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News Freiwasserschwimmen extrem: 600 Kilometer Elbe in zehn Tagen

Im Alleingang Freiwasserschwimmen extrem: 600 Kilometer Elbe in zehn Tagen

Wenn am 12. Juli der letzte Schwimmer der Elbschwimmstaffel in Geesthacht durchs Ziel schwimmt, bereitet Joseph Heß sich auf sein großes Abenteuer vor. Der Chemnitzer will im August den deutschen Teil der Elbe im Alleingang bezwingen.

Joseph Heß bei einer Trainingseinheit in der Elbe bei Meißen.

Quelle: dpa

Bad Schandau/Chemnitz - . Während sich die bislang größte Freiwasser-Schwimmstaffel Deutschlands auf den 575 Kilometer langen Weg vom sächsischen Bad Schandau nach Geesthacht in Schleswig-Holstein macht, durchquert Joseph Heß noch schnell den Bodensee. Zum Aufwärmen. Denn der Chemnitzer will anschließend ebenfalls die Elbe entlang schwimmen - allerdings allein.

Im Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane machen Forscher mit der Idee, 250 Schwimmer bis zum 12. Juli jeweils Etappen von zwei Kilometern absolvieren zu lassen, auf den hohen Wert sauberer Flüsse aufmerksam. Joseph Heß hingegen will einfach nur schwimmen. Nachdem er im vergangenen Jahr die rund 20 Kilometer der Straße von Gibraltar in vier Stunden und 19 Minuten geschafft habe, wolle er es nun „richtig krachen lassen“, sagt er lachend. Das Freiwasserschwimmen, also Schwimmen in offenen Gewässern, habe er eigentlich erst vor zwei Jahren für sich entdeckt.

40 Kilometer durch den Bodensee

Weil der studierte Wirtschaftsingenieur zwischen Doktorarbeit und zwei Firmengründungen permanent das Handy am Ohr hatte, suchte er einen Ausgleich. Das passende Funkloch fand Heß unter Wasser. „Schwimmen ist ein sehr einsamer Sport, das lässt sich nicht leugnen“, sagt er. Stundenlang mit dem Kopf unter Wasser zu sein, bedeute endlose Stille. Bei Strecken jenseits von 60 Minuten höre er auf zu denken. „Dieses Durchbeißen, das fasziniert mich. Einmal der Typ sein, der durch den Bodensee oder allein die Elbe entlang geschwommen ist.“

Abhängig vom Wetter will er in einem Zeitfenster vom 9. bis 14. Juli ohne Pause eine Strecke von rund 40 Kilometern im größten deutschen See absolvieren und dabei alle drei Anrainerstaaten durchqueren. Größte Herausforderung hierbei sei nicht die Distanz, sondern der Sturz von zirka 22 auf 12 Grad Wassertemperatur am Rhein-Zufluss. Denn der Mitarbeiter der Juniorprofessur Entrepreneurship in Gründung und Nachfolge der TU Chemnitz schwimmt ohne Neoprenanzug.

Am 4. August Sprung in die Elbe

Nur mit Badeshorts, Kappe und Schwimmbrille wird er nach dieser „Generalprobe“ am 4. August bei Bad Schandau in die Elbe springen. Um in zehn Tagen sieben Bundesländer zu durchqueren und schließlich am 13. August an der Elbmündung anzukommen, muss Heß täglich zwischen 60 und 80 Kilometern schwimmen. „Für vier Kilometer brauche ich etwas über eine Stunde“, rechnet er vor.

Damit er dieses Abenteuer überhaupt antreten darf, musste er etliche Genehmigungen einholen und stand mit rund 15 Institutionen in Kontakt - unter anderem mit der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes und der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft. „Meistens haben die Leute bei meiner Frage erstmal die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen“, berichtet er. Dann hätten sie gedacht, er habe mit der Schwimmstaffel zu tun und seien völlig perplex gewesen, dass er den deutschen Teil der Elbe ganz allein bestreiten will - bei regem Schiffsverkehr mitten in der Hauptfahrrinne.

Hin und wieder sei er an der Organisation auch verzweifelt. So habe sein Vater, der ihn auf einem Beiboot begleiten wird, noch extra einen Funkschein machen müssen. Auch die Frage, ob er Brücken durchschwimmen dürfe oder nicht, sei noch offen.

600 Kilometer bis Hamburg

Neben seinem Vater unterstützen ihn eine Freundin auf einem Standup-Paddel sowie sein Geschäftspartner, ein erfahrener Kanut, auf den 600 Kilometern bis nach Hamburg. Zur Vorbereitung schwimmt er täglich zwischen vier und maximal zehn Kilometern, gepaart mit Joggingrunden und Krafteinheiten im Fitnessstudio. Ein bisschen verrückt sei er schon, gibt er zu. „Andere in meinem Alter heiraten und bekommen Kinder. Ich schwimme halt.“

Dabei geht dem Energiebündel bereits die nächste Geschäftsidee durch den Kopf, die er in der Elbe testen möchte: Eine neu entwickelte Vaseline, die verhindern soll, dass sich Freiwasserschwimmer beim stundenlangen Kraulen durch Salzwasser wund reiben.

Damit es zum Ende des Sommers nicht langweilig wird, hat sich Heß zudem mit anderen Schwimmern für die Straße von Bonifacio verabredet. Die rund 13 Kilometer an der schmalsten Stelle zwischen Korsika und Sardinien als „Cool Down“ zum Saisonabschluss.

Von Claudia Drescher, dpa

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