Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 5 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Energiewende: Freiberger Experte baut autarkes Haus - Bundesminister Altmaier neugierig

Energiewende: Freiberger Experte baut autarkes Haus - Bundesminister Altmaier neugierig

Das Traumhaus als Energiewunder: Der Freiberger Energieexperte, Uni-Dozent und Häuslebauer, Timo Leukefeld, will sich in seinem neuen Häuschen in einer Gartensiedlung am Stadtrand nie wieder Gedanken über steigende Energie- und Heizungspreise machen.

Voriger Artikel
Verwester Fötus in Westeregeln in Sachsen-Anhalt gefunden
Nächster Artikel
Hakenkreuzfahne im Fenster gehisst - Polizei findet betrunkene Männer in Wohnung

Blick auf das Bauprojekt des Freiberger Energieexperten Timo Leukefeld in Freiberg.

Quelle: dpa

Freiberg. Der 43-Jährige hat 2009 und 2010 als Projektleiter ein energieautarkes Haus mitentwickelt und will es nun praktisch erproben.

„Mit Sonnenenergie kann ich den Strombedarf komplett, den an Wärme zu etwa 65 Prozent decken“, hofft er. Etwa 15 Mal müsse er im Winter im Kamin des Wohnzimmers ein Feuer entfachen, dass die rund 9000 Liter Wasser in einem großen Speicher wieder erwärmt. „Die rund zwei Festmeter Holz dafür kosten etwa 150 Euro, die Energiekosten eines ganzen Jahres“, hat er errechnet. Das Konzept beeindruckt sogar Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU), der die Baustelle an diesem Montag besucht.

Zwei dieser Häuser entstehen derzeit in Freiberg. Deren Geheimnis ist im Grunde die Kombination von Photovoltaik für den Strom und der Solarthermie für die Wärme. Auf den ersten Blick unterscheiden sich diese wenig von anderen rohbaufertigen Häusern: Rötliche Ziegelwände, Betonfußboden, leere Fenster und Türen, Baugerüste, Staub, Baudreck.

Anschluss für Elektroauto vor der Haustür

Und doch gibt es Unterschiede: Das Dach - groß, schwarz und steil - ist mit Sonnenkollektoren und Solarzellen bestückt. Ein großer Bleiakku außen speichert die Elektroenergie für etwa drei Wochen. Es gibt einen Anschluss für das Elektroauto vor der Haustür. Im Inneren sorgt der 6,50 Meter hohe, ummauerte Langzeitwärmespeicher, 1,4 Meter im Durchmesser, in einigen Räumen für eine „runde Ecke“.

phpXXU5HP20130707160907.jpg

Energieexperte und Häuslebauer Timo Leukefeld. (Archivfoto)

Quelle: LVZ

Über die Sonnenkollektoren auf dem Dach - dünne Rohrleitungen unter einer Metallplatte, mit Flüssigkeit gefüllt, die von der Sonne erhitzt wird -  werde das Wasser im Speicher bis Ende des Sommers auf bis zu 90 Grad erwärmt, die im Winter über eine Fußbodenheizung wieder abgegeben werden und in den Zimmern für die wohlige Temperaturen sorgen, erzählt Leukefeld. Der Bau des Hauses mit etwa 160 Quadratmeter Wohnfläche auf zwei Etagen koste etwa 400 000 Euro - rund 80 000 Euro mehr als vergleichbare, herkömmliche Häuser.

Die an seinem Haus angewendeten Technologien seien meist lange bekannt, sagt Leukefeld. „Diese sind hier nur intelligent zusammengefügt worden.“ Er will den Häuslebauer einen bezahlbaren Weg zeigen, wie mit Energie gespart und diese dennoch „intelligent verschwendet“ werden kann. Keine Energiesparlampen, im Winter 24 Grad im Zimmer. „Die Sonne liefert die Energie frei Haus. Blödes Sparen oder intelligentes Verschwenden - darum geht es.“

