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Mitteldeutschland Der Tod eines Kindes und die Kompetenz kleiner Krankenhäuser
Region Mitteldeutschland Der Tod eines Kindes und die Kompetenz kleiner Krankenhäuser
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08:01 26.11.2018
Schläuche eines Beatmungsgerätes im Patientenzimmer einer Intensivstation. Quelle: Lino Mirgeler/dpa
Leisnig

Ein zehnjähriger Junge stirbt im Sommer 2016 auf der Kinderstation der Helios-Klinik Leisnig (Kreis Mittelsachsen). Die Staatsanwaltschaft Chemnitz nimmt die Ermittlungen auf und stellt nach anderthalb Jahren Untersuchung Behandlungsfehler des ärztlichen und pflegerischen Personals sowie erhebliche Sorgfaltspflichtverletzungen fest. Ein Sachverständigen-Gutachten spricht der Klinik die intensivmedizinische Behandlungskompetenz ab. Der zehnjährige Anton aus Döbeln stirbt – auch weil er nicht in eine Klinik verlegt wird, die über die Ausstattung und intensivmedizinische Erfahrung mit komplexen Krankheitsbildern verfügt.

Der Fall hat eine alte Debatte neu entfacht. Die Diskussion darüber, wie professionell Kliniken unter wirtschaftlichem Druck noch arbeiten können. Jährliche Mindestzahlen für Operationen und Behandlungen sind festgelegt – vom Gemeinsamen Bundesausschuss, dem obersten Gremium der Krankenhäuser, Krankenkassen und Ärzte. Doch viele Kliniken erfüllen diese Quoten nicht, und es gibt sie auch nicht für alle medizinischen Probleme. Es gibt sie nicht für die Behandlung von Lungenkrebs, Herzinfarkten, Schlaganfällen, Darm- und Brustkrebs. Frauen mit Brustkrebs werden in Deutschland in 817 Krankenhäusern behandelt – 198 von ihnen haben aber nur maximal acht Fälle im Jahr. Ein Arzt, der höchstens achtmal im Jahr mit einer extrem komplexen Erkrankung zu tun hat, kann aber keine Erfahrung ­sammeln. Genauso wenig können es seine Assistenzärzte und das Pflegepersonal.

Das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) überprüft die meisten deutschen Kliniken, immer nach denselben Kriterien: Hält das Krankenhaus die Mindeststandards ein? Liegt eine Patientengefährdung vor? Das IQTIG arbeitet für den Gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte, Krankenhäuser und Krankenkassen, also für den Bund. Christof Veit leitet das Institut, er hat es mitaufgebaut. „Wir sind prinzipiell nicht dazu da, Krankenhäuser zu schließen“, sagt Veit, „aber dort, wo die Patientensicherheit gefährdet ist, müssen wir sagen: Entweder verbessert ihr das wirklich kurzfristig, oder ihr stellt die Versorgung ein.“

Pikant: Die Kinderabteilung der Leisniger Helios-Klinik ist im Frühjahr mit dem Gütesiegel „Ausgezeichnet. Für Kinder“ ausgestattet worden. Das Gütesiegel „für die Gewährleistung eines stets gleichbleibenden hohen Qualitätsstandards“ wird durch die Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland (GKinD), die Bundesarbeitsgemeinschaft Kind und Krankenhaus (BaKuK) und die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin (DAKJ) zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie (DGKCH) vergeben. Der GKinD-Geschäftsführer Jochen Scheel erklärt auf LVZ-Anfrage die Hintergründe der Vergabe: „Wir überprüfen alle zwei Jahre rund 250 Kinderkliniken und Kinderabteilungen, ob sie die Mindeststandards an die Struktur einer Kinderabteilung erfüllen. Die Teilnahme ist freiwillig. Was wir nicht überprüfen können, ist die Art und Weise, wie mit diesen Strukturen umgegangen wird.“ Der Prüfung liegt lediglich ein Fragebogen zugrunde, den die Kliniken selbst ausfüllen.

Die Eltern von Anton haben Anzeige gegen die Leisniger Klinik gestellt. Um dafür zu sensibilisieren, dass Patienten mit ernsthaften Verletzungen oder Krankheiten dort behandelt werden, wo auch die medizinischen und strukturellen Voraussetzungen dafür gegeben sind. Im Fall von Anton hätte das bedeutet, dass er „mit hoher Wahrscheinlichkeit noch leben würde“, so steht es in dem Gutachten, das im Auftrag der Staatsanwaltschaft Chemnitz im Rahmen ihrer Ermittlungen angefertigt worden ist.

Von Eigener Bericht

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