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Defekte Hydraulik lässt Windräder umstürzen

Abschlussgutachten zum Totalabsturz bei Leisnig Defekte Hydraulik lässt Windräder umstürzen

Nach dem Umsturz einer 100 Meter hohen Windkraftanlage in Sitten bei Leisnig haben Gutachter die Ursache ermittelt. Der Bundesverband Windenergie spricht von geringer Wiederholungsgefahr durch andere Anlagen, doch ein Restrisiko bleibt – auch wegen der vergleichsweise laschen Wartungspflichten für Windmüller.

Am Nachmittag des 27. Dezember 2016 stürzte dieses fast 100 Meter hohe Windrad in Sitten bei Leisnig nach technischem Defekt einfach um.

Quelle: Sven Bartsch

Leipzig. Riesige Windräder, die bei Überlastung einfach umknicken wie verdörrte Grashalme, sind kein schöner Anblick. „Die Wahrscheinlichkeit, dass sich so etwas wie Ende Dezember in Leisnig wiederholt, geht gegen Null“, beteuert der Geschäftsführer des Bundesverbandes Windenergie (BWE), Wolfram Axthelm, nach Abschluss der Untersuchungen.

Ende Dezember war im Windpark Sitten bei Leisnig (Mittelsachsen) eine fast 100 Meter hohe Windkraftanlage nach einer Havarie in rund 15 Metern Höhe abgeknickt und mit lautem Getöse aufs Feld gestürzt. Das ging glimpflich aus, niemand wurde verletzt. Nach dem Unglück war Hans Körner von der ostthüringischen Wartungsfirma Rasmus von einem Rotorblattdefekt ausgegangen: „Noch während des kontrollierten Abbremsens schaukelte die durch den Defekt verursachte Unwucht des Rotors die Anlage derart auf, dass die Mühle ihren Mast umriss“, erklärte er. Nach Abschluss der Untersuchungen durch die in der brandenburgischen Uckermark ansässige Firma Enertrag, die auch ähnliche Fälle aus anderen Bundesländern unter die Lupe nahm, ergibt sich folgender Ablauf: Alle havarierten Anlagen seien bei kräftigem Wind am Rande des Volllastbetriebes gefahren, wobei „die maximal zulässige Drehzahl für außergewöhnlich lange Zeit überschritten wurde“, wie es im Gutachten heißt. Zwar habe die Rotorbremse gegriffen, doch „die Hauptbremswirkung durch das Herauspitchen der Blätter“ sei ausgeblieben, erklärte Geschäftsführer Michael Hagmann. Weil die Rotorblätter sich nicht automatisch aus dem Wind drehten, sei es zur Überlast und schließlich zum Einsturz gekommen. Verschlissene Regelventile und die damit defekte hydraulische Steuerung der Rotorblätter sei die wahrscheinlichste Ursache.

Havarien an Generatoren in luftigen Höhen sind kein Einzelfall. Windkraftgegner listen allein für 2016 bundesweit 17 Unfälle mit Windmühlen auf. Am häufigsten kam es zu Blitzeinschlag, Bränden und Blattabbrüchen.

Das Risiko weiterer Totalabstürze sei verschwindend gering, rechnet der BWE vor: „Vom betroffenen Anlagentyp DeWind D-4 stehen bundesweit noch etwa 150 Windräder“, so Axthelm. „In Mitteldeutschland ist es dagegen nur eine Hand voll.“ Der Hersteller habe sich längst vom deutschen Markt verabschiedet. In Sachsen stehen insgesamt 880 Windkraftanlagen, in Thüringen knapp 800. Die Gutachterfirma empfiehlt, Auffälligkeiten bei der Blattverstellung genau untersuchen zu lassen.

Vorsorglich wird empfohlen, Windräder halbjährlich zu warten. „Diese Inspektionen beinhalten neben der Überprüfung der Standsicherheit auch die Funktion der Rotorblätter, Generatoren und elektrischen Anlagen“, betont Axtmann. Kurze Wartungsintervalle sind empfehlenswert, da immense Kräfte auf Rotoren und Masten wirkten, doch gehe das für viele Betreiber zu sehr ins Geld, was letztlich aufs Betriebsergebnis durchschlage. Eine unabhängige Überprüfung wie der TÜV für Autos ist für die 27 000 Windmühlen dagegen bisher nicht vorgeschrieben.

Von Winfried Mahr

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