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Elektromobilität: Solartrabi rollt lautlos durch Dresden

Elektromobilität: Solartrabi rollt lautlos durch Dresden

Als Wunderwerk der Technik knatterte der Serientrabant nie über die Straßen. Was der Dresdner Chemiker Dieter Schulze Anfang der 70er Jahre jedoch aus einer Trabikarosse, Ersatzteilen und einem wichtigen Kontakt zum Berliner Akkumulatorenwerk formte, war einzigartig.

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Dr. Dieter Schulze (r) mit seinem Solartrabi.

Quelle: Dominik Brüggemann

Dresden. Schulze baute einen Trabi mit Elektroantrieb – Reichweite 45 Kilometer – und sparte so täglich viel Zeit auf dem Weg zur Arbeit.

Damals wollte Schulze, Jahrgang 1934, möglichst rasch und sparsam seinen rund elf Kilometer langen Arbeitsweg von Hellerau bis zum Zelleschen Weg zurücklegen. Die Straßenbahn fuhr für ihn jedoch zu langsam. „Wir haben Teile aus alten Postautos genommen, die fuhren damals schon elektrisch“, erzählt der promovierte Chemiker, der zunächst wenig Wissen über Autos hatte. „Ich habe mir viel angelesen und selbst beigebracht“, so Schulze, der als Oberassistent an der ehemaligen Hochschule für Verkehrswesen arbeitete. Seine Freunde hatten eine gespaltene Meinung von der Idee: „Einige zeigten mir einen Vogel, andere wollten auch so einen Elektro-Trabi haben.“

Als umweltfreundliches Hobby mit Nutzeffekt bezeichnete er sein eigenes Projekt. Besonders problematisch waren beim Aufbau jedoch zwei Dinge: Als er die Karosserie kaufen wollte, glaubten die Behörden, er wolle sich einen fahrtüchtigen Trabi aufbauen, auf den andere Jahre warten mussten. Als er sein Ziel glaubhaft belegen konnte, erhielt er die Karosserie. Damals wie heute mangelte es auch an leistungsstarken Batterien. „Ein Zufall hat mir geholfen“, meint Schulze heute, der damals von einem ehemaligen Studienkollegen profitierte, der ihm zu Testzwecken Akkus aus dem Berliner Akkumulatorenwerk überließ. Als Gegenleistung führte er Buch über die Produkte, sie sonst bei Schienenfahrzeugen zum Einsatz kamen.

„Ohne diese Hilfe wäre es finanziell sehr schwer geworden“ schätzt er heute ein. Vier insgesamt 260 Kilogramm schwere 12-Volt-Batterien nahmen viel Platz im kleinen Trabant ein. Sie sorgten für eine Nennleistung von 3,6 kW, die für eine Höchstgeschwindigkeit von bis 50 Kilometer pro Stunde reichten. „Die Reichweite war jedoch sehr wechselhaft. Das lag an der Temperatur, dem Verkehr und dem Fahrverhalten.“ Der Trabi rollte insgesamt 55.000 Kilometer lautlos durch Dresden. Erst der Rost bereite ihm 1993 ein Ende.

Für Routinestrecken ideal

Auch heute glaubt er weiterhin an den Erfolg der Elektromobilität. „Die Batterien begrenzen die Reichweite, aber für viele Routinestrecken ist der Antrieb ideal“, ist er überzeugt. Den Kunstgriff, den die Autoindustrie machen müsse, sei die Leistung und die Fahrstrecke besser anzupassen. Mit seinem leichten Trabant und gut 45 Kilometern Reichweite hat Schulze diesen Kunstgriff schon vor 40 Jahren gemacht.

Dass sein Herz weiterhin für Elektroautos schlägt, ist zu spüren, wenn Schulze in seinem zweiten Projekt Platz nimmt. Der zweite Elektrotrabant ist mit Solarzellen bestückt, die nach gut zehn Stunden die Batterien des Wagens geladen haben. Der Energieverbrauch liegt laut Schulze bei rund 11 kWh pro 100 Kilometer. Umgerechnet sei das soviel Energie, wie 1,1 Liter Benzin für diese Strecke enthalten. „Bis zu 30 Kilometer sind mit dem Trabi möglich“, sagt Schulze.

Diesen Frühling hat sich Schulze von seinem zweiten Trabant aus gesundheitlichen Gründen getrennt und ihn in vertrauensvolle Hände gegeben. Beim neuen Besitzer steht er startbereit in der Garage, das Ladekabel liegt im Kofferraum, vier Displays zeigen die Ladeenergie an. Nach dem Besuch in der Garage steigt Schulze in sein Auto und fährt lautlos vom Hof. Auch heute verzichtet er nicht auf alternative Antriebstechniken. Inzwischen bringt ihn ein Hybridfahrzeug seit neun Jahren von A nach B.

Dominik Brüggemann

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