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Mitteldeutschland Experte: Jegliche Sanktionen gegen Schulverweigerer zwecklos
Region Mitteldeutschland Experte: Jegliche Sanktionen gegen Schulverweigerer zwecklos
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17:47 22.03.2012
Wenn Schüler die Schule schwänzen, geschieht das selten aus heiterem Himmel. Nach Expertenansicht sollten Eltern und Lehrer sensibler auf erste Warnzeichen reagieren. Quelle: Volkmar Heinz
Magdeburg/Coswig

Der Pädagoge hat unter anderem eine Beratungsstelle für Schulverweigerer in Köthen mit aufgebaut. „Schulverweigerung ist immer ein Hilferuf“, sagte Kemp. Ursachen können Probleme mit Elternhaus, Lehrern und Mobbing in der Schule sein. Bestrafung sei daher keine Lösung. Mit dem Thema Schulverweigerung befasst sich am Freitag der Landtag.

Justizministerin Angela Kolb (SPD) hatte sich für eine Abschaffung des Jugendarrestes für Schulschwänzer ausgesprochen. Der Jugendarrest sei kontraproduktiv. Problematisch sei auch, dass Schulverweigerer dort gemeinsam mit jugendlichen Straftätern untergebracht seien. Auch Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) hält den Arrest „unter pädagogischen Gesichtspunkten für zweifelhaft.“ In Sachsen-Anhalt landen jährlich hunderte Schulverweigerer hinter Gittern, weil sie kein Bußgeld zahlen und auch keine soziale Arbeit leisten.

„Die Ursachen für Schulverweigerung sind komplex“, sagte Kemp. Deshalb sollten sich, sobald die ersten Anzeichen auftreten, Eltern, Lehrer, Erzieher und das Kind oder der Jugendliche an einen Tisch setzen und über die Probleme sprechen. Das sei oftmals schon sehr hilfreich. „Alle Systeme rund um den Schüler zu betrachten, ist dabei die Herausforderung.“

„Schulschwänzen beginnt nicht sofort mit dem Fernbleiben vom Unterricht“, sagte Kemp. Ein erstes Warnzeichen sei es zum Beispiel, wenn das Kind vorgebe, krank zu sein und deshalb nicht zur Schule gehen könne. Das treffe oft bei Grundschülern zu. Erst bei größeren Schülern komme es dann zum bewussten Fernbleiben. „Doch dann ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen und es ist schwer es wieder herauszuziehen.“

Kemp kritisierte, das viele Pädagogen mit dem Problem, welches oft mit einer Verhaltensauffälligkeit einhergehe, überfordert seien. Er regte unter anderem schulinterne Fortbildungen für Lehrer im Umgang mit Schulverweigerung und eine noch bessere Zusammenarbeit mit den Beratungsstellen an.

Gespräch: Sabine Fuchs, dpa

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