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Mitteldeutschland Gewalt in Dresdner Flüchtlingserstaufnahme wegen Fastenmonat Ramadan
Region Mitteldeutschland Gewalt in Dresdner Flüchtlingserstaufnahme wegen Fastenmonat Ramadan
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13:55 28.05.2018
In dieser Erstaufnahmeeinrichtung auf der Hamburger Straße sind Polizisten angegriffen worden. Quelle: dpa
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Dresden - 

Die Dresdner Polizei sieht einen Zusammenhang zwischen einer Zunahme von Gewalt in der Dresdner Erstaufnahme- Einrichtung und dem Fastenmonat Ramadan. „Zu den genauen Hintergründen können noch keine abschließenden Aussagen getroffen werden. Allerdings scheint insbesondere die Situation um den Ramadan maßgeblich für die Häufung zu sein“, sagte Polizeipräsident Horst Kretzschmar am Montag in Dresden.

Ramadan gilt als psychisch belastend

In diesem Jahr habe die Polizei dort bereits 31 Einsätze wegen Gewaltdelikten absolvieren müssen, elf davon im Mai. Der Ramadan gilt wegen des am Tage geforderten Verzichts auf Essen und Trinken als physisch oft sehr belastend.

Zumindest der jüngste Gewaltausbruch vom vergangenen Freitag hängt mit dem Fastenmonat zusammen. Wie die Polizeidirektion Dresden am Montag mitteilte, hatten am späten Abend zwei Männer aus Georgien das Versorgungszelt betreten und einen Jungen aus Syrien (14) aufgefordert, ihnen Essen zu bringen. „Da um diese Uhrzeit die Speisen allein denen vorbehalten sind, die den Ramadan begehen, verweigerte sich der Junge. Daraufhin spuckten die Georgier in sein Essen und wurden ihm gegenüber handgreiflich“, hieß es.

Polizist mit Eisenstange attackiert

Der Wachdienst habe daraufhin eine Gruppe von zehn Polizisten über die Auseinandersetzung informiert. „Die Beamten befanden sich zu diesem Zeitpunkt zufällig im Objekt, da sie eine richterliche Durchsuchung im Zusammenhang mit einem Diebstahl vollzogen“, teilte die Polizei weiter mit. Daraufhin seien weitere 52 Kräfte zum Einsatz gekommen. Auf dem Hof der Einrichtung habe dann eine Gruppe von bis zu 50 Bewohnern mit dem Duo aus Georgien sympathisiert. In der Folge seien die Polizisten beleidigt und mit Zigarettenkippen beworfen worden. „Dabei wurden die Beamten getreten und mit einer Eisenstange attackiert. Zwei Polizisten erlitten leichte Verletzungen.“

Haftbefehl und Abschiebung

Die Sicherheitskräfte nahmen vier Georgier im Alter zwischen 17 und 42 vorläufig fest. Der älteste Tatverdächtige kam aufgrund eines bestehenden Haftbefehls in die Justizvollzugsanstalt Dresden und soll nun abgeschoben werden. Die drei anderen mutmaßlichen Täter wurden in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft wieder entlassen.

Kritik an Lebensbedingungen

Unterdessen wurde Kritik an den Lebensbedingungen in der Dresdner Erstaufnahmeeinrichtung laut. Die Menschen seien gedrängt untergebracht und hätten keine Privatsphäre, sagte der Sprecher des Sächsischen Flüchtlingsrates, Mark Gärtner, am Montag auf Anfrage. Familien müssten in einem Zimmer wohnen, Räume und Duschen seien nicht abschließbar und manche Toiletten nur über den Hof zu erreichen.

Von LVZ

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