geänderte Vorzeichen nur den Mangel verwaltet. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft warnte Kurth, den Mangel an Schulen „möglichst geräuschlos“ verwalten zu wollen, sicherte ihr aber dennoch Unterstützung zu.

Für die schwarz-gelbe Koalition ist die parteilose Pädagogin Kurth ein Hoffnungsträger. Mit ihr an der Spitze sei im Kultusministerium wieder Führungskraft und Gestaltungswillen gegeben, schrieb der parlamentarische Geschäftsführer der FDP, Torsten Herbst. Gute Bildung sei nicht nur eine Frage des Geldes. Gerade bei der Verwaltung des Lehrerpersonals gebe es innerhalb des bestehenden Systems Reserven. „Es geht vor allem darum, dass wieder mehr Lehrer für den Unterricht vor der Klasse eingesetzt werden und nicht in der Verwaltung oder für lehrfremde Tätigkeiten.“

„Der Ministerpräsident hat eine sehr gute Wahl getroffen und eine versierte Bildungsexpertin zur Ministerin gewählt“, betonte CDU-Fraktionschef Steffen Flath. Kurth kenne die sächsische Bildungslandschaft aus allen Perspektiven. „Das wird sich bei der Lösung der Aufgaben im Schulbereich auszahlen.“ Kurth ist die nunmehr dritte Frau in Sachsens CDU/FDP-Kabinett. Neben der parteilosen Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer sitzt noch CDU-Sozialministerin Christine Clauß am Kabinettstisch.

dpa

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