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Mitteldeutschland Drohnen und selbstfahrende Technik – Sachsens Bauern ackern digital
Region Mitteldeutschland Drohnen und selbstfahrende Technik – Sachsens Bauern ackern digital
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08:34 15.08.2017
Digital auf dem Acker: Unternehmer Axel Weckschmied präsentiert eine Drohne, die Luftaufnahmen machen oder auch Pflanzenschutzmittel abwerfen kann. Neben ihm steht ein Agrarsprühgerät, das sich mittels GPS-Navigation punktgenau über ein Feld steuern lässt.
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Klipphausen

Mit der Polizei bekommt es Axel Weckschmied öfter zu tun. „Wenn Anwohner sich von meinen Drohnen beobachtet fühlen, wählen sie die 110“, sagt der Softwareentwickler und Inhaber der Dresdner Firma Hexapilots, die Agrarbetriebe gern zur modernen Feldarbeit buchen. Polizeibeamte sind beim Besuch am Feldrain meist problemlos zu beschwichtigen. Andere können dem technischen Fortschritt noch weniger abgewinnen: „Den meisten Ärger machen frei laufende Hunde“, beklagt sich der promovierte Drohnenfachmann. „Die Kläffer kommen schwerer wieder runter als jedes Fluggerät. Ganz zu schweigen vom Beißreflex …“

Wespen-Eier aus der Luft abgeworfen

Lebendes Beispiel für vierbeinige Fortschrittsverweigerung ist der Dackel von Jörg Weinhold, dem Geschäftsführer der Agrardienstleistungsgesellschaft RRS im Klipphausener Ortsteil Riemsdorf (Kreis Meißen). Während der die Dienste der Drohnen auf den von ihm bearbeiteten Maisäckern preist, bellt sich Waldi angesichts der abgestellten Fluggeräte schon mal in Rage und muss hinter Schloss und Riegel. „Wir können beispielsweise Luftaufnahmen mit Multispektralkameras vom Feld machen und damit erkennen, wie sich Nährstoffe, Düngung und Umweltfaktoren auf die Entwicklung der Pflanzen auswirken“, erklärt Weinhold. Oder es werden punktgenau und sehr gleichmäßig Erzwespen-Eier über Maisfelder verteilt. Sobald die Insekten geschlüpft sind, machen sie dem unter Landwirten berüchtigten Maiszünsler-Schädling den Garaus. „Das ist mindestens so effektiv wie mit Insektiziden, aber wesentlich umweltverträglicher“, lobt der Firmenchef. Sachsens Landwirtschaftsminister Thomas Schmidt (CDU) pflichtet ihm bei: „Die Digitalisierung landwirtschaftlicher Produktionsprozesse besitzt großes Potenzial für eine ressourcen- und klimaschonende Landbewirtschaftung.“ In heutigen Landmaschinen sei in der Regel mehr High-Tech als in einem modernen Auto verbaut. Dazu gehörten Rechner und verschiedene Sensoren. „Diese Technik hilft dabei, noch präziser zu wissen, was die Pflanzen an Nährstoffen und Pflanzenschutzmitteln benötigen“, be- schreibt Minister Schmidt.

Das sogenannte Precision Farming (frei übersetzt: präzise Landwirtschaft) ermöglicht bereits heute die Bewirtschaftung von Landwirtschaftsflächen hinsichtlich der Nährstoffe auf Teilflächen und der Ertragserwartungen und wird in der mitteldeutschen Landwirtschaft bereits vielfach praktiziert. Die nächste Stufe sei das „Smart Farming“ (intelligente Landwirtschaft), wobei die gewonnenen Daten interaktiv vernetzt werden können. So wären alle Einzelschritte bei der Bearbeitung dokumentiert und eine Rückverfolgbarkeit bis auf den Acker gegeben.

Wie präzise satellitengestützte Spurführungssysteme bei der Bodenbearbeitung, Düngung, Kalkung, beim Pflanzenschutz und bei der Ernte funktionieren, davon konnte sich der Minister bei einer Vorführung überzeugen. Mit Hilfe amerikanischer GPS-Daten und dem russischen Pendant Glonass wird vermieden, dass Flächen mehrfach oder gar nicht überfahren werden. Zudem wird verhindert, dass Kalk, Dünger oder Pflanzenschutzmittel an einigen Stellen nicht und an anderen doppelt ausgebracht werden. Beim Düngerstreuen werden Überlappungen vermieden, indem die an der Pflanzenschutzspritze angebrachten Düsen bei Flächen, auf denen bereits eine Ausbringung erfolgte, abgeschaltet werden.

„Das bekommt selbst der geschickteste Landwirt nie so genau hin“, zeigte sich Schmidt von der Vorführung beeindruckt. Auch das autonome Fahren auf dem Feld werde bald ein praktischer Helfer. Dabei beackern mehrere Landwirtschaftsmaschinen den Boden, aber nur ein Fahrer gibt für alle die Richtung vor.

Verdrängt Technik den Landwirt?

Drohnen werden neben der Feldbeobachtung auch zur Wildrettung, zur Behandlung schwer zugänglicher Steilhänge beim Weinanbau oder zur Waldinventur genutzt. „Mit ,Smart Farming’ spart der Landwirt Betriebsmittel, Arbeitszeit sowie Maschinenkosten ein. Zudem trägt der Einsatz dieser Methoden zu einer ökologisch verträglichen Nutzung der natürlichen Ressourcen bei“, so der Minister.

Verbreiteten Ängsten, wonach Software und Maschinen mittelfristig den Menschen ersetzen werden, trat Schmidt energisch entgegen. „In vielen Branchen wird schon heute über Personalmangel geklagt. Da ist es gut und notwendig, Menschen in sinnvollen Bereichen einzusetzen.“ Der Minister hofft, wie er sagte, „dass diese Entwicklung schnell einsetzt“.

Von Winfried Mahr

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