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Mitteldeutschland Schadstoffe im Justizministerium: Keine schnelle Lösung
Region Mitteldeutschland Schadstoffe im Justizministerium: Keine schnelle Lösung
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07:01 07.04.2018
Im Justizministerium halten Schadstoffe die Mitarbeiter in Atem. Quelle: Foto: Anja Schneider
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Leipzig

„Dicke Luft im Justizministerium“ schrieb die LVZ im Juli 2016, nachdem dort arbeitenden Mitarbeitern ein unnatürlicher Geruch ähnlich Mottenkugeln oder Marzipan aufgefallen war. Untersuchungen des für das Gebäude zuständigen Staatsbetrieb Immobilien- und Baumanagement (SIB) ergaben eine mehr oder minder hohe Konzentration der gesundheitsschädlichen Stoffe Naphthalin und Benzaldehyd.

Mittlerweile ist klar: Eine schnelle Lösung dafür wird es nicht geben. Wie das Ministerium auf Nachfrage mitteilte, rechne man mit mindestens zwei weitere Jahre andauernden Bauarbeiten. In diesem Zeitraum sollen auch Leitungen innerhalb des Gebäudes erneuert werden und der Anschluss an das Sächsische Verwaltungsnetz erfolgen.

Gefunden wurden die Schadstoffe in den Fußböden beziehungsweise in den Geschossdecken des Altbaus des Ministerialgebäudes. Die genaue Ursache sei nicht bekannt. Eine Theorie lautet, dass das Gift womöglich bei der Sanierung im Boden nicht komplett entfernt wurde und nach 20 Jahren in den später aufgebrachten Baustoffen zu reagieren begann.

Mitarbeiter klagten zwar über Kopfschmerz. Gesundheitliche Schäden seien aber bisher nicht gemeldet worden, so das Ministerium. Insgesamt 62 Räume des Altbaus sind auf jeden Fall kontaminiert.

Die Höhe der gemessenen Werte lag in den meisten Räumen oberhalb eines Richtwertes I aber unterhalb eines Richtwertes II. Festgelegt hat diese Richtwerte die „Kommission Innenraumlufthygiene und der Obersten Landesgesundheitsbehörden“. Bei Richtwert I reicht im Prinzip gründliches Lüften, bei Richtwert II müssen Räume freigezogen werden. Das betraf nach Ministeriumsangaben zwölf Zimmer, die nun für eine weitere Nutzung vorerst gesperrt sind.

Mitarbeiter rückten derweil in Gemeinschaftsbüros zusammen. Einige Organisationseinheiten wurden vorübergehend in Räume des Amtsgerichts Dresden und der Leitstelle für Informationstechnologie der sächsischen Justiz ausgelagert. Eine Außenstelle des Justizministeriums ist auf der Hoyerswerdaer Straße 22 in Dresden eingerichtet. Dort befindet sich nun beispielsweise auch die Geschäftsstelle des Sächsischen Normenkontrollrates. Noch im April diesen Jahres sollen dort weitere Mitarbeiter einziehen, um die räumliche Situation im Ministerialgebäude in der Hospitalstraße 7 zu verbessern.

Doch es kommt noch dicker: Die Mitarbeiter des Justizministeriums (derzeit rund 165, einschließlich der Kollegen in der Außenstelle) müssen voraussichtlich Mitte kommenden Jahres in das (derzeit leerstehende) Interimsgebäude Hansastraße 4 bis 6 umziehen. Erst danach soll im Herbst 2019 mit den Bauarbeiten im freigezogenen Ministerialgebäude begonnen werden. Was das alles in Summe einmal kosten wird, könne derzeit noch nicht eingeschätzt werden, so das Ministerium.

Dass dies für die Mitarbeiter mit zusätzlichem Stress verbunden sein dürfte, weiß auch Sachsens Justizministerminister Sebastian Gemkow (CDU). Er sagt: „Uns ist natürlich daran gelegen, bald wieder gemeinsam untergebracht zu sein. Nicht immer können Telefonate oder E-Mails den schnellen Weg in das Büro des Kollegen und das persönliche Gespräch ersetzen.“

Das heutige Justizministerium war im Jahr 1894 als Königliches Amtsgericht erbaut worden. Nach dem Kriegsende errichtete die Rote Armee darin ihre Kommandantur samt Militärgericht. Nach dem Abzug der Russen wurde es vom Bundesvermögensamt übernommen und 1993 der sächsischen Staatsregierung übertragen. Diese ließ es 1996 sanieren. 1997 zog dann das Justizministerium ein. Am symbolträchtigen 13. Februar, dem 52. Jahrestag der verheerenden Luftangriffe auf Dresden.

Von Roland Herold

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