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Mitteldeutschland Gebhardt einziger Bewerber in Linkspartei
Region Mitteldeutschland Gebhardt einziger Bewerber in Linkspartei
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18:00 07.10.2018
Linke-Fraktionschef Rico Gebhardt (55) bewirbt sich als Einziger um die Spitzenkandidatur zur sächsischen Landtagswahl 2019. Die Parteiführung hatte sich ein offenes Rennen mehrerer Interessenten gewünscht. Quelle: Foto: dpa
Dresden

Irgendwie hat er es geahnt. „Ich kenne meine Partei“, sagt Rico Gebhardt und lächelt. Es ist ein Lächeln, das mehr sagt als es viele Worte könnten. Der sächsische Linke-Fraktionschef redet über eine ausbaufähige Kultur des Wettbewerbs und meint mit dem nächsten Atemzug, dass sein Angebot zu kandidieren, „offensichtlich besser war als das von Ministerpräsident Kretschmer in der CDU mit Herrn Mackenroth“. Aussagen – und Spitzen – wie diese sind typisch für Gebhardt, der seit sechs Jahren die Linksfraktion führt. Vielleicht ist dies der Grund, weshalb der 55-Jährige der einzige Bewerber um die Spitzenkandidatur für die nächste Landtagswahl in seiner Partei geblieben ist. Der gebürtige Erzgebirger ist in seine Rolle hineingewachsen, wie man so sagt. Im Jahr 2009 hatte er gegen André Hahn noch eine deutliche Niederlage bei der Wahl zum Fraktionsvorsitz einstecken müssen. Doch die Zeiten haben sich geändert, auch wenn Gebhardt parteiintern nicht als unumstritten gilt.

In den vergangenen Wochen hatte es einige Spekulationen über Herausforderer gegeben – doch letztlich wagte sich in einem fünfwöchigen Aufstellungsverfahren niemand aus der Deckung. „Offensichtlich habe ich in den Jahren nachgewiesen, dass ich diese Position ausfüllen kann“, meint der Fraktionschef nach Abschluss der Bewerbungsrunde, „es besteht wohl der Wunsch nach Kontinuität.“ Auch deshalb ist es nicht überraschend, dass alle gehandelten Kandidaten nach und nach abgewunken haben. Bei der Wahl zum neuen Landesvorsitz, den Gebhardt nach acht Jahren im November 2017 abgegeben hatte, war erst kurz vor dem Parteitag mit dem Dresdner André Schollbach ein zweiter Bewerber ins Rennen gegangen. Letztlich setzte sich aber die von Gebhardt vorgeschlagene Antje Feiks durch. Nun wird es also eine Ein-Personen-Wahl geben.

Am heutigen Montag soll der 55-Jährige von der Wahlkommission der Linken offiziell nominiert werden und seine Bewerbung begründen. Danach folgt erstmals eine Urabstimmung, an der sich die rund 8200 sächsischen Genossen beteiligen können. Vom späteren Liebknecht-Kreis um den Leipziger Volker Külow war ein solches Verfahren bereits vor der Landtagswahl 2014 gefordert worden. Dass nun ausgerechnet aus diesem Umfeld kein Kandidat hervortritt, mutet paradox an. Ebenso hielt sich der Dresdner Kreis zurück.

Damit wird sich der potenzielle Spitzenkandidat bis Ende November auf 13 Regionalkonferenzen, von denen zwei bereits stattgefunden haben, allein präsentieren und den Fragen der Mitglieder stellen, die parallel auch über die Schwerpunktthemen für die Landtagswahl unter dem Motto „Basis ist Boss“ abstimmen sollen. Dass der Mitgliederentscheid selbst bei nur einem Interessenten stattfindet, sei frühzeitig klar gewesen, erklärt Landesgeschäftsführer Thomas Dudzak: „Auch wenn es nur einen Bewerber gibt, ist es ein höchst demokratisches Verfahren.“ Das Votum, bei dem Gebhardt lediglich mehr Ja- als Nein-Stimmen benötigt, ist dann bindend für den Linken-Parteitag im Dezember. Als Gebhardt im Jahr 2014 – damals als Partei- und Fraktionsvorsitzender – aufgestellt wurde, hatten die Delegierten ihren Spitzenkandidaten mit dem eher mageren Ergebnis von 64 Prozent ausgestattet.

Der Plan war jetzt ein anderer gewesen. Die seit knapp einem Jahr amtierende Landesvorsitzende Antje Feiks hatte klar zu verstehen gegeben, dass auch die neue Führung einen Wettbewerb möchte. „Es wäre wünschenswert, wenn es mehrere Kandidaten gibt“, forderte sie im Sommer ein klares Bekenntnis. Für sich selbst hatte die 39-Jährige die Spitzenkandidatur – die als Parteichefin qua Amt natürlich gewesen wäre – bereits frühzeitig ausgeschlossen. Denn Antje Feiks hat im August einen Sohn bekommen, will sich auf Familie und Partei konzentrieren, sich nicht die Belastung eines Wahlkampfs an der Spitze antun. Allerdings wird sie mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einem vierköpfigen Spitzenteam gehören, dass gemeinsam mit Gebhardt die ersten fünf Plätze der Linken-Landesliste belegen soll. Aus paritätischen Gründen wird dieses Quartett hinter der Nummer Eins aus drei Frauen und einem Mann bestehen.

Gebhardt spricht bereits von einer entscheiden Wahl, die im nächsten Jahr am 1. September ansteht – es gehe darum, in welche Richtung sich Sachsen entwickelt. Nach einem Tief haben sich die Linken zumindest in den Umfragen erholt und liegen stabil bei knapp unter 20 Prozent. Allerdings musste die Partei, die über lange Zeit die zweitstärkste politische Kraft hinter der CDU in Sachsen gewesen ist, inzwischen die AfD vorbeiziehen lassen. Aktuell sind die Linken mit 27 Abgeordneten im Landtag vertreten, Gebhardt ist damit der Oppositionsführer. Eine ähnliche Größenordnung soll auch bei der Wahl in knapp einem Jahr erreicht werden. Dass den sächsischen Genossen dabei möglicherweise Sahra Wagenknecht mit ihrer „Aufstehen“-Bewegung einen Strich durch die Rechnung macht, glaubt Gebhardt nicht: „Ich halte ein Antreten von ‚Aufstehen‘ in Sachsen für ausgeschlossen.“

Von Andreas Debski

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