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Mitteldeutschland Erstmals weniger Crystal-Süchtige in Sachsens Beratungstellen
Region Mitteldeutschland Erstmals weniger Crystal-Süchtige in Sachsens Beratungstellen
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20:38 22.05.2018
Macht schnell süchtig: Die Droge Crystal (N-Methylamphetamin). Quelle: Foto: dpa
Dresden

Nach vielen Jahren des Anstiegs ist die Zahl der Crystal-Süchtigen in Sachsen erstmals gesunken: Laut der Sächsischen Landesstelle gegen die Suchtgefahren haben im vergangenen Jahr 2017 insgesamt 4544 Crystal-Abhängige Hilfe in einer Beratungsstelle gesucht. Das sind mehr als 300 weniger als im Jahr zuvor. Das geht aus der Antwort des Sozialministeriums auf eine Kleine Anfrage des AfD-Abgeordneten Sebastian Wippel hervor. Das bedeutet: Der seit dem Jahr 2010 anhaltende Negativ-Trend konnte offensichtlich gestoppt werden. „Es ist wichtig, dass sich die Steigerungen der letzten Jahre nicht fortgesetzt haben“, stellt Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) gegenüber der LVZ fest. „Dennoch dürfen wir nicht nachlassen aufzuklären und auf die verheerenden Folgen von Crystal hinzuweisen. Dieser Konsum zerstört den Konsumenten, aber auch Familie und Freundeskreis.“

Denn es kann längst noch keine Entwarnung gegeben werden: Crystal bleibt im Bereich der illegalen Drogen weiterhin die Nummer 1 im Freistaat – in keinem anderen Bundesland wird so viel des äußerst schnell süchtig machenden Stoffes konsumiert wie in Sachsen. Leipzig und Dresden sind mit Abstand die Hochburgen, gefolgt vom Erzgebirge und dem Landkreis Zwickau. Doch es gibt keine Region im Freistaat, die nicht betroffen ist. Bedenklich sind auch die Zahlen, die die Geburtskliniken melden: Die Zahl der Neugeborenen, die durch Drogenkonsum der Mutter geschädigt sind, steigt mit jedem Jahr. Waren es im Jahr 2010 noch 37, wurden zuletzt mit 185 geschädigten Neugeborenen fünf Mal so viele gemeldet.

„Unser Ziel ist weiterhin, Crystal-Konsum zu verhindern und Konsumenten frühzeitig ins Hilfesystem zu bringen. Wir haben dazu bereits im letzten Doppelhaushalt noch einmal zusätzlich Geld in die Hand genommen, zur Stärkung der Suchtberatung und für gute Projekte vor Ort“, sagt die Sozialministerin. So sind zur Förderung der Suchtberatungs- und -behandlungsstellen für 2017 und 2018 jeweils 5,4 Millionen Euro eingeplant. Zudem gibt es in diesem Jahr einen Sonderfonds für lokale Hilfsprojekte mit dem Schwerpunkt Crystal von 900 000 Euro.

Insgesamt stellt die Suchtkrankenhilfe Sachsen eine „deutlich erhöhte Konsumhäufigkeit von Crystal und Cannabis in Mitteldeutschland“ fest. Und weiter: „Während sich rückläufige Trends im Bereich Crystal andeuten, werden seit nunmehr vier Jahren erhebliche Steigerungen des Beratungs- und Behandlungsbedarfs aufgrund von Cannabis-bezogenen Störungen registriert.“ Allein seit 2013 stiegen diese Hilfeanfragen um 70 Prozent.

Dieses Bild spiegelt auch die Kriminalitätsstatistik für 2017 wider. Während die Zahl der Crystal-Fälle mit 3615 Verfahren in etwa stagnierte, stieg die Zahl der Rauschgiftdelikte im Jahresvergleich zu 2016 um fast ein Viertel auf 12 207 Fälle. Den Anstieg führt das Innenministerium hauptsächlich auf mehr Polizeikontrollen zurück, insbesondere in den Großstädten. Dennoch schränkt das Ministerium – auch mit Bezug zu Crystal – auf Grünen-Anfrage ein: „Die Zahl der bekannt gewordenen Fälle beschreibt das tatsächliche Ausmaß der Rauschgiftkriminalität nicht annähernd. Sie ist vielmehr Ausdruck der Kontrollintensität der Strafverfolgungsbehörden.“

Von Andreas Debski

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