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Drama auf dem Brocken

Drama auf dem Brocken

Am Freitagmorgen starten um 7 Uhr der Besitzer eines Rügener Autohauses und sein Begleiter mit einer Cessna Richtung Frankfurt am Main. Doch dort werden sie niemals ankommen.

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Spuren der Zerstörung auf dem Brocken: Ein Zug der Harzer Schmalspurbahn fährt an den Trümmern des gestern abgestürzten Kleinflugzeuges vorbei.

Quelle: dpa

Auf dem höchsten Berg im Norden Deutschlands, dem Brocken, kommt es zur Katastrophe.

Für Familie Becker aus Goslar ist es zunächst ein ganz normaler Wandertag. Seit 8 Uhr ist sie Richtung Gipfel unterwegs und ahnt allmählich, dass etwas Schlimmes passiert sein muss. Dort, wo sonst nur Wanderer laufen, rast nun ein Einsatzfahrzeug nach dem anderen an ihnen vorbei. "Das ist bereits unser vierter Brockenaufstieg, aber so was haben wir hier noch nie erlebt." Als die Beckers endlich oben ankommen und verschnaufen können, wird ihnen der Grund der Hektik schlagartig klar: Auf dem Brockengipfel bietet sich ihnen ein Bild des Schreckens.

Auch der Meteorologe Matthias Glenk, der routinemäßig seinen Dienst in der Brocken-Wetterstation antritt, ahnt in der Frühe nicht, dass dieser Tag ganz anders sein wird als alle vorhergegangenen. Um 8.35 Uhr hört er einen ohrenbetäubenden Knall. "Ich bin ins Freie gelaufen und sah dort auch schon das brennende Flugzeug liegen", erinnert sich Glenk an das Drama. Zum Zeitpunkt des Absturzes herrscht auf dem höchsten Berg Norddeutschlands dichter Nebel. "Wir nennen das Brockenwetter", sagt Glenk, der seit 1991 auf dem Harzgipfel arbeitet. Die Waschküche lässt fast keine Sicht zu.

Nachdem Glenk den ersten Schock verdaut hat, tut er das einzig Richtige. Er alarmiert per Notruf die Polizei. Es ist der bisher erste Flugzeugabsturz auf dem Brocken. Offenbar, so schlussfolgert Glenk, kollidierte die tieffliegende Maschine unmittelbar vor dem Aufprall mit dem 27 Meter hohen Windmast der Wetterstation, der nun völlig verbogen ist. Dann schlug sie kurz hinter der Teufelskanzel auf - nahe dem alpinen Brockengarten ins Renaturierungsgelände. Zurück bleibt ein brennender Trümmerhaufen. "Gott sei Dank hielt sich zum Zeitpunkt des Unglücks dort niemand auf", sagt Brockengärtner Gunther Karste sichtlich gezeichnet von den Vorgängen.

Gegen Mittag erklärt die Polizei, dass die Maschine von der Insel Rügen kam - vom Flugplatz Güttin - und in Richtung Reichelsheim bei Frankfurt am Main unterwegs war. Geflogen wurde die Cessna von Ralf H. (38), Besitzer eines Autotuning-Unternehmens in Samtens. Sein 40-jähriger Begleiter aus Bergen sollte ein Auto für H. nach Rügen überführen.

"Das ist ein furchtbares Unglück", sagt Ina Waldürer vom Brockenhotel, das sich nur wenige Schritte von der Wetterstation entfernt befindet. "Wir haben den Knall gehört, aber die Sicht war so schlecht, dass man zunächst gar nicht sehen konnte, was passiert war." Und Brockenwirt Daniel Steinhoff fügt hinzu: "Wir haben Glück gehabt, dass das Flugzeug nicht gegen das Hotel geflogen ist, dann hätte es viel mehr Tote gegeben."

Peter Pogunke, Sprecher der Polizei Halberstadt, lobt die Feuerwehrleute aus Schierke. "Sie waren die ersten am Unfallort." Als die Einsatzkräfte nur 20 Minuten nach ihrer Alarmierung auf dem Gipfel des Berges eintreffen, sehen sie, dass für die beiden Männer im Flugzeug jede Hilfe zu spät kommt. "Wir konnten ihnen leider nicht mehr helfen", erklärt Kreisbrandmeister Kai-Uwe Lohse betroffen. "Die Trümmer der zerschellten Maschine lagen relativ eng beieinander."

Immer wieder bläst der Sturm über das Gipfelplateau und treibt dicke Wolken vor sich her. Während die brennenden Wrackteile gelöscht werden, bergen Kameraden aus Wernigerode die beiden Toten mit Spezialgeräten. Außer den Feuerwehrleuten aus dem Harzkreis sind nun auch Mitarbeiter des Rettungsdienstes und ein Notarzt vor Ort. Ihnen allen ist die Betroffenheit ins Gesicht geschrieben.

War es die schlechte Sicht? Flog der Pilot zu tief? War der Sturm daran schuld? Auf die Frage nach der Absturzursache finden die Einsatzkräfte keine Antwort. Wie immer in solchen Fällen wird sofort die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung in Braunschweig eingeschaltet. Die Experten machen sich auf den Weg in den Harz und warnen vorsorglich: Mit raschen Ergebnissen der Ermittlungen sei nicht zu rechnen.

"Das war das erste derartige Unglück auf dem Harzgipfel", sagt Friedhart Knolle, Experte vom Nationalpark Harz. Er fügt hinzu, dass der Tod auf dem 1141 Meter hohen Berg dennoch kein seltener Gast sei. Seit Öffnung des bis Ende 1989 gesperrten Harzgipfels sind 40 Menschen beim Aufstieg oder Abstieg gestorben. Die meisten durch Herzinfarkt. Rund eine Million Touristen jährlich nehmen den Brockengipfel in Angriff.

In der Erinnerung vieler älterer Harzer ist auch noch der 17. April 1945, als Flugzeuge der US-Airforce das Brockenplateau bombardierten. Drei Tage später wurde der Berg dann nach heftigen Kämpfen von amerikanischen Soldaten besetzt. Später übernahm die sowjetische Armee das Gelände.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.04.2014

Andreas Dunte, Bernd Lähne, Rol

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