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Der Mann, der die Dampflok rettete - restaurierter Schnellzug fährt wieder

Der Mann, der die Dampflok rettete - restaurierter Schnellzug fährt wieder

Die Dampflok-Legende 01150 wäre ohne ihn längst Schrott. Olaf Teubert hat dem völlig abgebrannten und vom Rost zerfressenen 200-Tonnen-Koloss neues Leben eingehaucht.

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Quelle: Privat

Leipzig/Heilbronn. Für den Lokführer aus Leidenschaft wurde mit der Restaurierung des rollenden Denkmals ein Traum wahr - und viele andere hat er damit angesteckt.

"Viele halten mich für verrückt", sagt Olaf Teubert, "und vielleicht liegen sie damit gar nicht so falsch." Über eine halbe Million Euro an Spenden hat er gesammelt seit jenem rabenschwarzen Tag im Herbst 2005, als die Dampflok von 1935 zusammen mit 23 anderen historischen Loks und Wagen in einem Schaudepot des DB-Museums in Nürnberg zum Raub der Flammen wurde.

Rabenschwarz kommt sie auch heute wieder daher, die 01150, doch wirkt sie wie neu genietet. Am Donnerstag startete die restaurierte Schnellzuglok vom Dampflokwerk Meiningen, wo sie seit 2010 in aufwendiger Detailarbeit wieder betriebsfähig gemacht wurde, zu ihrer zweiten Jungfernfahrt nach Nürnberg, im Schlepptau ein historischer Sonderzug. Die Lok, die bereits 1935 bei der 100-Jahrfeier der Bahn und später auch bei der 150-Jahrfeier dabei war, konnte mit Unterstützung der Deutschen Bahn, vieler Sponsoren und Eisenbahnfreunde wieder betriebsbereit aufgebaut werden. Bahnsprecher Achim Stauß würdigte ausdrücklich "die unermüdliche Initiative des Lokführers Olaf Teubert", ohne den die rund eine Million Euro teure Reparatur wohl unmöglich gewesen wäre.

Leipzig/Heilbronn. Die Dampflok-Legende 01150 wäre ohne ihn längst Schrott. Olaf Teubert hat dem völlig abgebrannten und vom Rost zerfressenen 200-Tonnen-Koloss neues Leben eingehaucht. Für den Lokführer aus Leidenschaft wurde mit der Restaurierung des rollenden Denkmals ein Traum wahr - und viele andere hat er damit angesteckt.

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Für eingefleischte Eisenbahner wie Teubert geht damit ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung. Im September 1950 fing er im Reichsbahn-Ausbesserungswerk Engelsdorf als Lehrling an, in der Probefahrt-Abteilung. "Seitdem liebe ich Dampfloks!" Mitte der 50er Jahre übersiedelte er nach Bielefeld, doch der Bahn blieb er treu. Die ersten Jahre als Heizer, später als Lokführer. "Das waren herrliche Zeiten", schwärmt der 77-jährige Wahl-Westfale. "Ich durfte ausgiebig meinem Hobby frönen und bekam auch noch Geld dafür." Ein besonderes Glücksgefühl erlebte er 1993, als er mit seiner Lok und einem Interregio erstmals auf dem Leipziger Hauptbahnhof einrollte: "Ich hatte Gänsehaut.Mir war, als hörte ich in den Lautsprecherdurchsagen meinen Namen heraus." Teubert war wieder daheim.

An die 90 Mal hat er auf Schienen die Welt umrundet, bis er im Jahr 2000 in den Ruhestand verabschiedet wurde. Doch die Puste geht ihm noch lang nicht aus. Seitdem bewegt er Traditionsloks. Und wird nicht müde, "seiner" 01150 wieder auf die Schienen zu helfen. Eine museale Aufarbeitung, wie sie die Bahn nach dem Brand vor sieben Jahren vorhatte, war ihm zu wenig. Teubert wollte die "eiserne Pensionärin", die seit 1973 außer Dienst gestellt war, wieder für Traditionsfahrten flott machen. Er schrieb potenzielle Spender an, sammelte Artikel, verschickte Fotos. Neben der Deutschen Bahn und der Firma Märklin beteiligten sich auch Privatleute wie der ehemalige sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf an den Kosten. Teuberts Dank ist ihnen sicher. "Meine Frau ist schon ein bisschen eifersüchtig auf das knackige Dampfross, das auch noch in meinem Alter ist", plaudert er aus dem Nähkästchen. "Aber was soll ich machen? Ich hänge an der Lok", sagt er. "Sie verkörpert ein Stück deutscher Eisenbahngeschichte."

Eigentlich sollte das rollende Denkmal, das bis zu 2240 PS leistet und 130 Kilometer in der Stunde schafft, ins DB-Museum Halle kommen, doch die dortige Traditionsgemeinschaft Bw Halle P konnte sich irgendwie nicht darauf einigen. Eisenbahnfreunde in Baden-Württemberg sprangen mit Vergnügen ein. Nach dem Wassertanken in Nürnberg brach der Traditionszug zu seinem neuen Heimatstandort im Süddeutschen Eisenbahnmuseum Heilbronn auf. Dort soll die Lok an diesem Wochenende erstmals für historische Bahnfahrten genutzt werden.

Teubert träumt indes schon seinen nächsten Traum: "Die 01150 ist eine echte Rakete geworden. Mit einem ganz unglaublichen Sound. Ich würde mich riesig freuen, wenn sie mal in Leipzig einfahren würde." Zumindest aus Sicht des Leipziger Eisenbahnmuseums Bayrischer Bahnhof stünde dem nichts entgegen. "So eine spannende Dampflok ist uns jederzeit willkommen", sagt der Vereinsvorsitzende Andreas Lindner.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 25.05.2013

Winfried Mahr

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