Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Energieforschung: Sachsen strebt Spitzenposition in Deutschland an
Region Mitteldeutschland Energieforschung: Sachsen strebt Spitzenposition in Deutschland an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:53 03.07.2018
Stefan Kaskel vom Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik erklärt Wirtschaftsminister Martin Dulig (links, SPD) und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (Mitte, SPD) moderne Speichertechnologien. Quelle: dpa
Dresden

„In der Mitte entsteht gerade ein Stapel, auf dem Anode und Kathode sortiert werden”, erklärt Stefan Kaskel vom Fraunhofer Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden und beugt sich über bunte Kabel, Platinen und Sensoren. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) fotografiert begeistert den Stapelroboter. Er baut Prototypen für Batteriezellen. Eine Technologie, die auch in der Automobilindustrie auf großes Interesse stößt.

Der Ort ist gut gewählt. Die Verbindung von Wirtschaft und Wissenschaft steht im Mittelpunkt des am Dienstag vorgestellten „Masterplans Energieforschung in Sachsen“. Dessen Ausarbeitung ist Teil des Koalitionsvertrages. „Das ist kein Plan zur Umsetzung der Energiewende”, betont Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD). Vielmehr solle das 126 Seiten umfassende Papier Themen abbilden, bestehende Kapazitäten verknüpfen und die Einrichtungen im Freistaat stärker in den Fokus rücken. Die Regierung verspricht sich davon mehr Drittmittel von Bund und EU. „Weil hier Potenziale vorhanden sind“, sollen internationale Unternehmen in den Freistaat investieren. Dafür benötige man jedoch eine stärkere Außenwahrnehmung sächsischer Institute, so Stange.

Kompetenzstelle Energieforschung geplant

Um die Energieforschung in die beabsichtigten Bahnen zu lenken, soll eine Kompetenzstelle Energieforschung am Wirtschaftsministerium eingerichtet werden. Die Stelle, für welche 120 000 Euro jährlich veranschlagt sind, solle auch ein „Seismograph” für Schwachstellen sein.

Denn auch solche werden im Masterplan benannt: Unternehmen seien noch nicht in der Lage, Innovationen der Wissenschaft aufzugreifen oder umzusetzen, Forschungszweige seien ungenügend miteinander verknüpft und es entstünden zu wenige Start-ups aus der Wissenschaft heraus. Zudem gebe es zu wenige „Leuchtturm- oder Demonstrationsprojekte“, kritisiert Stange. Die Punkte wurden etwa im Austausch mit über hundert Experten erarbeitet.

Als Stärken hebt die Ministerin Vielfalt, Vielzahl und wissenschaftliche Exzellenz von Forschungseinrichtungen hervor. Bei der Energieforschung spielten Einrichtungen in Dresden wie das IWS, die Bergakademie in Freiberg, das Deutsche Biomasseforschungszentrum in Leipzig und die Hochschule Zittau/Görlitz eine wichtige Rolle. Ihnen könne man zugute halten, dass sie in Sachsen gut vernetzt sind und auch wahrgenommen werden.

„Energiewende gelingt nur mit Energieforschung“

„Energiewende gelingt nur mit Energieforschung”, betont Dulig. Der Masterplan Energieforschung im Energieland Sachsen sei Teil dieses Prozesses. Ziel sei, Forschungsergebnisse wirtschaftlich zu nutzen. Dabei will der Wirtschaftsminister in Deutschland ganz vorne mitspielen: „Allein im Jahr 2015 wurden 21 Millionen Euro an Landesmitteln in die Energieforschung in Sachsen investiert - das ist Platz vier im Bundesvergleich und vor allen anderen Bundesländern im Osten”, sagte er. Mit der besseren Vernetzung und Förderung von Energieforschung soll Sachsen künftig zu den drei führenden Ländern im Bund aufschließen.

Von Seiten der Akteure aus Industrie, Wissenschaft und Wirtschaftspolitik steht dem nichts im Weg. „Außerordentlich positiv“, bewertet Mandy Schipke, Vorstandsvorsitzende des Energie-Clusters Energy Saxony den Masterplan. Eine nationale und internationale Vernetzung der Unternehmen sei für die Zukunft wichtig, hebt sie hervor. Dabei müssten Schwerpunkte gesetzt werden.

Gerade die Batterieforschung hat einen hohen Stellenwert in Sachsen. So entwickelte das Dresdner IWS etwa die sehr leichte Lithium-Schwefel-Batterie, die etwa bei geostationären Satelliten eingesetzt wird. Die Augen der Minister leuchten in den Laboren des IWS. In der „Physikstunde“ saugen sie auf, was die Wissenschaftler berichten. Faszination ist da, Vernetzung, Fördergelder und Außenwirkung hält der Plan bereit.

Von Theresa Held

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig und Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange haben den Asylkompromiss und Bundes-Innenminister Horst Seehofer (CSU) scharf kritisiert. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sprach von einer vernünftigen Lösung.

03.07.2018

Die Skulptur „Dresdner Mars“ wird nun doch nicht beim Londoner Auktionshaus Sotheby's versteigert. Die Bayer AG verkauft das Kunstwerk stattdessen direkt an die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

02.07.2018

Die Sachsen LB stand 2007 vor dem Aus und wurde an die Landesbank von Baden-Württemberg verkauft. Der Freistaat musste aber für den Ausfall riskanter Papiere bürgen und zahlte bisher 1,87 Milliarden Euro. Jetzt ist ein Ende in Sicht.

02.07.2018