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Mitteldeutschland Friedfertig und tolerant – Sonderausstellung in Zeitz ehrt Bischof
Region Mitteldeutschland Friedfertig und tolerant – Sonderausstellung in Zeitz ehrt Bischof
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21:30 06.06.2017
Die Wachsfigur Julius Pflug sitzt an einem Tisch im Schloss Moritzburg in Zeitz. Quelle: dpa
Zeitz

„Der Bischof hat in seinem Arbeitszimmer Platz genommen, es sieht tatsächlich so aus, als wollte er gleich mit uns reden“, sagt Dietmar Bornemann. Gemeinsam mit seiner Frau Waltraud gehörte der Leipziger am Pfingstmontag zu den ersten Besuchern der sehenswerten Sonderausstellung über Bischof Julius Pflug (1499 bis 1564) im sachsen-anhaltischen Zeitz (Burgenlandkreis). Die Bornemanns sind sich einig: Der Mann mit dem langen Bart, den die Berliner Figurenmacherin Lisa Büscher geschaffen und in das Gelehrtenzimmer gesetzt hat, ist ein Hingucker.

Er wirke beeindruckend lebensecht, so Bornemann. Einzigartig ist Pflugs Privatbibliothek, die zu den wertvollsten des Reformationszeitalters ge- hört. Besucher haben bei einem Rundgang durch die Stiftsbibliothek die Möglichkeit, erlesene Schätze des Nachlasses des Bischofs aus der Nähe zu bestaunen. Im Westflügel des Zeitzer Schlosses werden Herkunft, Ausbildung und Karriere Pflugs anschaulich wiedergegeben.

Mit dem in Zeitz residierenden letzten Bischof von Naumburg würdigen die Vereinigten Domstifter und die Stadt Zeitz eine herausragende katholische Persönlichkeit, die sich im 16. Jahrhundert ausgehend vom Prinzip der Toleranz und des gegenseitigen Respekts für die Einheit der Kirche eingesetzt hat. Pflug war ab 1541 katholischer Bischof von Naumburg; der letzte in dieser Funktion. Freunde und Gegner achteten Pflugs sprichwörtlich friedfertiges Wesen und die scharfsichtige Intelligenz. Der aus einer bedeutenden sächsischen Adelsfamilie stammende katholische Humanist verschaffte sich durch sein Prinzip der Toleranz großen Respekt nicht nur beim katholischen Kaiser Karl V. und den Kurfürsten, sondern auch bei Martin Luther und seinen Anhängern.

Dank seines vermittelnden und stets an der christlichen Einheit orientierten Wirkens gilt Pflug als einer der wichtigsten Vordenker der Ökumene. Europaweite Bedeutung erhielt der Sachse durch den 1541/42 entbrannten Streit um das Bischofsamt im Bistum Naumburg. Als seinen Gegenkandidaten weihte Martin Luther in Zeitz Nikolaus von Amsdorf zum ersten evangelischen Bischof der Welt, was wesentlich zum Schmalkaldischen Krieg führte, und Zeitz in den Mittelpunkt europäischer Ge- schichte rückte.

Mit den Räumen im Museum Schloss Moritzburg Zeitz, dem daran anschließenden Dom St. Peter und Paul (mit der Grabstätte des Bischofs) sowie der Stiftsbibliothek im Torhaus und der Kirche St. Michael erwartet den Besucher eine Ausstellungsfläche von rund 2400 Quadratmetern. Die Ausstellung ist bis zum 1. November montags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

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