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Damenbesuch und junge Wilde - CDU-Parteitag in Leipzig

Damenbesuch und junge Wilde - CDU-Parteitag in Leipzig

Sachsens Christdemokraten tagen im Leipziger Congress-Center. Mit dabei sind Bundeskanzlerin Angela Merkel, Alt-Landesvater Kurt Biedenkopf und der Nachwuchs. Viel zu erwarten ist in Zukunft von den Landtagsabgeordneten Alexander Krauß und Patrick Schreiber.

Leipzig. Ein konservativer Erzgebirgler und ein smarter Dresdner, beide sind Mitte 30 und so uneins wie die Partei.

Spannend wird der Besuch zweier Damen im Congress-Center. Mit Kanzlerin Merkel besteht noch Klärungsbedarf über die Rentenpolitik. Sachsens Regierungs- und CDU-Chef Stanislaw Tillich hat Nachbesserungen zugunsten der Ost-Rentner angemahnt. Auch mit Sachsens DGB-Chefin Iris Kloppich wird es viel zu besprechen geben. Ihr Besuch steht für die neue Öffnung der Partei. Sachsens CDU will mehr Demokratie wagen.

Insgesamt sind an diesem Wochenende knapp 240 Delegierte ins Congress-Center geladen. Der Landesvorstand will per Antrag "Nachhaltig wirtschaften - Sachsen in eine gute Zukunft führen". Zurzeit hat der sächsische Landesverband knapp über 12 000 Mitglieder - Tendenz sinkend. Allein in diesem Jahr verließen etwa 200 Mitglieder mehr die CDU, als neue eintraten. Ein Schwund, der zwar auch die anderen Parteien ereilt, dennoch fällt es der Volkspartei immer schwerer, für alle ihre Mitstreiter das passende Zukunftsprogramm zu stricken. Vor 20 Jahren war das noch leichter.

Für den Schneeberger Landtagsabgeordneten Alexander Krauß gibt es am Bewährten nichts zu rütteln: "Wir sind als CDU die einzige Partei, die noch von Ehe und Familie spricht", sagt der 37-Jährige. Das müsse auch so bleiben. Mit 14 Jahren kam Krauß zur Jungen Union - heute ist er verheiratet, hat zwei kleine Kinder und ist einer der ambitioniertesten Kräfte seiner Fraktion. Seit 2004 sitzt er im Landtag, ist Sprecher für Arbeitsmarkt und Soziales. "Es ist auch für die Gesellschaft das Beste, wenn die Leute heiraten, wenn sie eine Familie gründen wollen", ist Krauß überzeugt. In seiner erzgebirgischen Heimat steht er damit auf der sicheren Seite.

Das Erzgebirge ist das Ur-Milieu der sächsischen Konservativen. Aber auch hier, wo die Familien noch zusammenhalten, sorgen inzwischen die Freien Wähler für Angst und Schrecken unter den Christdemokraten. Bis zu zehn Prozent könnten die Freien Wähler die CDU bei der Landtagswahl 2014 kosten, heißt es intern. Auch deshalb ist man bemüht um ein eigenes knorrig-heimatverbundenes Angebot. Das trägt den Namen "Aktion Linkstrend stoppen". Ein Grüppchen Konservativer, die alljährlich gegen Abtreibung marschieren und sich bei Stammtischen gegen den Schuldenstaat, die "schleichende Islamisierung" und gegen "Multi-Kulti-Integrationspolitik" in Rage reden.

Solche Töne treiben in den großen Städten die bürgerliche CDU-Anhänger in die Arme der Grünen. "Dabei sind die teilweise viel konservativer als wir", ist der Dresdner CDU-Abgeordnete Patrick Schreiber überzeugt. Schreiber ist ein 33-jähriger, schicker City-Unionist, der schon mit Mitte 20 eine eigene Eventagentur besaß. Da ist er inzwischen ausgestiegen, konzentriert sich jetzt "auf den Dienst am Freistaat".

In Schreibers Augen begeht die CDU den Fehler, alles, was nur ein bisschen von traditionellen Werten abweicht, als links abzustempeln. "Das strahlt eine gewisse Form von Intoleranz aus". Die in Dresden knallhart Boden kostet. Bei den letzten Landtagswahlen ergrünte ein Elbhang-Villenviertel nach dem anderen. Mit den harten konservativen Grundsätzen zur Familie kommt die CDU hier nicht weiter.

Patrick Schreiber ist in den letzten beiden Jahren deutlich weiter gekommen, er gilt als Leistungsträger seiner Fraktion. Die sitzt manchmal schockiert da, wenn Schreiber vom Pult runterrüpelt - der junge Wilde pfeift auf die überkommenen Artigkeiten. Im NSU-Untersuchungsausschuss, den er leitet, gibt er indes den stoischen Zuchtmeister. Der Rückschlag, dass er im Sommer nicht zum neuen Bildungssprecher gewählt wurde, schmerzt ihn zwar noch, aber: "Ich muss nicht mit 40 Papst sein."

Christine Keilholz

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