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Mitteldeutschland „Die Sachsen können auch anders“ - Fest der Engagierten in Sachsen
Region Mitteldeutschland „Die Sachsen können auch anders“ - Fest der Engagierten in Sachsen
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13:49 08.09.2018
Eröffnung des Tages der Sachsen. Quelle: dpa
Torgau

„Wir sind die Meisten“, ruft Sachsens Landtagspräsident Matthias Rößler den Menschen in Torgau zum Start der „Tag der Sachsen“ zu. Er nimmt Bezug auf das Motto #wirsindmehr“ vom Gratiskonzert am Montag in Chemnitz als 65 000 gegen rechte Gewalt und Ausländerfeindlichkeit demonstrierten. „Der Tag der Sachsen wird zeigen, dass der Zusammenhalt und das Miteinander in Sachsen groß ist“, betont Rößler. 250 000 Menschen werden an diesem Wochenende beim größten Volksfest im Freistaat erwartet.

Kretschmer: „Werden uns entgegenstellen“

Kann und darf Sachsen überhaupt nach den erschreckenden Bildern von Chemnitz feiern? Ja es kann und sollte unbedingt auch, betont Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). „Eine Minderheit in Chemnitz versucht, das Land mit Worten und Hass zu prägen. Dem werden wir uns entgegenstellen“, sagt der CDU-Politiker am Samstag in Torgau. „Der Tag der Sachsen wird zeigen, wie die Menschen hierzulande sind: Lebensfroh, offen und zukunftsgewandt.“ Kretschmer hat sich den kompletten Samstag Zeit genommen, um die vielen Vereine auf dem „Tag der Sachsen“ zu besuchen.

Chemnitz war in Torgau ein Dauerthema

In den Hinterköpfen der Anwohner und Geschäftsleute in Torgau spielen die Ereignisse in Chemnitz allerdings eine Rolle. „Es war unter den Menschen hier in den letzten Tagen fast Dauerthema. Es gibt natürlich Ängste, dass es hier auch zu Spontandemonstrationen und auch Gewaltakten kommt“, sagt Ingo Henjes. Der Antiquitätenhändler in der historischen Innenstadt von Torgau hofft, dass Polizei und Sicherheitskräfte alles im Griff haben.

Polizei hält sich im Hintergrund

Zumindest bis Samstagmittag ist aus polizeilicher Sicht alles ruhig. Besucher des Volksfestes sehen die Polizisten kaum. Nur die Zufahrt mit dem Auto zur Innenstadt wird streng kontrolliert. Es gibt zwei Sperrkreise, einen äußeren für die Stadt Torgau und einen inneren für die Innenstadt. Lieferanten, Anwohner und Ehrengäste haben Zufahrt, sonst niemand. Auch mit dem Fahrrad kommt niemand direkt in die historische Altstadt. Dort patrouillieren private Sicherheitskräfte. Für den Ernstfall wird die Bereitschaftspolizei zur Stelle sein, betonte Innenminister Roland Wöller (CDU) im vor Beginnd des Festes. Auch die Bundespolizei könne unterstützen.

„Fröhliche Menschen müssen zusammenhalten“

„Wir lassen uns unser Fest nicht kaputt machen, egal von wem“, sagt Jens Scholz von der Schützengilde Wasserschloss Klaffenbach. Der Verein präsentiert seit 23 Jahren auf dem „Tag der Sachsen“ das Lagerleben der Soldaten vergangener Jahrhunderte. Natürlich dürfe man feiern in Sachsen, betont der Vereinsvorsitzende, Frank Schuster, erbost. „Wir sind fröhliche Menschen und müssen zusammenhalten.

Viele Menschen sehen in dem dreitägigen Fest in Torgau auch eine Chance, das negative Bild Sachsens der vergangenen Zeit zu verändern. „Es ist schlimm, was in Chemnitz passiert ist, aber das Fest hier soll etwas Positives sein, die Menschen sollen feiern“, sagt die Apothekerin Jacqueline Kretzschmar. Der „Tag der Sachsen“ könne die schönen Seiten des Freistaates zeigen.

„Unterschwellig wird Chemnitz auch hier in den Köpfen sein“, sagt Torgaus Oberbürgermeisterin Romina Barth (CDU). Die dortigen Ereignisse seien ein gesellschaftliches Problem. „Daher ist das jetzige Fest so enorm wichtig. Wir werden zeigen, dass die Sachsen auch anders können.“

Von André Jahnke