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Mitteldeutschland Freiberger Studenten können mit dem Handy ihren Professor stoppen
Region Mitteldeutschland Freiberger Studenten können mit dem Handy ihren Professor stoppen
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15:38 17.07.2015
Mit einer App können Studenten der TU Bergakademie Freiberg in Echtzeit ihre Professoren während der Vorlesung bewerten. Quelle: dapd
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Freiberg

Allerdings steuert der Erstsemestler über sein Handy quasi den Professor, zumindest dessen Vortragstempo.

Seit Oktober haben die Studenten über ihre mobilen Endgeräte wie Smartphones, Tablet-PC oder iPod-Touch-Geräte einen direkten Draht zum Professor, erklärt Frank Gommlich. Der Doktorand hat gemeinsam mit Studenten die myTU-App der Freiberger Hochschule entwickelt und nach und nach aufgerüstet. Das neueste Feature erlaubt den Studenten, direkt in Echtzeit - also während der laufenden Vorlesung - den Professor zu bewerten.

Über Smileys können die Studenten anzeigen, ob der Professor die Lehrinhalte verständlich und mit geeigneter Geschwindigkeit vermittelt. Ziel sei es, die Studenten stärker in die Vorlesung zu integrieren, sagt Konrad Froitzheim, Professor für Betriebssysteme und Kommunikationstechnologie. „Gerade in großen Vorlesungen trauen sich viele Studenten nicht, sich zu melden, wenn sie etwas nicht verstanden haben.“

Studenten können Vorlesungstempo bewerten

Das Bewertungssystem per Mobiltelefon helfe auch den Lehrkräften, ist Froitzheim überzeugt. Sie könnten die Stimmungslage im Raum abfragen. Er selbst hat ständig sein Smartphone auf Empfang und schaut in regelmäßigen Abständen, ob sich die Studierenden gemeldet haben und wie sie das aktuelle Vorlesungstempo bewerten. Störend sei das nicht, allerdings eine Konzentrations- und letztendlich eine Übungsfrage. „Ich würde mir wünschen, die Studenten würden die App noch häufiger nutzen“, sagt Froitzheim, der als Informatikprofessor zweifelsohne ein besonderes Faible für diese moderne Kommunikationsmethoden hat.

Die Studenten, deren Rückmeldungen auf dem Endgerät des Dozenten einlaufen, bleiben übrigens grundsätzlich anonym. Sie können - ebenfalls unerkannt - nicht nur das Vorlesungstempo ihres Professors bewerten. Für den Notfall wurde das Feature mit einem Stopp-Knopf ausgestattet. „Sollten innerhalb von zwei Minuten mehrere Studenten diesen Knopf drücken, bekommt der Dozent einen akustischen oder optischen Hinweis, dass viele das aktuelle Thema nicht verstanden haben und er es noch einmal erklären sollte“, sagt Entwickler Gommlich.

Sein Chef, der Info-Professor Froitzheim, betont, dass dies bisher jedoch kaum genutzt worden sei. Demnächst sollen die Studenten in der App auch noch die Möglichkeit erhalten, kurze Fragen an den Dozenten zu schicken. Getestet und ausgewertet wird das System zunächst nur in der Einführungsvorlesung der Informatik. Freigeschaltet sei es aber für alle Vorlesungen an der Berguni, erklärt Gommlich. Missbrauch befürchten die Erfinder nicht. Die App funktioniert nur im Hörsaal, wo die Vorlesung gerade läuft. Über GPS oder WLAN-Spots könne genau erfasst werden, ob der Student auch wirklich anwesend sei.

Bücherrecherche per App

Die gesamte myTU-App ist bereits seit Oktober 2011 verfügbar. Zunächst waren Vorlesungs- und Lagepläne der Uni verfügbar. Später kam das bis heute beliebteste Feature, der Speiseplan der Mensa hinzu, erinnert sich Gommlich. Schließlich wurde die Datenbank der Bibliothek verknüpft, sodass Studenten nach Büchern recherchieren können oder Hinweise erhalten, sobald bestellte Bücher verfügbar sind oder ein ausgeliehenes Buch überfällig wird.

Von den 5.698 Studenten, 86 Professoren und 316 wissenschaftlichen Mitarbeitern hätten insgesamt 6.000 die Uni-App installiert und würden sie regelmäßig nutzen, sagt Gommlich. Student Florian Richter findet die Idee generell gut. Es wäre aus seiner Sicht nur wünschenswert, wenn der Matheprofessor auch die Bewertung und den Stopp-Knopf akzeptieren würde. Doch bisher hat die Unileitung nach Angaben der Pressestelle noch gar keine gezielte Werbung bei den Lehrkräften für die App gemacht.

Zunächst soll der Test in der Informatikvorlesung ausgewertet werden. Manchen Studierenden ist das allerdings auch gänzlich egal. Julia Sorgatz beispielsweise sagt, sie kenne zwar die App - nutzen könne sie diese aber nicht, da sie nur ein ganz herkömmliches Mobiltelefon habe.

Nils-Eric Schumann, dapd

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