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Mitteldeutschland DDR-Heimkinder erhalten Hilfe vom Staat - Fonds über 40 Millionen Euro wird eingerichet
Region Mitteldeutschland DDR-Heimkinder erhalten Hilfe vom Staat - Fonds über 40 Millionen Euro wird eingerichet
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21:47 26.03.2012
Der ehemalige Insasse Ralf Weber in einer Zelle im Dunkelzellentrakt des ehemaligen Geschlossenen Jugendwerkhofes Torgau (Archivfoto) Quelle: dpa
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Berlin

Eine monatliche Barzahlung sei zunächst nicht vorgesehen, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Hermann Kues (CDU), am Montag in Berlin. Das Sozialministerium in Magdeburg kündigte an, eine Beratungsstelle für die Betroffenen aus dem Land einzurichten.

Die Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung habe gezeigt, dass für viele Säuglinge, Kinder und Jugendliche Gewalt und Zwang zum Alltag gehörten, sagte Kues. Für dieses Leid könnten die ehemaligen Heimkinder niemals entschädigt werden. „Die verpassten Lebenschancen kann man nicht materiell ungeschehen machen.“ Der auf fünf Jahre angelegte Fonds sei vielmehr als Bitte um Entschuldigung zu werten, betonte Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD).

Das Geld soll den Betroffenen helfen, die Folgen des Leids ihrer Kindheit zu mildern. Den Angaben zufolge gab es zwischen 1949 und 1990 mehr als 400.000 Kinder in den Heimen und Jugendwerkhöfen der DDR. Allein in Sachsen-Anhalt waren es laut Sozialministerium in Magdeburg rund 90.000. Den Hilfstopf wollen Bund und ostdeutsche Länder je zur Hälfte füllen. Sachsen-Anhalt beteiligt sich laut Sozialministerium mit 3,6 Millionen Euro. Für ehemalige Heimkinder aus den westdeutschen Bundesländern wurde bereits ein 120 Millionen Euro umfassender Fonds eingerichtet.

Die Beratungsstelle, die in Sachsen-Anhalt eingerichtet wird, soll den Betroffenen aus dem Land umfangreiche Hilfe bei der Aufarbeitung ihrer Erfahrungen gegeben, teilte Sozialminister Norbert Bischoff (SPD) mit. Die ehemaligen Heimkinder sollen Hilfe bei der Recherche nach Unterlagen erhalten und Anträge auf finanzielle Unterstützung stellen können.

Der Bericht zur Aufarbeitung der Heimerziehung in Ostdeutschland enthalte „erschreckende Beschreibungen von Zuständen, die bislang nur ansatzweise bekannt sind“, sagte Kues. Die Umerziehung zum sozialistischen Idealmenschen sei erniedrigend gewesen. „Das Versagen des DDR-Systems ist nicht nur auf die Stasi zu reduzieren.“ Brandenburgs Jugendministerin Martina Münch (SPD) betonte, es müsse deutlich werden, dass die Heimkinder nicht die Schuld an ihrer eigenen Situation trügen.

Wie viele ehemalige Heimkinder von dem Fonds profitieren werden, ist Thüringens Sozialministerin Heike Taubert (SPD) zufolge noch nicht abzusehen. „Jeder Betroffene muss selbst entscheiden, ob er sich an uns wendet“, sagte sie. Dabei dürfe bei der Bewilligung von Hilfen nicht nur auf lückenhafte Akten aus den Heimen gesetzt werden. „Wir müssen davon ausgehen, dass jeder, der dort war, auch von den Leistungen profitieren kann.“

Aus Sicht der Opfer sei vor allem die öffentliche Anerkennung wichtig, sagte Ombudsmann Peter Schruth. Man müsse den ehemaligen Heimkindern, deren Gerechtigkeitsgefühl durch die haftähnlichen Bedingungen tief verletzt sei, endlich Glauben schenken. Der Ombudsmann für westdeutsche und ostdeutsche ehemalige Heimkinder hatte in der Vergangenheit gewarnt, ein Fonds könne nur Folgeschäden berücksichtigen, und für eine monatliche Opferrente plädiert.

Theresa Münch, dpa

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