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Mitteldeutschland Grausiger Fund im Südharz: Zwei tote Säuglinge in Kühltruhe entdeckt
Region Mitteldeutschland Grausiger Fund im Südharz: Zwei tote Säuglinge in Kühltruhe entdeckt
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17:14 03.01.2018
Ein Polizist steht vor dem Haus in Benndorf, wo zwei tote Säuglinge gefunden wurden. Die 46 Jahre alte Mutter wurde vorläufig festgenommen.   Quelle: dpa
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Benndorf

 Scharfe Böen pfeifen durch Benndorf, eine 2200-Seelen-Gemeinde im Kreis Mansfeld-Südharz. Der Wind treibt eisige Schauer durch die einstige Bergarbeitersiedlung und lässt frösteln. Vor einem dreigeschossigen Mehrfamilienhaus in der Knappenstraße stehen Kamerateams und Fotografen, warten, ob etwas passiert. Doch es bleibt still. Denn das Unfassbare ist längst geschehen. Im Hausflur ist eine mit Schäfchen und Blümchen geschmückte Wohnungstür seit gestern mit Sachsen-Anhalts Polizeiwappen versiegelt. Stumme Zeugnisse einer grausigen Tragödie.

Am Dienstagabend hat die Polizei in dieser Mietwohnung zwei tote Säuglinge entdeckt. Der ehemalige Lebensgefährte der Mutter hatte die Beamten über den grausigen Fund informiert. Laut MDR Sachsen-Anhalt hat der 46-Jährige dem Sender gesagt, er habe eines der toten Kinder schon im April in der Tiefkühltruhe entdeckt. Jedoch sei er erst nach einem Streit am Dienstag an die Polizei herangetreten. Die Behördensprecherin wollte das nicht kommentieren.

Als die Polizei vor Ort eintraf, fanden sie das zweite Kind. „Die Säuglinge lagen schon länger in der Wohnung“, bestätigte ein Sprecher der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt gestern. Nach Informationen der Bildzeitung sollen beide Kinderleichen in einer Kühltruhe gelegen haben. Das wollte die Polizei gestern „weder bestätigen noch dementieren“, wie ein Sprecher es ausdrückte.

Die Mutter Steffi S. soll Medienberichten zufolge als Altenpflegehelferin gearbeitet haben und an einer Immunschwäche leiden. Mehr als 20 Jahre lebte sie mit ihrem Freund zusammen. Seit einem Jahr war sie krankgeschrieben, in diesem Jahr wollte laut Bild eine Dialyse beginnen. Die Mutter soll allein mit einer 15-jährigen Tochter in der Wohnung leben. Sie habe noch einen älteren Sohn (20). Die Tatverdächtige wurde gestern vernommen. Die Staatsanwaltschaft stellte zunächst keinen Haftantrag, sagte ein Sprecher der Polizei in Halle am Nachmittag. Es gebe es noch keine Hinweise auf einen konkreten Straftatbestand. Zum Inhalt ihrer Aussage wollte sich der Polizeisprecher nicht äußern. Woran die beiden Kinder gestorben sind und ob sie nach der Geburt noch gelebt haben, ist bislang unklar. Die Ermittler schließen ein Verbrechen nicht aus. Die Babys werden nun in der Gerichtsmedizin untersucht.

Mario Zanirato (71) kann es noch gar nicht fassen: „Ich habe im Morgenradio davon erfahren – eine furchtbare Nachricht“, sagt der parteilose Bürgermeister von Benndorf. „Wir sind schockiert und ziemlich sprachlos“, gibt der 71-Jährige zu. Er kenne die Frau, wolle sich aber zu den Familienverhältnissen nicht äußern. Das Haus, in dem der Ex-Mann der Mutter die Babyleichen gefunden hatte, gehört zur kommunalen Benndorfer Wohnungsverwaltung. „Eine ehemalige Bergarbeitersiedlung, die aufwendig saniert wurde“, wirbt der Gemeindechef. Seit dem Ende des Mansfelder Kupferschieferbergbaus in den 1960er-Jahren verlor das Arbeiterdorf fast 3000 Einwohner. Heute leben hier überwiegend ältere Leute. Zanirato führt dutzende Unternehmen, Geschäfte und rege Vereine ins Feld. „Unser Ort lebt und ist schön“, sagt er. „Um so schockierter bin ich, dass so ein Unglück mitten unter uns passieren konnte.“ Zwar müssten noch die Obduktionsergebnisse abgewartet werden. „Gerüchte sind im Dorf ohnehin zu viele im Umlauf“, so der Bürgermeister. „Aber allein schon die pietätlose Aufbewahrung der kleinen Körper ist schändlich und sträflich genug.“ Zanirato, seit 17 Jahren Gemeindeoberhaupt, gehört zu einer bekannten Fußballer-Famlie; Bruder Gianfranco und Neffe Mario Zanirato spielten einst bei Leipziger und Böhlener Vereinen. Er selbst engagierte sich fünf Jahrzehnte lang für den Eislebener Fußball. Doch das ist lange her, die Nachricht von den zwei Babyleichen jetzt in aller Munde. „Wirklich traurig, dass wir auf diese Art für Schlagzeilen sorgen“, sagt er. „Ich mag mir gar nicht vorstellen, was in dieser Frau vorgegangen sein muss.“

„Sie war überaus freundlich und lebensfroh“, versichert auch Thomas Luft, der gleich um die Ecke des Unglücksortes das Eiscafé „I like Benndorf“ betreibt. „Steffi war immer zuvorkommend. Ich bin fix und fertig, kann es noch gar nicht glauben.“ Es gebe kein anderes Gesprächsthema im Ort, sagt der 31-Jährige Cafébetreiber. Und hofft, „dass dieser Albtraum bald verfliegt ...“

Von Winfried Mahr

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