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Mitteldeutschland Festival-Veranstalter verstärken Kontrollen nach Anschlag in Ansbach
Region Mitteldeutschland Festival-Veranstalter verstärken Kontrollen nach Anschlag in Ansbach
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17:35 29.07.2016
Die Sicherheitsmaßnahmen auf dem Highfield-Festival werden verschärft. Quelle: André Kempner
Leipzig

Der Anschlag in Ansbach wirft bei Konzertveranstaltern und Besuchern Fragen der Sicherheit auf. Organisatoren verschiedener Festivals in Deutschland und Sachsen, überprüfen derzeit ihre Sicherheitskonzepte, wollen das Security-Personal an den Eingängen aufstocken und mehr Kontrollen durchführen – dies in Zusammenarbeit mit Kräften des Ordnungsamtes und der Polizei.

„Auf Rucksäcke und Taschen“ verzichten

„Wie auch in den Jahren zuvor werden wir intensive Personen- und Taschenkontrollen durchführen“, sagte Martin Driemel, Sprecher des TH!NK?-Festivals, das am Wochenende am Cospudener See bei Leipzig stattfindet. Der Veranstalter plant die Personalstärke an den Ein- und Ausgängen zu erhöhen. Für die Sicherung des Veranstaltungsgeländes seien mehrere Festposten und Streifen des Ordnungsdienstes im Einsatz, ihre Anzahl sei ebenfalls deutlich erhöht worden, „damit ein unberechtigter und unkontrollierter Zugang zum Veranstaltungsgelände ausgeschlossen werden kann“. Nach Absprachen mit den Behörden soll die Polizei verstärkt vor Ort präsent sein. „Um die Kontroll- und Einlasszeit für den einzelnen Besucher so gering wie möglich zu halten und um größere Menschenansammlungen vor dem Einlass zu verhindern, werden wir alle Besucher aufrufen, auf Rucksäcke und Taschen zu verzichten."

Ein generelles Rucksackverbot wie beim Metal-Festival in Wacken in Reaktion auf den Anschlag gibt es jedoch nicht. Das Fest soll in der ersten Augustwoche über die Bühne gehen. „Aus aktuellem Anlass hat sich die Festivalleitung in Zusammenarbeit mit den Sicherheitskräften dazu entschieden, Rucksäcke und Taschen jeglicher Art auf dem Veranstaltungsgelände zu verbieten. Erlaubt sind Bauchtaschen“, teilten die Organisatoren mit. Anstelle dessen soll es Schließfächer zur Aufbewahrung vor dem Festivalgelände für die Besucher geben.

Highfield-Veranstalter: Festivalverlauf täglich überprüfen

„Wir sind zutiefst erschüttert und bestürzt über die Ereignisse in Ansbach, aber zunächst sollten die weiteren Ermittlungen abgewartet werden“, sagte Sabine Eckert von Semmel Concerts Entertainment, die das Highfield-Musikfestival organisiert. Es wird Mitte August am Störmtaler See stattfinden. „Grundlegend werden Taschen und sonstiges Gepäck beim Betreten des Campingplatzes kontrolliert, die Besucher selbst werden anschließend beim Gang auf das Veranstaltungsgelände durch Schleusen separiert und mittels Bodycheck auf gefährliche und verbotene Gegenstände geprüft.“ An allen Einlässen und auf dem Veranstaltungsgelände seien Sicherheits- und Ordnungsdienstpersonal präsent, um im Ernstfall eingreifen zu können. Ferner seien Polizeikräfte unmittelbar vor Ort, ebenso auf Zufahrtsstraßen im Umland und an Bahnhöfen im Einsatz.

Bereits im November 2015 hätte man eine interne Sicherheitsgruppe gebildet, deren Mitglieder im fortlaufenden Austausch mit den Sicherheitsbehörden der unterschiedlichen Festivalstandorte stünden. „Die Zusammenarbeit wird im Festivalverlauf fortgesetzt und täglich überprüft, um kurzfristig gemeinsam auf Geschehnisse reagieren zu können“, sagte Eckert. Die tragischen Ereignisse des vergangenen Wochenendes will der Veranstalter in den kommenden Wochen mit den Sicherheitsbehörden ausführlich besprechen und bei Bedarf zusätzlichen Maßnahmen durchführen.

Innenministerium: Polizeiliche Präsenz erhöhen

„Die Sicherheitsbehörden werden auch weiterhin alles daran setzen, die Sicherheit aller Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten und mögliche weitere Taten zu verhindern“, sagte Pia Leson, Sprecherin des Sächsischen Innenministeriums (SMI). „In der gegenwärtigen Situation wird die Polizei bei besonderen Veranstaltungen die Präsenz erhöhen. Auch die Veranstalter sind in der Pflicht, Veranstaltungskonzepte zu prüfen, zu optimieren und gegebenenfalls zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen“, sagte Leson.

Bei dem Selbstmordanschlag durch einen 27-jährigen Syrer am Rande eines Musikfestivals im fränkischen Ansbach am 24. Juli wurden zwölf Menschen verletzt – drei von ihnen schwer. Es war der erste Terroranschlag dieser Art auf deutschem Boden. Der schwer depressive in der Bundesrepublik geduldete Mann, dessen Asylantrag vor einem Jahr abgelehnt wurde, hatte sich vor dem Eingangsbereich des Festivalgeländes in einer Menschenmenge mit einer Rucksackbombe in den Tod gesprengt. Auf das Gelände war er mangels Karte nicht gelangt.

Von Oliver Becker

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