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News Bund und Länder bringen Hilfsfonds für Insassen ehemaliger DDR-Kinderheime auf den Weg

Bund und Länder bringen Hilfsfonds für Insassen ehemaliger DDR-Kinderheime auf den Weg

Wenn der heute 58-jährige Roland Militz über seine Kindheit spricht, versagt ihm oft die Stimme. Tränen schießen in die Augen das drahtigen Mannes mit den ergrauten Haaren.

Berlin. Mit elf Jahren kam der Junge aus dem -kleinen Ort Loitz in der Nähe von -Demmin zum ersten Mal ins Kinderheim. Er war von zu Hause weggelaufen, um den brutalen Schlägen des Vaters, nach außen ein überzeugter SED-Genosse, zu entgehen. Mehrere Spezialkinderheime, der berüchtigte Jugendwerkhof Torgau und Haft in Dessau, schlossen sich an. Demütigungen, Schläge, Essensentzug, Bespitzelung durch andere Heiminsassen waren an der Tagesordnung.

Andere Insassen von Spezialkinderheimen berichteten von Zwangsarbeit und sexuellen Übergriffen. Die Schul- und Ausbildung sei so unzureichend gewesen, dass die Opfer im späteren Leben oft nur schlecht bezahlte Arbeit fanden. Als Militz mit 19 Jahren aus politischer Haft entlassen wurde, sei zwar sein Willen gebrochen gewesen, aber nicht seine Intelligenz. In den Folgejahren machte er drei Facharbeiterabschlüsse. Doch die schrecklichen Erlebnisse lassen ihn nicht mehr los, er hat ständig Alpträume, muss psychiatrisch behandelt werden. Seine Frau, mit der er seit 30 Jahren verheiratet ist, gibt ihm Halt, vermittelt ihm menschliche Wärme.

Als Vertreter ostdeutsche Heimkinder saß Militz gestern mit am Tisch  im Bundesfamilienministerium. Dort brachten der Bund sowie die Sozialministerinnen der neuen Bundesländer einen 40-Millionen-Euro-Hilfsfonds für ehemalige ostdeutsche Heimkinder auf den Weg. Mit dem Geld, dass je zur Hälfte vom Bund und den Ländern aufgebracht wird, sollen Anlauf- und Beratungsstellen für ehemalige Heimkinder eingerichtet werden. Den Opfern soll bei der Aufarbeitung ihrer Lebensgeschichten, bei der Suche nach ihren Akten sowie beim Zugang zu Hilfeleistungen und Rentenersatzleistungen geholfen werden.

Vom 1. Juli an sollen Opfer von DDR-Spezialkinderheimen bei den Landesbeauftragten für die Stasi-Akten ihre Anträge stellen können. Opferrenten, wie von einigen Verbänden gefordert, werde es dagegen nicht geben. Der vom Bundesfamilienministerium vorgelegte Bericht über DDR-Heimkinder, Schätzungen nach gab es etwa 300 bis 400000, kommt allerdings nicht zu dem Schluss, „dass es sich bei der Heimerziehung in der DDR insgesamt um ein Unrechtssystem gehandelt haben könnte“. Freilich gab es gegen die zahlreichen Rechtsverstöße, die auch nach DDR-Recht hätten geahndet werden können, keine wirksamen Rechtsmittel oder Kontrollen. Die Kinder und Jugendlichen waren dem System vollständig ausgeliefert. Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD) bat die Opfer um Entschuldigung für das erlittene Unrecht.

Roland Militz ist besonders wichtig, dass jetzt der Ruf der ehemaligen Heimkinder wider hergestellt wird, die heute noch weitgehend stigmatisiert werden. „Wir waren nicht schuld, dass wir in Heime gesteckt worden sind. Wir sind doch schon zufrieden, wenn man uns einfach nur mal in den Arm nimmt“, sagte er mit tränenerfüllter Stimme. 

Reinhard Zweigler

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