Energiewende ohne "Sonnenhäuser" kaum möglich

Aus Sicht des Sonnenhaus-Institutes in Schleching (Bayern) ist die Energiewende in Deutschland ohne die Nutzung der Solarthermie nicht möglich. „Wenn sich eine Schlüsseltechnologie wie das Sonnenhaus nicht schnell genug im Markt etabliert, gerät die politische Zielvorgabe, ab 2020 nur noch emissionsfreie Gebäude zu bauen, ins Straucheln“, warnt Geschäftsführer Peter Rubeck. Er fordert deshalb „system- und technologieoffene Förderprogramme im Gebäudebereich“. Dem Institut zufolge gibt es bundesweit etwa 1300 „Sonnenhäuser“, bei denen mit Solarthermie-Technik Wärme erzeugt wird. Jährlich kämen etwa 250 hinzu.

„Technisch ist eine energetische Verbesserung der Häuser kein Problem“, bestätigt der Direktor des Verbandes der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Sachsen (vdw). „Aber ohne staatliche Förderung ist das für die Wohnungsunternehmen nicht zu machen - nicht, wenn die Mieten sozialverträglich gestaltet werden sollen.“ Denn die Investitionen müssten nach jetzigem Stand durch die Mieten refinanziert werden.

Der Vorstand des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG), Axel Viehweger, hat erst unlängst die verschärften energetischen Anforderungen beim Neubau von Wohnungen kritisiert. Diese erhöhten die Baukosten derart, dass es sich trotz Förderung für die meisten Genossenschaften nicht rechne., sagte er. Die dann nötigen Kaltmieten von sieben bis acht Euro seien aber in den meisten Regionen nicht möglich. „Es geht um bezahlbaren Klimaschutz“, sagte Viehweger

Bleiakkus könnten zur Lösung des Speicherproblems beitragen

Doch das Haus von Leukefeld interessiert inzwischen auch Energieerzeuger wie das Chemnitzer Unternehmen enviaM. „Wir würden bei Leukefeld das Nachheizen seines Langzeitspeichers in der energiearmen Zeit im Winter gern übernehmen“, sagt Rico Freytag vom enviaM-Netzbetreiber Mitnetz Strom. Zudem sei auch dessen Bleiakku für den Solarstrom energietechnisch interessant. Das Unternehmen darf diesen als Pufferspeicher nutzen.

Derzeit gebe es aber im Bereich des Unternehmens etwa 16.500 Solaranlagen auf den Dächern von Wohnhäusern, hieß es. Wenn dort überall Bleiakkus stünden  - so wie bei Leukefeld - sei das eine beachtliche Speicherkapazität. Wenn mehr Strom im Netz sei als benötigt werde - was gelegentlich vorkomme -  könne das Unternehmen die überschüssige Energie dort zeitweise zwischenspeichern. Alternativen Energieanlagen müssten dann in solchen Fällen dann nicht mehr wie üblich abgeschaltet werden. An dem energieautarken Haus will das Unternehmen die Technik dazu erproben und das Elektro-Auto testen.

Ralf Hübner, dpa

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Mitteldeutschland
  • Leipzig Wiederentdeckt
    Leipzig Wiederentdeckt

    Die 13 Filme schildern eine einzigartige Zeitreise durchs 20. Jahrhundert der Stadt Leipzig – von den Anfängen des Films bis zur Wendezeit. Mit bis... mehr

  • Leipzig-Album
    Leipzig-Album

    Welche Ereignisse sind den Bürgern der Messestadt besonders in Erinnerung geblieben, welche Orte oder Gebäude sind verschwunden oder haben sich gew... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die LVZ in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten LVZ das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr

  • Digital Abo

    "LVZ Digital Abo" heißt das Online-Premiumangebot der Leipziger Volkszeitung, das Sie überall auf der Welt und rund um die Uhr nutzen kön... mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Lichtfest Leipzig 2017

    Alljährlich am 9. Oktober erinnert das Lichtfest Leipzig auf dem Augustusplatz an die Ereignisse im Herbst 1989. Hier gibt es alle Infos. mehr

  • Schau! Das Leipziger Museumsportal
    Schau! Das Leipziger Museumsportal

    Alle Informationen zu den Museen in Leipzig, ihren Ausstellungen und Events auf einen Blick im Special der LVZ. mehr