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Mitteldeutschland Endlich Familienurlaub – Sachsen schießt etwas Taschengeld zu
Region Mitteldeutschland Endlich Familienurlaub – Sachsen schießt etwas Taschengeld zu
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22:59 08.05.2018
Sachsen schießt bei kinderreichen Familien und Familien mit geringem Einkommen pro Person und Tag bis zu 7,50 Euro zu. (Symbolfoto) Quelle: dpa
Leipzig

Sonne, Meer und Strand. Veronika Weber freut sich schon auf den Urlaub mit den Kindern. In diesem Sommer geht es auf die Nordseeinsel Spiekeroog. Die „Große“ sei 17 und würde erstmals allein in den Urlaub fahren. Aber Sohn Clemens (14) und natürlich die Zwillinge Almut und Agnes (9) könnten es kaum erwarten. „Sie sind ganz gespannt auf Ebbe und Flut und natürlich auf Wanderungen im Watt.“

Spiekeroog verspreche, was die Krankenschwester aus Belgershain (Leipziger Land) derzeit am sehnlichsten sucht: Ruhe. „Die Insel ist komplett autofrei und soll überaus idyllisch sein.“ Etwas Erholung könne sie gut gebrauchen, sagt die alleinerziehende Mutter, die im Berufsleben steht. „Vollzeit-Mutter“ mit Teilzeitjob sei anspruchsvoll. Aber sie arbeite gern als Krankenschwester. Seit Wochen würde sie schon Geld zur Seite legen, um den Kindern schöne Ferientage zu ermöglichen. „Zum Glück“, sagt sie, gebe der Staat etwas für den Urlaub dazu. Sachsen schießt bei kinderreichen Familien und Familien mit geringem Einkommen pro Person und Tag bis zu 7,50 Euro zu.

Das sei auch in diesem Jahr wieder so, heißt es aus dem Dresdner Sozialministerium. Im vergangenen Jahr standen für die Familienerholung rund 400 000 Euro zur Verfügung. Mit etwas mehr rechnet man für dieses Jahr. 2016 waren es fast 375 000 Euro, davor knapp 350 000 Euro. Das Geld sei gut angelegt, meint Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU). „Wir wollen auch in diesem Jahr Familien mit Kindern und kleinem Geldbeutel einen Urlaub ermöglichen. So können sie einige unbeschwerte Tage zum Beispiel in einer Familienferienstätte verbringen.“

Die Anzahl der bewilligten Anträge auf Förderung steigt: von 930 im Jahr 2013 auf 1176 im Jahr 2016. Damit erhöhte sich auch die Anzahl der geförderten Teilnehmer im genannten Zeitraum von 3503 auf 4496 Erwachsene mit Kindern.

Diesen Trend registriert auch Angelika Blochwitz vom Diakonischen Werk in Sachsen. Angesichts der Vielzahl bedürftiger Familien im Land müsste ihrer Meinung nach der Andrang aber weit größer sein. „Vielen ist eine solche Förderung überhaupt nicht bekannt“, sagt die Referentin für psychologische Beratung. Der Nutzen sei unbestritten: „Wir machen seit Jahren die Erfahrung, dass es Familien im Alltag häufig an gemeinsam verbrachter Freizeit, Zeit für Partnerschaft und Regeneration fehlt.“ Das sei wichtig für die Gesundheit von Familien und damit relevant für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Das Programm müsste in der Tat mehr publik gemacht werden, meint auch Silke Polster von der Diakonie Leipziger Land mit Beratungsstellen in Grimma und Borna. Zudem würden nicht wenige den bürokratischen Aufwand fürchten. Beim Ausfüllen der Anträge helfe man aber, meint die Sozialarbeiterin. Insgesamt können in Sachsen in 75 Beratungsstellen der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege Anträge gestellt werden.

Sachsen ist eines von neun Bundesländern, die Urlaubszuschüsse für Familien gewähren. Die Voraussetzungen dafür sowie die Höhe der Leistung unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland: Gezahlt werden bis zu 20 Euro pro Person und Tag, mitunter werden auch die Fahrtkosten extra erstattet. Für behinderte Kinder zahlen einige Länder bis zu 23,50 Euro am Tag. Sachsen liegt mit bis zu 7,50 Euro eher am unteren Rand. Dafür kann jedes Jahr eine Förderung für sieben bis 14 Tage beantragt werden – in einigen Ländern nur jedes zweite Jahr. Eine Anpassung des Sätze sei überfällig, heißt es unisono aus mehreren sächsischen Beratungsstellen. Schließlich stiegen Jahr für Jahr die Kosten für Unterkunft und Verpflegung. Angelika Blochwitz formuliert es diplomatisch: „Dass Sachsen die Familienerholung fördert, sehen wir im Diakonischen Werk positiv und möchten uns für eine Erhaltung und Verbesserung des Angebots für möglichst viele einkommensarme Familien einsetzen.“ Ein Problem sei auch, dass der Zuschuss vor Antritt des Urlaubs gestellt werden muss. Ausgezahlt wird aber erst nach Urlaubsende.

Veronika Weber hat die Unterkunft auf Spiekeroog im Katalog „Urlaub mit der Familie“ (im Internet: urlaub-mit-der-familie.de) gefunden, herausgegeben von der Bundesarbeitsgemeinschaft Familienerholung. 60 Unterkünfte in ganz Deutschland sind dort verzeichnet – vom Ferienhaus an Ost- und Nordsee-Küste bis zum Naturfreunde-Familienferienheim im Allgäu. Bezuschusst werden aber auch Aufenthalte in anderen familienfreundlichen Einrichtungen wie Ferienwohnungen, Pensionen und Bauernhöfen.

Von Andreas Dunte

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