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Mitteldeutschland Trauerfeier von Thomas Haller: Chemnitz bereitet sich auf Hooligan-Ansturm vor
Region Mitteldeutschland Trauerfeier von Thomas Haller: Chemnitz bereitet sich auf Hooligan-Ansturm vor
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16:56 16.03.2019
Erst im vergangenen Herbst musste die Polizei mit aggressiven Menschenmassen in Chemnitz umgehen. (Archiv) Quelle: Jan Woitas/ZB/dpa
Chemnitz

Noch ist das Ausmaß des rechten Aufmarsches nicht erkennbar: Verschiedene Bündnisse aus der Neonazi- und Hooligan-Szene haben dazu aufgerufen, der Beisetzung von Thomas Haller am Montag in Chemnitz beizuwohnen. Die örtliche Polizei bereitet sich auf einen Großeinsatz vor, wie ein Sprecher der Behörde auf Nachfrage von LVZ.de bestätigt. Dabei werden voraussichtlich auch mehrere Wasserwerfer eingeplant. "Wir stellen uns auf alle Eventualitäten ein“, hieß es von den Beamten.

Bündnis kritisiert die Stadt

Das Bündnis „Aufstehen gegen Rassismus“ rechnet mit mehreren Tausend Teilnehmern aus der rechtsextremen Szene. Dies sei eine Machtdemonstration nach dem Motto: Die Stadt gehört uns, sagte Gabi Engelhardt vom Bündnis am Samstag am Rande der Demonstration zum Tag gegen Rassismus am Karl-Marx-Denkmal.

Nach Auskunft der Stadt ist für Montag keine Demonstration angemeldet. „Die Stadt Chemnitz hat Kenntnis über eine Trauerfeierlichkeit, die am Montag stattfindet. Weiteres sowie eine genaue Teilnehmerzahl kann nicht benannt werden, da es sich um eine private Angelegenheit handelt“, hieß es aus dem Rathaus.

Engelhardt kritisierte die Stadt. „Wenn das Ganze als private Angelegenheit gesehen wird, muss man sich fragen, was in Chemnitz schiefläuft“, sagte sie.

Hallers Netzwerk

Thomas Haller galt als zentrale Figur der örtlichen rechten bis rechtsextremen Szene. Er soll Anfang der 1990er das Bündnis „HooNaRa“ gegründet haben – kurz für Hooligans-Nazis-Rassisten, das 2007 offiziell aufgelöst wurde.

Danach zog er sich weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Doch wie gut er noch vernetzt war, zeigten die Ereignisse nach seinem Tod: Vor einem Spiel des Chemnitzer FC am 9. März, zu deren aktiven Fanszene auch Thomas Haller gehörte, wurden Banner entfaltet, das Bild des Verstorbenen auf der Leinwand gezeigt und eine Schweigeminute abgehalten.

Der CFC versucht im Nachhinein, einen neuen Umgang mit der Stellung der Hooligans in der eigenen Fanszene zu finden. Doch auch in anderen Stadien wurde Thomas Haller gedacht. So wurden Banner in den nahen Städten Zwickau und Cottbus gesehen, aber laut Medienberichten auch in Zürich und Prag.

Erinnerung an August 2018

Ebenfalls am kommenden Montag soll auch der Prozess um den Tod des Chemnitzers Daniel H. beginnen. Der 35-Jährige verstarb im vergangenen August an mehreren Stichwunden nach einem Streit. Dieser Vorfall hat in Chemnitz in den  Wochen danach für einen Ausnahmezustand gesorgt: Mehrere Demonstrationen, an denen auch Größen der rechten Szene teilnahmen, zogen durch die Stadt. Zeitgleich kam es vermehrt zu Übergriffen auf Menschen mit einem sichtbaren Migrationshintergrund.

thiko (mit dpa)

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