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Erdbeben in Leipzig zu spüren – Seismologe: Stärkste Erschütterung seit fast 30 Jahren

Erdbeben in Leipzig zu spüren – Seismologe: Stärkste Erschütterung seit fast 30 Jahren

In Leipzig hat am Samstag die Erde gewackelt. Aus Liebertwolkwitz, Leutzsch und aus der Südvorstadt meldeten sich besorgte Bürger über die sozialen Netzwerke.

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Ein Erdbeben war am Samstag (31.05.) in Leipzig zu spüren. (Symbolbild)

Quelle: dpa

Leipzig. Auch bei Polizei und Feuerwehr gingen Anfragen ein. Das Geophysikalische Observatorium Collm bestätigt: Es hat ein Erdbeben gegeben – und zwar das stärkste in der Region seit rund 30 Jahren.

Das Epizentrum der Erschütterung lag bei Novy Kostel im Nordwesten Tschechiens, nahe der Grenze zu Sachsen und rund 124 Kilometer südlich von Leipzig. Das Gebiet ist bekannt für Schwarmbeben, erklärt Seismologe Siegfried Wendt, der an diesem Samstag in Collm kaum zum Auswerten der Daten kommt. „Wir sind mit Anrufen bombardiert worden“, sagt er gegenüber LVZ-Online.

Am Nachmittag steht für den Erdbebenforscher fest: Seit 1985 hat es kein so schweres Beben in der Region gegeben. Die Magnitude des Bebens, das gegen 12.30 Uhr registriert wurde, erreichte 4,2 auf der Richterskala. Das Geoforschungszentrum Potsdam nannte sogar einen Wert von 4,5. „Kleinere Schwankungen in den Berechnungen sind normal“, erklärt Wendt.

Vielzahl kleiner Nachbeben

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich das Beben in einer Tiefe von 7,2 bis 10 Kilometer ereignete. In den Stunden nach den stärksten Erschütterungen registrierte das Geophysikalische Observatorium eine Vielzahl weiterer kleinerer und kleinster Nachbeben in dem Gebiet in Böhmen. Die Auswertung laufe noch, aber zwei davon könnten abermals eine Magnitude von Drei erreicht haben.

Sowohl in Dresden, als auch in Oschatz wurde die Erderschütterungen bemerkt, hieß es aus Collm. Sogar aus Fürth bei Nürnberg meldete sich eine Nutzerin bei LVZ-Online und berichtete, dass in ihrer Wohnung in der 6. Etage für Sekunden die Wände geschwankt hätten.

Aus vielen Ortsteilen Leipzigs - wie Liebertwolkwitz, Meusdorf, Gohlis und Südvorstadt - gingen besorgte Anfragen über die sozialen Netzwerke ein. Auch Feuerwehr und Polizei bestätigten, dass Bürger aus der Region Erdstöße gemeldet hätten. Von Schäden in Leipzig war den Einsatzkräften aber derzeit nichts bekannt. Zu kleineren Rissen an Gebäuden könne es bei dieser Stärke vor allem in der Nähe des Epizentrum kommen, so Seismologe Wendt.

Naturereignis blieb Anfang Mai fast unbemerkt

Auch Anfang Mai bebte an einem Samstag die Erde in Leipzig. Das Ereignis hatte die Stärke 2,4 auf der Richterskala und war von der Öffentlichkeit in den frühen Morgenstunden weitgehend unbemerkt geblieben. Damals lag das Epizentrum viel näher an der Messestadt: Das Beben ereignet sich in der Nähe des Tagebaus Profen südwestlich der Ortschaften Pegau und Groitzsch im Kreis Leipzig. Wie Experte Wendt erklärte, haben Beben südlich von Leipzig aber nichts mit den Schwarmbeben zu tun, wie sie in der Region Vogtland und Böhmen auftauchen.

"Typisch für eine Schwarmbebenserie ist die große Anzahl von Beben ähnlicher Magnitude, die innerhalb kurzer Zeit und nahezu am selben Ort stattfinden", erklärte am Samstagabend ein Sprecher der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Die Forscher der Anstalt vermuten, Ursache der Erdstöße in Tschechien könnte ein Aufstieg flüssiger Gesteinsmassen aus dem Erdmantel in die Erdkruste sein.

Zusammenhang mit Mineralquellen

"Wissenschaftler diskutieren einen Zusammenhang mit den bekannten Mineralquellen in Marienbad und Karlsbad", so ein Sprecher der Anstalt, die als nationaler geologischer Dienst die Erdbebentätigkeit in Deutschland und der Welt überwacht. "Die Region Vogtland/Nordwest-Böhmen gehört zusammen mit dem Oberrheingraben, der Niederrheinischen Bucht und der Schwäbischen Alb zu den vier seismisch aktivsten Regionen Deutschlands."

Evelyn ter Vehn / chg

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