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Eschen statt Fichten - Sachsen baut den Wald um

Eschen statt Fichten - Sachsen baut den Wald um

Trotz des Erzgebirges und der Sächsischen Schweiz zählt Sachsen zu den Bundesländern, in denen es nur wenig Wald gibt. Das hat auch seine Ursache in dem Abbau von Braunkohle, der zahlreichen Wäldern zusetzte.

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Soll in Sachsens Wäldern künftig häufiger zu sehen sein: die Esche.

Quelle: dpa

Pirna. Mit einer "Waldstrategie 2050" will das sächsische Umweltministerium in der Zukunft mehr Bäume im Freistaat sehen, die dazu auch den Auswirkungen des Klimawandels standhalten.

So beliebt das Leipziger Neuseenland bei Ausflüglern ist und es das Lausitzer Seenland spätestens in fünf Jahren sein wird, wenn die dortigen Seen mit Wasser gefüllt sind: Sie sind Folge der vielen Braunkohletagebaue in Sachsen und ersetzen in vielen Fällen Flächen, auf denen sich zuvor Wald ausgedehnt hatte und die danach geflutet wurden oder es noch werden. Der Abbau von Braunkohle ist im Freistaat derzeit die "mit Abstand bedeutendste Ursache für Waldflächenverluste", wie der Staatsbetrieb Sachsenforst in Pirna, der für den landeseigenen Wald zuständig ist, nüchtern konstatiert.

Die Region Leipzig zählt inzwischen zu den waldärmsten Gebieten in der Bundesrepublik: Während in Dresden rund 23 Prozent der Fläche bewaldet sind, nehmen in Leipzig Wälder nur etwa sieben Prozent des Stadtgebiets ein. Der Landkreis Leipzig kann im Vergleich zum Erzgebirgskreis, der fast zur Hälfte mit Wald bewachsen ist, nur auf knapp 15 Prozent Waldfläche verweisen. "Eine wichtige Aufgabe für die kommenden Jahrzehnte ist die Waldmehrung", hat denn auch Umweltminister Frank Kupfer (CDU) jetzt als Forderung ausgegeben. Damit meint er den gesamten Freistaat, der im bundesdeutschen Vergleich mit einem Waldanteil von 28 Prozent nur unterdurchschnittlich bewaldet ist, der Durchschnittswert für die gesamte Bundesrepublik liegt bei 31 Prozent.

Allein innerhalb von 200 Jahren hat Sachsen ein Sechstel an Waldfläche verloren. Neben dem erwähnten Braunkohleabbau kommen dafür als Ursachen Rodungen für die Landwirtschaft, Expansionen der Städte und das Aufheben von Rodungsbeschränkungen im 19. Jahrhundert in Betracht, wie es in der "Waldstrategie 2050" detailliert aufgeführt wird. In dieser Strategie, für die derzeit im Umweltministerium die bis April eingereichten Einwände von Kommunen und Verbänden ausgewertet werden, hat Kupfer als Ziel formuliert, den Waldanteil in Sachsen bis 2050 auf mindestens 30 Prozent zu erhöhen: Bis 2020 zunächst auf 28,8 Prozent und in den folgenden drei Jahrzehnten jeweils um mindestens 0,4 Prozent.

"Auf unsere Wälder kommen in den nächsten Jahrzehnten große Herausforderungen zu", schätzt Kupfer ein. "Der Klimawandel wird im Vergleich zu heute in einigen Regionen noch mehr Trockenheit und gehäufte Extremwetterereignisse wie Starkniederschläge verbunden mit Hochwassergefahren bringen." Fichten- und Kieferwälder, wie sie in Sachsen in Reinform immer noch stark das Bild der Wälder prägen, seien diesen Ansprüchen nicht gewachsen: Sie gelten als besonders anfällig für Schädlinge und Wettereinflüsse wie Stürme oder Starkregen. "Wir brauchen Mischwälder, die den Auswirkungen des Klimawandels besser trotzen können", fordert der Minister. Bis 2050 will er im Landeswald rund 80.000 Hektar und im Wald, der sich nicht im Besitz des Freistaats befindet, etwa 30.000 Hektar zu Mischwäldern umgewandelt wissen, was etwa einem Fünftel der derzeitigen Waldfläche entspricht.

Dass Fichtenwälder lange Zeit sehr beliebt bei Waldbesitzern waren, hat vorrangig wirtschaftliche Erwägungen als Ursache. Der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer (CDU) wies unlängst darauf hin, dass Monokulturen von Fichten auch entstanden seien, weil sie "schneller und kalkulierbarer nachwachsen" und in dem früheren Anlegen solcher Wälder eine Antwort auf die Knappheit von Holz gesehen werden könne, die damals bestand. Sie mündete in dem Prinzip der Nachhaltigkeit, das schon 1713 der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz aufgestellt hatte: "Nicht mehr Bäume nutzen als nachwachsen."

Das Vorhaben Kupfers, bis 2050 in Sachsen zirka 110.000 Hektar Nadelwald in Mischwälder umzubauen, erscheint äußerst ambitioniert, weil dies seit 1994 nur auf einer rund 15000 Hektar großen Fläche gelungen ist: Dort pflanzten Förster Rotbuchen, Weißtannen, Stiel- und Traubeneichen sowie Bergahorn und Eschen an.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.05.2013

Sven Eichstädt

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