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Mitteldeutschland Vor der nächsten Grippesaison: Vierfachschutz nicht für alle Sachsen kostenlos
Region Mitteldeutschland Vor der nächsten Grippesaison: Vierfachschutz nicht für alle Sachsen kostenlos
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16:19 10.10.2018
Grippeschutzimpfung 2018: Der Vierfachschutz ist für die neue Saison nicht für alle kostenlos. Quelle: Foto: Ralf Hirschberger/dpa
Leipzig/Dresden

Trotz der schweren Grippewelle im vergangenen Winter lassen sich zu wenige Menschen gegen Influenza impfen. Vor allem Risikogruppen wie Senioren oder medizinisches Personal unterschätzen den Nutzen der Schutzimpfung – lediglich 40 Prozent lassen sich impfen, wie aus einer Umfrage der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hervorgeht. Viele glaubten, Grippe sei keine besonders schwere Krankheit.

Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch (CDU) warnt: „Eine Erkrankung mit Influenza kann jeden treffen und ist mit einer alltäglichen Erkältung überhaupt nicht zu vergleichen.“ Noch nie seien so viele Influenza-Fälle registriert worden wie in der vergangenen Saison. „Ich rate jedem dazu, sich rechtzeitig impfen zu lassen“, betont die Ministerin.

Insgesamt sind in der vergangenen Saison in Sachsen laut Ministerium 47 765 Influenza-Erkrankungen gemeldet worden. Dreimal mehr als in der Vorsaison. Die Dunkelziffer ist vermutlich deutlich höher, da nicht jeder Erkrankte den Arzt aufsucht und nicht jeder Mediziner bei allen Patienten eine Laboruntersuchung veranlasst. Ein Säugling sowie 175 Erwachsene im Alter zwischen 37 und 97 Jahren starben in Sachsen an der Grippe.

Grippeimpfung in Sachsen

Von bundesweit rund 335 000 Infizierten erlagen 1674 der Erkrankung. 60 000 Menschen mussten stationär behandelt werden. In einigen Einrichtungen kam es sogar zu Notständen. Nicht alle Patienten konnten versorgt werden – auch weil medizinisches Personal selbst erkrankt war.

In den vergangenen Jahren ist die Impfbereitschaft unter den Sachsen kontinuierlich zurückgegangen von 35,6 Prozent in der Saison 2009/2010 auf 26,5 Prozent in der vergangenen. Aus Sicht von Professor Siegwart Bigl, Mitglied der Sächsischen Impfkommission (Siko), hat das viele Gründe.

Im vergangenen Jahr spielte seiner Meinung nach auch eine Rolle, dass die Krankenkassen nur die Kosten für den Dreifachimpfstoff übernommen hatten, nicht aber die für den wirkungsvolleren Vierfachimpfstoff. Das hätte für Verunsicherung in der Bevölkerung gesorgt.

Er begrüße es deshalb, so der Mediziner, dass sich die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert-Koch-Institut nunmehr für den Vierfachimpfstoff ausgesprochen hat und dass dieser Empfehlung auch der Gemeinsame Bundesausschuss gefolgt ist. „Allerdings wäre es hilfreicher gewesen, wenn die Stiko die Impfung nicht nur für sogenannte Risikogruppen empfiehlt, also für Menschen über 60 Jahren, Schwangere, Personen mit chronischen Grunderkrankungen und Personal in Kranken- und Betreuungseinrichtungen.“

Bundesland Sachsen plädiert für Vierfachschutz

 Die Sachsen, die sich als einziges Bundesland eine eigene Impfkommission leisten, plädierten seit Jahren für eine Impfung mit dem Vierfachpräparat und das nicht nur für Risikogruppen, so Bigl, sondern für alle. Aus seiner Sicht ist es nicht nachzuvollziehen, warum man jene ausschließt, die es im vergangenen Winter auch stark erwischt hatte, also die Gruppe der 35- bis 59-Jährigen.

Im Klepsch-Ministerium stimmt man dem zum Teil zu. Die in der vergangenen Saison „unklare Situation und Diskussion um die Empfehlung sowie Kostenübernahme des Vierfach-Impfstoffs“ hätten keine positive Auswirkung auf die Impffreudig­keit der Ärzteschaft sowie der Patienten gehabt. Im verabreichten trivalenten Impfstoff fehlte der grassierende Influenza-B-Stamm.

„Trotzdem erkrankten aber vor allem die Ungeimpften“, so ein Ministeriumssprecher. Eine Impfung wäre dennoch ratsam gewesen, „zumal selbst der nicht ideal passende Impfstoff durch Kreuzim­munität für einen gewissen Schutz“ gesorgt hätte.

Krankenkassen für Grippeschutz unter 60

 Er hoffe, dass mit der Empfehlung des Robert-Koch-Instituts für das Vierfach-Präparat „die für die Bevölkerung nicht nachvollziehbare Diskussion über die Art des Impfstoffes beendet ist“, sagt Professor Bernhard Ruf, Chefarzt der Klinik für Infektiologie, Tropenmedizin und Nephrologie am Leipziger St. Georg Klinikum. Der Mediziner empfiehlt die jährliche Impfung ohne Altersbegrenzung.

Bei einigen Krankenkassen sieht man das genauso. „Auch eine Impfung von gesunden Personen unter 60 Jahren ist sinnvoll“, heißt es bei der IKK Classic. Deshalb übernehme man die Kosten der Vierfach-Grippeschutzimpfung auch für alle Versicherten unter 60. Auch die AOK Plus übernimmt die Kosten für alle Versicherten, die sich impfen lassen.

Gleiches gilt für die Techniker Krankenkasse und die KKH. Die Barmer zahlt für Kinder zwischen sieben Monaten und sieben Jahren sowie für alle Erwachsenen über 50. Das gilt auch für die Knappschaft. Die DAK Gesundheit zahlt für alle ab dem 50. Lebensjahr.

Von Andreas Dunte

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