Volltextsuche über das Angebot:

-1 ° / -7 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
DDR-Heimkinder erhalten Hilfe vom Staat - Fonds über 40 Millionen Euro wird eingerichet

DDR-Heimkinder erhalten Hilfe vom Staat - Fonds über 40 Millionen Euro wird eingerichet

Prügel, Missbrauch, Isolation: Tausende ehemaliger DDR-Heimkinder sollen jetzt ähnliche Millionen-Hilfen erhalten wie frühere West-Heimkinder. Der Bund und die ostdeutschen Länder richten zum 1. Juli einen 40 Millionen Euro schweren Fonds ein, aus dem therapeutische Behandlung, Beratung und Rentenersatzleistungen gezahlt werden sollen.

Voriger Artikel
Neonazis terrorisieren Bundeswehr-Reservisten - Sachsens Innenminister verurteilt Drohanrufe
Nächster Artikel
Mehrere Ausfälle am Flughafen Dresden wegen Verdi-Streiks

Der ehemalige Insasse Ralf Weber in einer Zelle im Dunkelzellentrakt des ehemaligen Geschlossenen Jugendwerkhofes Torgau (Archivfoto)

Quelle: dpa

Berlin. Eine monatliche Barzahlung sei zunächst nicht vorgesehen, sagte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Hermann Kues (CDU), am Montag in Berlin. Das Sozialministerium in Magdeburg kündigte an, eine Beratungsstelle für die Betroffenen aus dem Land einzurichten.

Die Aufarbeitung der DDR-Heimerziehung habe gezeigt, dass für viele Säuglinge, Kinder und Jugendliche Gewalt und Zwang zum Alltag gehörten, sagte Kues. Für dieses Leid könnten die ehemaligen Heimkinder niemals entschädigt werden. „Die verpassten Lebenschancen kann man nicht materiell ungeschehen machen.“ Der auf fünf Jahre angelegte Fonds sei vielmehr als Bitte um Entschuldigung zu werten, betonte Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD).

Das Geld soll den Betroffenen helfen, die Folgen des Leids ihrer Kindheit zu mildern. Den Angaben zufolge gab es zwischen 1949 und 1990 mehr als 400.000 Kinder in den Heimen und Jugendwerkhöfen der DDR. Allein in Sachsen-Anhalt waren es laut Sozialministerium in Magdeburg rund 90.000. Den Hilfstopf wollen Bund und ostdeutsche Länder je zur Hälfte füllen. Sachsen-Anhalt beteiligt sich laut Sozialministerium mit 3,6 Millionen Euro. Für ehemalige Heimkinder aus den westdeutschen Bundesländern wurde bereits ein 120 Millionen Euro umfassender Fonds eingerichtet.

Die Beratungsstelle, die in Sachsen-Anhalt eingerichtet wird, soll den Betroffenen aus dem Land umfangreiche Hilfe bei der Aufarbeitung ihrer Erfahrungen gegeben, teilte Sozialminister Norbert Bischoff (SPD) mit. Die ehemaligen Heimkinder sollen Hilfe bei der Recherche nach Unterlagen erhalten und Anträge auf finanzielle Unterstützung stellen können.

Der Bericht zur Aufarbeitung der Heimerziehung in Ostdeutschland enthalte „erschreckende Beschreibungen von Zuständen, die bislang nur ansatzweise bekannt sind“, sagte Kues. Die Umerziehung zum sozialistischen Idealmenschen sei erniedrigend gewesen. „Das Versagen des DDR-Systems ist nicht nur auf die Stasi zu reduzieren.“ Brandenburgs Jugendministerin Martina Münch (SPD) betonte, es müsse deutlich werden, dass die Heimkinder nicht die Schuld an ihrer eigenen Situation trügen.

Wie viele ehemalige Heimkinder von dem Fonds profitieren werden, ist Thüringens Sozialministerin Heike Taubert (SPD) zufolge noch nicht abzusehen. „Jeder Betroffene muss selbst entscheiden, ob er sich an uns wendet“, sagte sie. Dabei dürfe bei der Bewilligung von Hilfen nicht nur auf lückenhafte Akten aus den Heimen gesetzt werden. „Wir müssen davon ausgehen, dass jeder, der dort war, auch von den Leistungen profitieren kann.“

Aus Sicht der Opfer sei vor allem die öffentliche Anerkennung wichtig, sagte Ombudsmann Peter Schruth. Man müsse den ehemaligen Heimkindern, deren Gerechtigkeitsgefühl durch die haftähnlichen Bedingungen tief verletzt sei, endlich Glauben schenken. Der Ombudsmann für westdeutsche und ostdeutsche ehemalige Heimkinder hatte in der Vergangenheit gewarnt, ein Fonds könne nur Folgeschäden berücksichtigen, und für eine monatliche Opferrente plädiert.

Theresa Münch, dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Mitteldeutschland
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • LVZ-Reisemarkt

    Lust auf Urlaub? Der LVZ Reisemarkt präsentiert am 2. und 3. Februar 2018 Traumziele fern und nah. Alle Infos zu den Ausstellern und zum Programm g... mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2018
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 14. LVZ-Fahrradfest lädt am 29. April 2018 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Alle Infos zum Event finden Sie in unserem Sp... mehr

  • Geld für Vereine der Region
    Mikrologo Angestust

    Mit der Aktion „Angestupst“ unterstützen LVZ und Sparkasse Leipzig die Vereine der Region. Die aktuelle Runde läuft. mehr

  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album 2
    Leipzig-Album 2

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr