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Die Chefin im Problemressort: Seit einem Jahr ist Brunhild Kurth Kultusministerin in Sachsen

Die Chefin im Problemressort: Seit einem Jahr ist Brunhild Kurth Kultusministerin in Sachsen

Sie hat keinen leichten Job. Seit nunmehr einem Jahr ist Brunhild Kurth (59) Kultusministerin in Sachsen und hat alle Hände voll zu tun. In kaum einem anderen Bereich kriselt es so beständig, und täglich steht die Ressortchefin vor einer zentralen Aufgabe: Sie muss die größten Baustellen beseitigen - und davon gibt es viele.

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Mittlerweile im Amt angekommen: Seit einem Jahr ist die parteilose Brunhild Kurth Sachsens Kultusministerin.

Quelle: dapd

Dresden. Als Kurth im März 2012 von Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) zur neuen Ministerin ernannt wurde, kam das für viele überraschend. Mit der gelernten Diplom-Lehrerin für Biologie und Chemie rückte zwar eine ausgewiesene Fachfrau ins Kabinett; auf politischem Felde aber war die Parteilose ein Neuling. Folge: Der mittlerweile 59-Jährigen fehlt das, was man Stallgeruch nennt, jene Mischung aus Kontakten und Beziehungen, wie sie bei politischen Strippenziehern zum Alltagsgeschäft gehört.

So unbedarft Kurth damals ins neue Amt gerutscht ist, so schwierig war ihre Ausgangslage. Monatelang hatte es in der sächsischen Bildungspolitik gegärt, es gab Lehrer- und Schüler-Demos, Protestnoten selbst aus der Regierungsfraktion der CDU. Und stets ging es dabei um eine Frage: Wie kann Sachsen dem grassierenden Lehrermangel an den Schulen begegnen?

Genau daran war Roland Wöller (CDU), Kurths glückloser Vorgänger, nach quälenden Debatten gescheitert. Erst hatten ihm die Opposition und die Lehrergewerkschaft GEW das Regieren verhagelt, später auch der damalige CDU-Bildungspolitiker Thomas Colditz sowie der kleine Koalitionspartner FDP. Irgendwann um die Jahreswende 2011/12 war dann selbst den Spitzenkräften in der CDU-geführten Staatskanzlei die Hutschnur geplatzt, Wöller musste gehen - "freiwillig" am besten. Mitten hinein in dieses politische Minenfeld geriet die brave Burgstädterin Kurth. Sie, die weitgehend Apolitische, musste die Sache nun richten, damit nicht am Ende Tillich selbst Schaden nehme am Dauerdilemma an den Schulen des Freistaats.

Für Kurth war das eine Herausforderung allererster Güte, und umgehend machte sie Fehler. Unvergessen sind noch jene ersten Sätze kurz nach ihrer Inthronisierung: "Die fetten Jahre sind vorbei", lautete der eine, der andere drehte sich um das Kultusressort von Amtsvorgänger Wöller. Bei einem Kassensturz im Ministerium, meinte Kurth damals unverblümt, habe sie "bestürzende Verhältnisse" vorgefunden. Und Finanzminister Georg Unland (CDU), der neben ihr saß, legte weiter nach: Es gebe ein großes "Paket ungelöster Aufgaben", meinte Sachsens oberster Kassenwart, hunderte Lehrer seien am Haushalt vorbei eingestellt worden. Und dann warf Unland den Verantwortlichen "Rechtsbruch" vor - eine beinharte Attacke.

Das hat für reichlich böses Blut gesorgt, nicht wenige Unionschristen sprachen damals von einem "unnötigen Nachtreten". Zumindest Kurth aber hat daraus gelernt. Sie würde diese Sätze "so nicht mehr sagen", meint sie heute, und das nimmt man ihr ebenso ab wie das Entsetzen, das aus ihren früheren Worte sprach. Ansonsten aber waren die Ausgangsbedingungen für die Neue von Anbeginn keineswegs schlecht. Was Wöller verweigert worden war, erhielt Kurth ohne allzu großes Aufsehen: mehr Geld für den eigenen Bereich. Bildungspaket lautete das Zauberwort, dahinter stand das Ziel, umgehend 655 Lehrer zusätzlich einzustellen. Zusammen mit geplanten Versetzungen sollte das Plus sogar 1011 Stellen betragen.

Ärger bekam Kurth trotzdem. Bis heute drängen nicht nur GEW-Vertreter wie Landeschefin Sabine Gerold auf eine bessere Bezahlung der Pädagogen - zumal viele Lehrer dem Freistaat nach ihrer Ausbildung den Rücken kehren. Grund dafür ist die Tatsache, dass ihnen in anderen Bundesländern eine Verbeamtung winkt, nur nicht in Sachsen. Das drückt aufs Gemüt, und es hat Auswirkungen auf die Schulen. So sind hohe Stundenausfälle an der Tagesordnung, zuletzt waren es4,4 Prozent.

Kurth, die von sich sagt, sie agiere stets "offen, ehrlich und transparent", hält hier mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. Dass sie dafür plädiert, Mittel- sowie Förderschullehrer höher einzugruppieren, ist ebenso ein offenes Geheimnis wie die Tatsache, dass sie hierbei immer wieder auf "Mister Njet", ihren Kabinettskollegen Unland, trifft. Hinzu kommt das Ringen um die Mittelschule Seifhennersdorf (Kreis Görlitz), wo Schulrebellen der Ministerin das Leben schwer machen.

Trotz dieser Dauerquerelen scheint Kurth mittlerweile ein Stück weit angekommen zu sein im Amt. Wirkte sie früher reichlich angespannt, so agiert sie nun lockerer. Und in allen politischen Fragen kann sie auf den Rat von renommierter Seite vertrauen: Regelmäßig trifft sich die Ministerin mit "König Kurt" Biedenkopf - und man kann sicher sein, dass der Altministerpräsident einiges zur aktuellen Lage beizusteuern weiß.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.03.2013

Jürgen Kochinke

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