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Mitteldeutschland „Das Konzept von Clever Shuttle passt ausgezeichnet zu uns“
Region Mitteldeutschland „Das Konzept von Clever Shuttle passt ausgezeichnet zu uns“
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14:30 08.09.2018
Berthold Huber, DB-Vorstand für Personenverkehr, bei der Einweihung des neuen Clever-Shuttle-Standorts am Mittwoch im Hauptbahnhof Leipzig. Quelle: Christian Modla
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Leipzig

Die neue Schnellstrecke Berlin– München werde gut angenommen. Drei Millionen Fahrgäste seien seit dem Start vor einem dreiviertel Jahr befördert worden, sagt Berthold Huber, Vorstand für Personenverkehr bei der Deutschen Bahn. Im Vergleichzeitraum des Vorjahres waren es nicht einmal halb so viele. Zum Engagement beim Carsharing-Dienstleister Clever Shuttle sagt Huber im Interview: „Er schließt die letzte Meile zwischen dem Zuhause der Kunden und öffentlichen Verkehrsmitteln, bringt somit auch Kunden zum nächsten Bahnhof.“

In Deutschland gibt es schon einige Fahrdienst-Anbieter, warum engagiert sich die Deutsche Bahn so stark bei dem Start-up Clever Shuttle?

Das Konzept von Clever Shuttle passt ausgezeichnet zu uns. Kunden können über eine Handy-App die Fahrzeuge bestellen. Haben mehrere Kunden ungefähr die gleiche Route, werden sie unterwegs eingesammelt. So wird mehr Mobilität bei weniger Verkehr erreicht. Und das mit E-Mobilen. Am Leipziger Hauptbahnhof können sie mit 100 Prozent Ökostrom aufgeladen werden.

Aber wo liegt der Vorteil für die Deutsche Bahn?

Wir erhoffen uns von dem Modell mehr Nutzer für unsere Bahnen. Clever Shuttle schließt die letzte Meile zwischen dem Zuhause der Kunden und öffentlichen Verkehrsmitteln, bringt somit auch Kunden zum nächsten Bahnhof. Wo es diesen Service nicht gibt, steigen viele in ihr eigenes Auto und fahren zumeist gleich bis zum Ziel durch, statt zum nächsten Bahnhof. An diese Kunden wollen wir ran.

Haben Sie selbst schon Clever Shuttle genutzt?

Ja, in Berlin.

Und wie lange mussten Sie nach dem Bestellen per App auf das Fahrzeug warten?

Zwischen fünf und zehn Minuten. Es sind auf der Strecke auch andere Nutzer zugestiegen. Dieses Ridepooling, also das geteilte Fahren, klappt bei Clever Shuttle schon sehr gut. Die Quote liegt bei rund 40 Prozent in der Woche, am Abend sogar bei knapp 90 Prozent.

Die Fahrzeuge von Clever Shuttle sind bereits in fünf Städten unterwegs und bald auch in Dresden und Frankfurt am Main. Wo soll die Reise noch hingehen?

Wir denken an ein bundesweites Angebot. Mit den Gründern haben wir uns keine Grenzen für Wachstum gesetzt. Natürlich muss das im Einvernehmen mit den Städten und den Taxiunternehmen geschehen.

Viele Taxi-Firmen sehen in dem Fahrdienst eine Konkurrenz.

Es gelingt uns zunehmend, klarzumachen, dass es um ein Miteinander und nicht um ein Gegeneinander geht. Clever Shuttle spricht vordringlich neue Kunden an, die nicht unbedingt das Taxi nutzen.

Die Deutsche Bahn ist mit 79 Prozent der Anteile jetzt Mehrheitseigner. Bleiben die drei Gründer auch in Zukunft an Bord?

Auf jeden Fall. Clever Shuttle hat ein ausgesprochen gutes und ambitioniertes Team. Die Gründer – und das ist uns besonders wichtig – bestimmen auch weiterhin den Kurs. Übrigens sind wir offen für weitere Partner, die einsteigen wollen – mehr Kapital verspricht mehr Wachstum. Das trifft übrigens auch auf unser Start-up ioki zu. Das hat ebenfalls einen innovativen Ansatz. Während das Konzept von Clever Shuttle auf den innerstädtischen Bereich fixiert ist, also auf die letzte Meile, wie wir sagen, zielt ioki auch auf den suburbanen Bereich. In Hamburg beispielsweise fahren wir in den Außenbezirken, die weniger gut an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen sind. Über 50 Prozent der ioki-Nutzer fahren bis zum nächsten S-Bahnhof und dann steigen sie um.

In Leipzig steht die Flotte von Clever Shuttle direkt auf dem Bahnhof. Ist das in anderen Städten auch möglich?

