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„Die Homöopathie ist im Osten schon wieder voll angekommen“

Vorsitzende des Zentralvereins „Die Homöopathie ist im Osten schon wieder voll angekommen“

Die Homöopathie hat im Osten Deutschlands ihre Wiege. Nun tagt der Homöopathische Weltärztekongress in Leipzig. Die Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte, Cornelia Bajic, erhofft sich davon unter anderem, dass sich noch mehr Patienten für das Thema interessieren.

Homöopathische Arzneimittel in einer Leipziger Arztpraxis.
 

Quelle: Foto: André Kemper

Leipzig.  Vom 14. bis zum 17. Juni tagt in Leipzig der Homöopathische Weltkongress. Die 1. Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), die Allgemeinmedizinerin und Psychotherapeutin Cornelia Bajic aus dem nordrhein-westfälischen Remscheid, spricht im Interview über die Wurzeln ihrer Disziplin im Osten, über Zusammenarbeit mit anderen Fachrichtungen und über Möglichkeiten für Patienten.

Ist die Homöopathie denn 26 Jahre nach der Wiedervereinigung schon voll im Osten angekommen?

Sie ist schon wieder voll angekommen, weil sie ja auch ursprünglich von dort kommt. Der Begründer Christian Friedrich Samuel Hahnemann (1755–1843) ist in Meißen geboren und war später in Leipzig und auch in Köthen unterwegs. So gesehen steht ja dort die Wiege der Homöopathie. Während der DDR-Zeit spielte sie zwar kaum eine Rolle, hat sich aber gehalten.

Und da gibt es keinen Nachholbedarf?

Doch, den gibt es natürlich. Meine Kollegen im Osten bestätigen mir das immer wieder.

Übernehmen denn die Krankenkassen die Kosten für eine homöopathische Behandlung?

Etwa 80 Gesetzliche Krankenkassen tun das mittlerweile. Das sind rund zwei Drittel.

Die Wirkung der Homöopathie ist aber noch immer nicht genau nachgewiesen?

Die Wirkung schon. Da gibt es mittlerweile hunderte Studien, die eine Wirksamkeit belegen. Auch sogenannte Doppelblind-Studien. Dazu empfehle ich den Forschungsbericht der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (www.wisshom.de)..Nur das Wirkprinzip hat sich noch nicht erschlossen.

Liegt es vielleicht daran, dass sich der Homöopath auch mehr Zeit für den Patienten nehmen kann als der Allgemeinmediziner?

Da muss man unterscheiden: Es gibt die akute und die chronische Homöopathiebehandlung. Bei einer akuten Behandlung ist der Zeitrahmen in etwa der gleiche wie beim Allgemeinmediziner. Geht es dagegen um eine chronische Behandlung, dauert die Erstanamnese etwa anderthalb Stunden. Das trägt sicherlich dazu bei, dass sich Patienten gut aufgehoben fühlen. Vorrangig geht es aber um eine Arzneimitteltherapie, bei der die Anamnese das entscheidende Mittel ist, um die passende Arznei zu finden. Denkt man Ihre Frage zu Ende, dann müssten ja alle Psychotherapie-Patienten auch körperlich besonders gesund sein, wenn sie jede Woche zur Sitzung gehen. Dieser Faktor allein kann es nicht einfach nur sein.

Wie gehen denn Ihre Kollegen aus den anderen Fachdisziplinen mit dem Thema Homöopathie um?

In aller Regel sind sie sehr offen. Und dann gibt es eine kleine Minderheit, die dagegen ist. Aber die ist dann gelegentlich laut in den Medien.

Das Motto des Kongresses betrifft die ärztliche Zusammenarbeit zum Wohle des Patienten. Wo bietet sie sich denn besonders an?

Eigentlich überall. Die meisten Homöopathen sind ja auch Allgemeinärzte, Hausärzte. Sie bekommen den Patienten als erste in die Praxis und arbeiten dann mit den ganzen Fachärzten zusammen – sowohl was die Diagnostik als auch was die Therapie angeht. Von daher ist die Zusammenarbeit im Alltag völlig normal.

Um welche Schwerpunkte geht es noch?

Es ist ein sehr großer Kongress und uns geht es vor allem um den Dialog. Es gibt Foren für Urologie, Kinderheilkunde und anderes, wo verschiedene Disziplinen aufeinandertreffen und sich austauschen. Wichtig ist natürlich auch der Patiententag am 17. Juni in der Kongresshalle am Zoo, um die Homöopathie vorzustellen und Anregungen für die Selbstbehandlung leichterer Erkrankungen zu geben. Das Prinzip ist nicht „entweder/oder“ sondern „sowohl als auch“. Die Menschen glauben oft, ärztliche Homöopathie und konventionelle Medizin seien nicht miteinander vereinbar. In der Praxis ist das aber nicht so.

Wie kommt der normale Bürger zu einem Homöopathen?

Am besten schaut er auf die Patienten-Internetseite des Deutschen Zentral-vereins homöopathischer Ärzte unter www.homoeopathie-online.info Da gibt es für Patienten in der rechten Spalte eine Arztsuche, zum Beispiel nach Postleitzahl, Fachgebiet, Gesetzlicher oder Privater Krankenkasse. Und vor allem steht immer dabei, ob der Arzt das Homöopathie- Diplom des DZVhÄ hat. Das haben mittlerweile die meisten und es ist die Garantie für eine hohe Qualität der Aus- und Fortbildung des Arztes.

Was wünschen Sie sich persönlich vom Kongress in Leipzig?

Dass sich möglichst viele Ärzte wie Patienten für das Thema Homöopathie interessieren und verstehen, dass sie sehr hilfreich ist. Insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, der steigenden Zahl von chronisch erkrankten Menschen und der greifbaren Gefahr einer Über-Medikalisierung von Patienten wird die Zusammenarbeit von Ärzten zum Wohle der Patienten – über den Tellerrand hinaus – immer wichtiger. Wenn der Kongress dafür ein Zeichen in der Ärzteschaft, Politik und Öffentlichkeit setzt, bin ich zufrieden. Und natürlich wäre es schön, wenn dann noch mehr Krankenkassen die Kosten dafür übernehmen würden.

Interview: Roland Herold

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