Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Dicke Luft in Leipzig und Dresden – Umweltminister wollen blaue Plakette
Region Mitteldeutschland Dicke Luft in Leipzig und Dresden – Umweltminister wollen blaue Plakette
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
23:02 16.06.2016
Ausgeschilderte Umweltzone Quelle: dpa
Leipzig

Dicke Luft in Dresden und Leipzig: Stickoxide und Feinstaub machen Großstädter krank. Während sich die Luftqualität in weiten Teilen Mitteldeutschlands im zurückliegenden Vierteljahrhundert verbessert hat, trägt der Straßenverkehr laut Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau (UBA) am stärksten zur Luftverschmutzung in Ballungsgebieten bei. Deshalb berät die noch bis heute in Berlin tagende Umweltministerkonferenz der Länder auch über die Einführung einer blauen Umweltplakette.

Die Umweltressortchefs der Länder wollen den Bund beauftragen, die blaue Umweltplakette auf ihre „zeitnahe Realisierbarkeit zu prüfen“. Falls in diesem oder im kommenden Jahr die ersten Kommunen blaue Sperrzonen ausweisen, dürfen nur noch Autos mit einem Stickoxid-Ausstoß von weniger als 80 Milligramm pro Kilometer passieren. Das schaffen zwar die meisten Benziner, aber nur eine etwa halbe Million moderne Dieselfahrzeuge ab Baujahr 2015. Rund 13 Millionen nicht nachrüstbare Selbstzünder müssten draußen bleiben. Weil das erheblich in Eigentümerrechte eingreifen würde, muss auch geklärt werden, ob die Dieselbarrieren rechtlich überhaupt zulässig wären.

Fast 10.000 Sterbefälle durch Feinstaub und Stickoxide

Feinstaub und Stickoxide belasten Herz und Kreislauf und können die Atemwege schädigen. „Wer ihnen lange ausgesetzt ist, hat ein erhöhtes Risiko, vorzeitig an Herzinfarkt oder Lungenkrebs zu sterben“, betont UBA-Sprecher Felix Poetschke. Berechnungen der Europäischen Umweltagentur zur Krankheitslast ergaben, dass 2014 bundesweit 10.400 vorzeitige Sterbefälle auf Stickoxid-Einwirkungen zurückzuführen waren.

Bundesweit werden an 60 Prozent der verkehrsnahen Messstationen Werte registriert, die zeitweise deutlich über dem Grenzwert liegen. Für Stickoxide und Feinstaub beträgt das kritische Maß 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. „Kommunen müssen Maßnahmen ergreifen, um die Stickstoffdioxid-Belastung in den Innenstädten schnellstmöglich zu reduzieren“, fordert UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Ältere Dieselfahrzeuge sollten schrittweise aus den Innenstädten verschwinden, fordert sie.

Betroffen sind vor allem stark befahrene Straßen der Großstädte Dresden und Leipzig. Der sächsische Negativrekord von 49 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter im Jahresmittel wird an der Bergstraße der Landeshauptstadt gemessen, doch auch die Leipziger Messdaten am Hallischen Tor (43 Mikrogramm) und in der Lützner Straße (40) verletzen regelmäßig die von der EU vorgeschriebenen Grenzwerte. Große thüringische Städte wie Erfurt und Jena sind weniger von Abgasen belastet – im Gegensatz zu Mühlhausen (33 000 Einwohner, Unstrut-Hainich-Kreis), wo an einer innerstädtischen Steigung im Schnitt 52 Mikrogramm gesundheitsgefährdendes Stickstoffdioxid nachgewiesen werden – die Höchstbelastung in Mitteldeutschland.

Laut der UBA-Prognose wird die Zahl der Diesel-PKW bis 2030 gegenüber 2005 um etwa 90 Prozent zunehmen, während die Zahl der Benzinautos um ein Viertel zurückgehen wird. Um so nachdrücklicher fordert Behördenchefin Krautzberger, „die Modernisierung der Fahrzeugflotte zu beschleunigen“.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mitteldeutschland Umweltbundesamt sieht Kommunen in der Pflicht - Dicke Luft in Sachsen Großstädten

Die Luft ist rein – zumindest in weiten Teilen Mitteldeutschlands. Doch für das große Aufatmen ist es noch zu früh: Zu viel Stickoxide und Feinstaub sind werden vom Straßenverkehr in die Luft geblasen. Vor allem in Ballungsgebieten trägt der Verkehr am stärksten zur Luftverschmutzung bei.

16.06.2016

Die juristische Auseinandersetzung um NDP-kritische Äußerungen des Dresdner Politologen Steffen Kailitz geht in die nächste Runde. Die rechtsextreme Partei habe Klage gegen den Totalitarismusforscher vom Hannah-Arendt-Institut eingereicht.

16.06.2016

Bekommt Sachsens Wachpolizei demnächst erweiterte Zuständigkeiten? CDU-Innenminister Ulbig will zumindest prüfen, ob die im Schnellverfahren ausgebildeten Hilfssherrifs mit Schusswaffe künftig auch andere Aufgaben der Landespolizei übernehmen.

16.06.2016