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Mitteldeutschland Gute Noten für Sachsens Regierungschef Kretschmer
Region Mitteldeutschland Gute Noten für Sachsens Regierungschef Kretschmer
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22:00 10.09.2018
Michael Kretschmer (CDU) Quelle: dpa
Leipzig

Michael Kretschmer betrat vor fast genau einem Dreivierteljahr, am 13. Dezember 2017, nach einem Wahlschock für die CDU die große politische Arena und sucht seitdem offensiv das Gespräch mit den Bürgern, auch dort, wo die Luft brennt. In dem Teil der LVZ-Umfrage, der sich mit den sächsischen Spitzenpolitikern beschäftigt, wollten wir nicht nur wissen, wer als Favorit für den Posten des Regierungschefs nach der nächsten Landtagswahl 2019 gilt, sondern auch, wie Michael Kretschmer aktuell von den Wählern bewertet wird.

Stanislaw Tillich, der seit 2009 als Ministerpräsident den Freistaat regierte, warf am 18. Oktober 2017 das Handtuch, nachdem die AfD bei der Bundestagswahl mit 27 Prozent in Sachsen die CDU (26,9 Prozent) auf Platz zwei verwies. Auch Kretschmer, bis 2017 Generalsekretär der sächsischen Union, verlor sein Bundestagsdirektmandat in Görlitz an Tino Chrupalla von der AfD.

Hat Kretschmer, der eine neue Gesprächskultur etablierte und auch während der turbulenten Tage in Chemnitz mehrfach vor Ort für ein friedliches Miteinander, Gewaltlosigkeit und Respekt warb, den Neustart geschafft? Das Zeugnis für ihn fällt gut aus, auch wenn sicherlich noch Luft nach oben ist. Für ein Viertel der Sachsen macht er den Job besser als sein Amtsvorgänger. Der Meinung sind überdurchschnittlich viele Anhänger der CDU (30 Prozent) und der Grünen (38 Prozent), ein Viertel der Wähler von Linken und SPD und ein Fünftel der Anhänger von AfD (20 Prozent) und FDP (19 Prozent).

Fast jeder Zweite – quer durch alle Parteien – findet, der forsche, bei vielen Veranstaltungen und Foren präsente 43-Jährige und der moderate, diplomatische Tillich nehmen sich nichts, sind gleich gut als Regierungschefs. Nur elf Prozent geben im Vergleich Tillich mehr Punkte, darunter nur ganz wenige CDU-Wähler (4 Prozent), dafür mehr Anhänger von Linken 14 Prozent) und Sozialdemokraten (11 Prozent).

Auf die Bitte, die Arbeit von Kretschmer mit Noten von 1 bis 6 zu bewerten, erteilt mehr als jeder Vierte (28 Prozent) dem Regierungschef gute bis sehr gute Noten, darunter mehr Ältere (35 Prozent der über 50-Jährigen) als Jüngere (21 Prozent der 18- bis 29-Jährigen) und vor allem Anhänger von CDU (52 Prozent), FDP (33 Prozent) und SPD (29 Prozent), aber auch 21 Prozent der Wähler der Linken, 17 Prozent der Grünen und 16 Prozent der AfD. Männer geben ihm zu 29 Prozent Top-Noten, Frauen zu 27 Prozent.

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Mehr als die Hälfte der Befragten (53 Prozent) sieht Kretschmer im vorderen Mittelfeld, ist mittelprächtig zufrieden mit seiner Arbeit und gibt ihm die Noten 3 und 4. Darunter sind 56 Prozent der Frauen und 51 Prozent der Männer, 70 Prozent der Wähler der Grünen und rund 60 Prozent der Anhänger FDP, SPD, Linken und AfD. Regelrecht durchgefallen ist er nur bei sieben Prozent, vor allem bei Wählern von AfD und Linken, die ihm eine 5 oder 6 geben. Elf Prozent sagen: Weiß nicht. Sie wollen oder können ihm keine Noten geben.

Der Leipziger Soziologieprofessor Holger Lengfeld sieht Kretschmer ein wenig in der Rolle von Franz Josef Strauß: „Michael Kretschmer wurde Ministerpräsident zu einem für die Sachsen-CDU schwierigen Zeitpunkt, nach der Pleite bei der Bundestagswahl. Er hat die Herausforderung angenommen und versucht, neben der bürgerlichen Mitte auch die Wutbürger zu erreichen, nach dem Motto von Franz Josef Strauß: ,Rechts von CDU/CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben.’“ Das trage Kretschmer – wie weiland auch Strauß dann heftig Schelte von Liberalen und Linken ein. Dass er sich noch mehr Amtsbonus erarbeiten könne, sei möglich, aber vollkommen offen, so der Experte.

Anita Kecke

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