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Mitteldeutschland Gute Noten für Kitas und Schulen in Sachsen - aber auch weiterhin Probleme
Region Mitteldeutschland Gute Noten für Kitas und Schulen in Sachsen - aber auch weiterhin Probleme
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20:41 23.01.2019
Sachsen hat gute Noten für sein Bildungssystem erhalten. Quelle: dpa
Dresden

Im Vergleich zu anderen Bundesländern steht Sachsen im Bildungssystem gut da – jedoch attestiert eine neue Studie in einigen Bereichen auch Nachholebedarf. Hier die zentralen Befunde des dritten Bildungsberichts, der erstmals von externen Forschern erstellt wurde.

Hohes Bildungsniveau: Sachsen weist bundesweit die besten Werte bei Bildungskompetenzen auf – und zwar von der Hauptschule, wo nur vier Prozent der Schüler die Mindeststandards in Deutsch und Mathematik nicht erfüllen, über die Mittlere Reife bis zum Gymnasium. „Es gelingt in Sachsen am besten, die Qualitätsstandards durchzusetzen“, analysiert Professor Kai Maaz, der Studienleiter vom Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, „eine solch positive Entwicklung wünscht sich jedes Bundesland.“

Weniger Abiturienten in Sachsen

Positiver Sonderweg: Daneben sind bei den Bildungskompetenzen zwei Dinge auffällig. Erstens: Während im bundesweiten Vergleich der Trend zu Gymnasium und Abitur zunimmt, sinken die Zahlen im Freistaat. Maaz sieht darin das positive Resultat des „sächsischen Sonderwegs“, bei dem stärker als anderswo großer Wert auf die Oberschule und eine Berufsausbildung gelegt werde. Immerhin können statistisch sogar drei von vier Hauptschulabgängern eine Ausbildung aufnehmen – das ist ebenfalls ein Spitzenwert. Allerdings schlägt, und das ist die zweite Auffälligkeit, die hohe Zahl an Schulabgängern ohne Abschluss (acht Prozent) negativ zu Buche. Diesen Wert entscheidend zu verbessern, sieht Kultusminister Christian Piwarz (CDU) als eine wesentliche Hausaufgabe.

Geringe Unterschiede: Die Herkunft und der soziale Status entscheiden in Sachsen weit weniger über schulische Leistungen und Aufstiegschancen als in anderen Bundesländern. Der neue Bericht hält ebenfalls positiv fest, dass die Schere zwischen leistungsstarken und -schwächeren Schülern in Sachsen nicht größer geworden ist – im Gegensatz zum Bundestrend. Im Sekundarbereich I (Haupt- und Realschule sowie Gymnasium bis Klasse 10) sind die Leistungsunterschiede sogar zurückgegangen. Außerdem stehen einer überdurchschnittlich großen Gruppe starker eher wenige schwächere Schüler gegenüber. Positiv wird auch der Ausbau der Inklusion und sonderpädagogischen Förderung gewertet, deren Abdeckung gleichfalls über Bundesniveau liegt.

In Großstädten hat jeder vierte Schüler Migrationshintergrund

Niedriger Migrantenanteil: Der Bildungsbericht stellt darüber hinaus fest, „dass sich an den Schulen im Freistaat seltener Problemlagen ballen, wozu unter anderem zählt, dass Schüler einen niedrigen Sozialstatus, einen Zuwanderungshintergrund oder geringe Kompetenzen haben“. Außerdem wird darauf verwiesen, dass in Sachsen der Anteil von ausländischen Kindern und Jugendlichen in den Kitas und Schulen zwar steigt – aber weiterhin sehr weit unter dem bundesweiten Durchschnitt rangiert. So ist der Migrationsanteil in sächsischen Kitas bei Drei- bis Sechsjährigen seit 2012 von sieben auf neun Prozent gestiegen, in ganz Deutschland von 29 auf 30 Prozent. Der Migrantenanteil in Schulen beträgt momentan 8,9 Prozent, ist also etwa doppelt so hoch wie die gesamte Ausländerquote. In den drei Großstädten Leipzig, Dresden und Chemnitz hat jeder vierte Schüler einen Migrationshintergrund –  auch das ist unterdurchschnittlich.

Zunehmendes Stadt-Land-Gefälle: Als negativ sieht die Studie den sich vergrößernden Abstand zwischen Stadt und Land an. „Regional entwickelt sich das Bildungswesen in Sachsen sehr unterschiedlich“, heißt es in der Studie. Das spiegelt sich zum einen in den ent- sprechenden Angeboten wider, zum anderen aber auch in der Wahl der Schulart und den Ergebnissen. Dresden und Leipzig stechen dabei positiv heraus, während in Chemnitz bereits einige Probleme bestehen – Kinder und Jugendliche in dünner besiedelten Landstrichen haben es dagegen deutlich schwerer.

Dringende Hausaufgaben: Es brauche viel mehr „passgenaue Bildungsangebote“, erklärte Studienleiter Maaz und gab dem Freistaat auf: „Will man weitere Schrumpfungs- beziehungsweise Ab- wanderungstendenzen vermeiden, ist einer zunehmenden Ausdünnung der Bildungsinfrastruktur im ländlichen Raum entgegenzuwirken.“ Das sah auch Kultusminister Christian Piwarz (CDU) so: „Wir müssen an einer Annäherung arbeiten.“ Dazu gehörten unter anderem klare Perspektiven für kleinere Schulen auf dem Land, wie sie im Schulgesetz von 2017 festgeschrieben seien.

Weiterhin Personalnot in Kitas und Schulen

Enormer Personalbedarf: Steigende Kinderzahlen und eine bundesweit zunehmende Bildungsnachfrage bringen Sachsen in die Bredouille. Die Engpässe „fallen in Sachsen besonders ins Gewicht“, stellt die Studie fest, „es gibt einen hohen Personalbedarf in allen Bereichen.“ Hinzu kommt: Aufgrund der vergleichsweise alten Lehrerschaft bestehe „ein großer Ersatzbedarf“ in den nächsten Jahren. Das Problem drückt sich zum einen in sehr hohen Zahlen von Seiteneinsteigern aus: Während es in Deutschland durchschnittlich acht Prozent sind, lag die Quote im Freistaat bei 35 Prozent (Vergleichsjahr: 2016). Zum anderen verfügt nur noch jeder fünfte unter 40-jährige Lehrer über eine Lehramtsprüfung. Hier müsse der Freistaat aufpassen, um nicht abzurutschen, warnt Maaz.

Fehlende Erzieher: Außerdem ist der Personalschlüssel in sächsischen Kindertagesstätten weit über den bundesweiten Zahlen: Bei unter Dreijährigen kommt ein Betreuer in Sachsen auf sechs Kinder, bei über Dreijährigen sind es 13 – der deutsche Durchschnitt liegt bei 1:4 beziehungsweise 1:9. Die CDU/SPD-Koalition hat in dieser Beziehung schon leichte Verbesserungen vorgenommen. Studienleiter Maaz stellte klar: „Sachsen hat eine sehr hohe Abdeckungsquote, hier gehen mehr Kinder als in den alten Bundesländern in eine Kita.“ Dennoch bleibe der Personalbedarf in den nächsten Jahr auch in der frühkindlichen Bildung sehr hoch.

Von Andreas Debski

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