Der Standort in Leipzig ist schon einmalig. Ziel muss es sein, auch in anderen Städten die Fahrzeuge möglichst in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof zu platzieren. Da sich der Service auf die Innenstädte konzentriert, kann man aber immer davon ausgehen, dass bei Bedarf ein freies Fahrzeug nicht allzu weit vom Bahnhof entfernt ist.

Warum Clever Shuttle oder Ridepooling – warum operiert man nicht mit deutschen Begriffen?

Clever Shuttle hat das Zeug, auch über die deutschen Grenzen hinaus zu wachsen. Ein im Ausland verständlicher Firmenname ist den Gründern und uns wichtig.

Anderes Thema: Die ICE-Trasse Berlin–München ist vor über einem halben Jahr in Betrieb gegangen. Sind Sie mit der Auslastung zufrieden?

Absolut! Vor dem Fahrplanwechsel im Dezember vergangenen Jahres waren auf der Strecke rund 1,8 Millionen Fahrgäste jährlich unterwegs. Ein dreiviertel Jahr nach dem Start haben wir jetzt schon rund drei Millionen Fahrgäste auf der neuen Schnellfahrstrecke befördert. Das sind mehr als doppelt so viele als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Und erfreulicherweise ist die Nachfrage weiterhin groß: Täglich verkaufen wir durchschnittlich 15 000 Fahrkarten für Verbindungen entlang der neuen Schnellfahrstrecke. Aufgrund des Erfolgs weiten wir ab Dezember das Angebot aus: Dann werden wir täglich bis zu 21 Verbindungen pro Richtung zwischen Berlin und München anbieten. Statt bisher drei fahren dann fünf tägliche ICE-Sprinter von Berlin beziehungsweise München. Außerdem wollen wir auf der Strecke den neuen ICE 4 einsetzen, der mehr Platzkapazität hat.

Mehr Platz – was bedeutet das konkret?

Wir kommen ab Dezember auf 23 000 Sitzplätze pro Tag. Bislang waren es 20 000. Außerdem transportiert der ICE 4 auch Fahrräder. Zudem wird es mit dem neuen Direktzug Berlin–Halle–Nürnberg–Wien auch die erste internationale Verbindung über die neue Strecke geben. Reisende sind dann von Berlin 35 Minuten und von Halle 70 Minuten schneller als heute in Wien. Freitags wird der Zug von Berlin bis an die Ostseeküste nach Rostock verlängert. So schaffen wir es, unseren Marktanteil zwischen Berlin und München im Wettbewerb mit Flieger und Auto von 20 auf 40 Prozent zu verdoppeln. Das ist bereits jetzt schon viel. Aber unser Ziel im kommenden Jahr ist ganz klar: Mehr als die Hälfte aller Menschen, die sich zwischen Berlin und München bewegen, sollen mit der Bahn fahren. Ich bin zuversichtlich, dass wir das erreichen.

Wie groß ist aktuell die Auslastung der Züge auf der Strecke?

Die durchschnittliche Auslastung liegt bei über 80 Prozent. Zum Vergleich: Im gesamten Fernverkehr sind unsere Züge im Schnitt zu 55 Prozent ausgelastet.

Die Sprinter fahren auf der Strecke nur über Halle – vorbei an Leipzig. Ist da an eine Änderung gedacht?

Die Sprinter fahren über Halle, weil das die schnellste Verbindung ist. Das heißt aber nicht, dass Leipzig schlecht angebunden ist, im Gegenteil. Im Fernverkehr über Leipzig habe wir in den ersten acht Monaten gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres insgesamt 6,5 Prozent mehr Fahrgäste. Auf der Strecke Leipzig– München liegt das Plus bei 50 Prozent. 50 Prozent mehr Fahrgäste! Die Leipziger nehmen das Angebot also durchaus an.

Als Reaktion auf die verstärkte Konkurrenz, die die Deutsche Bahn beispielsweise durch Flixbus und auch Flixtrain hat, gibt es mehrere Sparpreisangebote. Geht das nicht zulasten des Gewinns?

Unser Ziel ist es nicht, Kunden um jeden Preis in unsere Züge zu locken, sondern günstige Tickets an Kunden zu verkaufen, die sonst nicht mit uns fahren würden. Wir werden nicht unsere bereits jetzt schon vollen Sprinter durch Spar-tickets noch voller machen. Durch Sparangebote sollen Kunden in Zügen mitfahren, die wenig ausgelastet sind. Davon haben die Fahrgäste etwas und wir auch: Der Fernverkehr wird in diesem Jahr voraussichtlich wirtschaftlich so gut unterwegs sein wie nie zuvor.

Von Andreas Dunte

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