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Mitteldeutschland Köthen gibt sich bunt und weltoffen - Rechte Demo kleiner als gedacht
Region Mitteldeutschland Köthen gibt sich bunt und weltoffen - Rechte Demo kleiner als gedacht
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19:11 29.09.2018
Kinder der evangelischen Grundschule Köthen tanzen auf dem Bürgerfest "Weltoffenes Köthen". Quelle: dpa
Köthen

Rund 1000 Menschen haben am Samstag in Köthen auf einem Bürgerfest ein Zeichen gegen Fremdenhass und für mehr Weltoffenheit gesetzt. Zu dem Fest im und am Tierpark der Kreisstadt hatte die Initiative „#wirwollendasselbe - Ein Friedliches Köthen“ kurzfristig eingeladen. Fast zeitgleich versammelten sich auf dem Marktplatz Rechte zu einer lautstarken Kundgebung. Die Veranstalter hatten mit rund 1000 Teilnehmern gerechnet - gekommen waren etwa 350. Ursprünglich war ein Konzert mehrerer rechtsextremer Bands geplant, ihre Auftritte waren jedoch von den Behörden untersagt worden.

Für die Organisation des Bürgerfestes waren nur wenige Stunden Zeit. Es war kurzerhand auf die Beine gestellt worden, nachdem das Oberverwaltungsgericht Magdeburg am späten Freitagabend ein Urteil bestätigt hatte, wonach ein geplanter Hochschul-Aktionstag „zeitlich und räumlich“ von einer Versammlung der rechten Szene zu trennen sei. Beide Veranstalter hatten den Marktplatz als Ort angemeldet - die rechten Veranstalter allerdings früher und damit mit Vorrang auf die Örtlichkeit. Der SPD-Ortsverein und die Hochschule Anhalt hatten daraufhin die Aktion „Weltoffene Hochschule“ für Samstag abgesagt und wollen sie nun am 13. Oktober nachholen.

Klare Signale gegen Fremdenfeindlichkeit gefordert

„Die Idee kam aus der Bürgerschaft“, sagte Oberbürgermeister Bernd Hauschild (SPD) über das kurzfristig organisierte Fest. „Wir können nicht einfach stillhalten, wenn Andere Köthen erobern.“ Das Fest stand unter dem Motto „Weltoffenes Köthen“.

„Die Gerichte haben das in der zeitlichen Abfolge anders gesehen, als wir uns das gewünscht haben. Aber davon lassen wir uns nicht destabilisieren“, sagte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) zu Beginn des Festes. „Wir sind die Köthener. Wir feiern. Das ist unser Zeichen.“

Wissenschafts- und Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) hat von den Menschen im Land klare Signale gegen Fremdenfeindlichkeit und mehr Weltoffenheit gefordert. „Es darf nicht ein Signal von Sachsen-Anhalt ausgehen, das lautet: Wir haben es irgendwie schwer mit dem Fremden“, sagte er. „Das Gegenteil ist doch der Fall.“ Es könne nicht sein, dass ausländische Kommilitonen und Kommilitoninnen Angst haben. Ein Viertel der fast 8000 Studenten der Hochschule Anhalt mit Sitz in Köthen kommen laut Willingmann aus dem Ausland. Köthen sei ein „Leuchtturm“. „Wir dürfen uns die Stadt nicht wegnehmen lassen.“

Verdächtige in Untersuchungshaft.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sagte seine für den frühen Nachmittag geplante Kundgebung auf dem Neustädter Platz ab, um sich stattdessen ebenfalls beim Bürgerfest zu engagieren. Das teilte der DGB Sachsen-Anhalt über den Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Köthen kommt seit drei Wochen nicht zur Ruhe. Anlass ist der Tod eines Kötheners in der Nacht zum 9. September. Nach Behördenangaben starb der schwer herzkranke 22-Jährige an einem Infarkt, nachdem er einen Streit zwischen Afghanen schlichten wollte und ins Gesicht geschlagen wurde. Zwei Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft.

Von LVZ

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