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Mitteldeutschland Freien Schulen in Sachsen laufen die Lehrer davon
Region Mitteldeutschland Freien Schulen in Sachsen laufen die Lehrer davon
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22:01 07.11.2018
Der Freistaat Sachsen sucht dringend Lehrer. Zum Schuljahresbeginn konnten 230 Stellen nicht besetzt werden. Den freien Schulen droht aufgrund der lukrativen Angebote eine Abwanderungswelle. Quelle: Daniel Karmann/dpa
Leipzig

Das ist die Kehrseite des milliardenschweren Lehrerpakets der sächsischen Landesregierung: Die freien Schulen drohen auszubluten. „Aus ganz Sachsen kommen Meldungen, dass Lehrer schon gekündigt haben oder kündigen wollen. In Leipzig sind es besonders viele“, sagt Siegfried Kost, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der sächsischen Schulen in freier Trägerschaft. Sein Vorwurf: „Das Programm denkt nicht an freie Schulen, weil der Freistaat unter Druck steht. Es werden Löcher an anderer Stelle gerissen, das Problem wird damit nicht gelöst.“ Ähnlich sieht es Manja Bürger, Chefin des Verbandes deutscher Privatschulen in Sachsen und Thüringen: „Die Verbeamtung kann dazu führen, dass wir massive Personalprobleme bekommen. Im Moment ist die Lage schon schwierig – doch das kann sich 2019 noch verschärfen.“ Konkrete Zahlen zur Abwanderung liegen allerdings noch nicht vor.

Hintergrund ist das sächsische Handlungsprogramm gegen den Lehrermangel. Darin sind die Verbeamtung von Lehrern bis 42 Jahre, Höhergruppierungen und Zulagen vorgesehen – mit den finanziellen Anreizen sollen Pädagogen in Sachsen gehalten und neue Lehrkräfte angelockt werden. „Dagegen können wir nicht ankommen“, erklärt Manja Bürger, „vor alle junge Lehrkräfte wandern ab.“ Dabei sei nicht einmal das Geld das Hauptproblem, fügt Siegfried Kost hinzu, „sondern die darüber hinaus gehenden Zuwendungen für Beamte, wie die Besserstellung in der Krankenversicherung und die Pensionen.“ Deshalb gebe es einen großen „Abwerbeeffekt“. Um diesen abzumildern, hatten die Freien vorgeschlagen, dass Beamte auch zu ihnen abgeordnet werden können, wie es in anderen Bundesländern üblich ist. „Doch das wurde abgelehnt“, kritisiert Kost.

Aktuell gibt es in Sachsen 399 freie Schulen, an denen 5642 Lehrer unterrichten. Träger können Kirchen, Sozialwerke, Vereine, Gesellschaften oder Privatpersonen sein. Anders als kommunale Schulen sind freie Träger selbst für Personal und Schulkonzepte verantwortlich. Für ihre Arbeit erhalten diese Schulen vom Freistaat Zuschüsse. Zum Vergleich: An den 1371 staatlichen Schulen arbeiten 30 625 Lehrer. Zum Schuljahresbeginn konnten von 1100 ausgeschriebenen Stellen nur 870 besetzt werden, ein Drittel mit Seiteneinsteigern. Das Kultusministerium hält der Kritik entgegen: Im Zuge des Handlungsprogramms von 1,7 Milliarden Euro würden auch die Zahlungen an die freien Schulen erhöht. Laut des Haushaltsentwurfs ist bis zum Jahr 2020 eine Aufstockung um 70 Millionen Euro auf 422,7 Millionen Euro vorgesehen. „Der Grund für steigende Zuschüsse sind zum einen wachsende Schülerzahlen und zum anderen die Einkommensverbesserungen für Lehrer an öffentlichen Schulen“, erklärt Ministeriumssprecher Dirk Reelfs. Steigende Gehälter würden automatisch zu höheren Sätzen führen – „die freien Schulträger profitieren davon unmittelbar finanziell“. Freie Schulen müssen ihren Lehrkräften mindestens 80 Prozent des Bruttogehaltes im öffentlichen Dienst zahlen, was Einkommensunterschiede von bis zu 1000 Euro ausmachen kann.

Die Vertreter der freien Schulen sehen das anders. „70 Millionen Euro hören sich viel an, werden aber den Anstieg nicht decken“, sagt Manja Bürger. Ihr ist klar: „Wir können bei Lehrern nur durch andere Angebote und Freiräume punkten, die es an staatlichen Schulen nicht gibt.“

Von Andreas Debski

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