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Mitteldeutschland DDR-Zwangsadoptionen: Marian Wendt will politische Debatte über Unrechtsstaat
Region Mitteldeutschland DDR-Zwangsadoptionen: Marian Wendt will politische Debatte über Unrechtsstaat
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15:39 05.04.2018
Marian Wendt (CDU), Vorsitzender der Bundestags-Petitionsausschusses, will jetzt die Schicksale von zwangsadoptierten Kindern in der DDR gründlich aufarbeiten lassen. Quelle: Foto: Jan Kopietzki
Leipzig/Berlin

Sie galten lange als vergessenes Thema der DDR-Geschichte: Zwangsadoptierte Kinder. Die Interessengemeinschaft „Gestohlene Kinder der DDR“ geht von 300 bis 400 Fällen aus, in denen Kinder ihren leiblichen Eltern gegen deren Willen entzogen wurden. Häufig habe es sich um Eltern gehandelt, die nach Lesart des SED-Regimes als „asozial“ galten oder die politisch unliebsam waren, sagt Sprecher Frank Schumann. Die Kinder seien gleich nach der Geburt für tot erklärt und ohne Wissen der leiblichen Eltern regimetreuen Paaren zur Adoption vermittelt worden.

Wendt: „Eines der letzten großen Kapitel des DDR-Unrechtstaates“

Marian Wendt, Der Vorsitzende des Bundestags-Petitionsausschusses Marian Wendt (CDU) will die jetzt eingereichte Petition zu DDR-Zwangsadoptionen nutzen, um eine politische Debatte über dieses lange verdrängte Thema anzustoßen. Neben den berechtigten Interessen der Opfer, ihr Schicksal aufzuklären, müsse diese besonders dunkle Seite der DDR-Vergangenheit endlich aufgearbeitet werden. „Es ist vielleicht eines der letzten großen Kapitel des DDR-Unrechtsstaates. Wir müssen uns dafür Zeit nehmen und die Strukturen gründlich beleuchten“, sagte Wendt der Leipziger Volkszeitung.

Datenlage schwierig – mehre hundert Fälle vermutet

Die Forderungen der Petition nach längeren Aufbewahrungsfristen von Klinikunterlagen und Einrichtung einer zentralen Clearingstelle würden gründlich geprüft. Die Datenlage sei aber äußerst schwierig, da viele Akten neben den Kliniken auch in ehemaligen Jugendwerkhöfen oder bei der Stasi lagerten und daher schwer auffindbar seien. Es könnten daher einige hundert, aber auch mehrere tausend Fälle sein. „Wichtig ist aber, dass es neben der Rehabilitierung der Opfer auch eine Aufarbeitung der systematischen Zwangsadoption gibt. Wir müssen die Strukturen offen legen, die es möglich machten, Kinder beispielsweise aus dem Familienurlaub heraus quasi zu entführen“, so Wendt.

„Signal ist: Wir vergessen nichts“

Dass die Aufarbeitung von DDR-Zwangsadoptionen erst jetzt beginnt, begründete mit dringenderen Aufgaben, die zunächst in den Jahren nach der Wiedervereinigung bewältigt werden mussten. „Jetzt aber nehmen wir uns genügend Zeit für dieses bislang weniger bekannte Thema. Wichtig ist doch das Signal: Wir vergessen nichts, sondern nehmen alle Schicksale des DDR-Unrechts ernst und arbeiten sie gründlich auf.“

Autokonvoi nach Berlin

Der Petitionsübergabe war ein am Mittwoch in Dresden gestarteter Autokonvoi mit Ziel Berlin vorangegangen. Der Autokorso mit rund 80 Teilnehmern stand unter dem Motto „Fahrt für Gerechtigkeit“. Die vor zwei Jahren von Betroffenen gegründete Interessengemeinschaft zählt nach eigenen Angaben etwa 1500 Mitglieder.

Von Olaf Majer

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