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Mitteldeutschland Harte Arbeit, kaum Geld – Sachsens Medizinstudenten machen mobil
Region Mitteldeutschland Harte Arbeit, kaum Geld – Sachsens Medizinstudenten machen mobil
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10:29 15.01.2019
Im Präpariersaal der Medizinischen Fakultät an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg erklärt die Direktorin für Anatomie und Zellbiologie, Professor Heike Kielstein, Medizinstudenten das Freilegen von Gelenken und Muskeln an einer Leiche. Quelle: ZB
Leipzig

Sachsens Medizinstudenten gehen auf die Barrikade: Insbesondere die ungleiche Vergütung während des Praktikums an Universitätskliniken, Lehrkrankenhäusern oder in Lehrpraxen stößt auf Kritik. „Wir fordern faire Bedingungen im Praktischen Jahr des Medizinstudiums!“, heißt es in einer Petition, die seit Anfang Dezember von knapp 42.000 Unterstützern unterzeichnet wurde.

Morgen wird es deshalb bundesweite Proteste geben. Auch der Studentische Rat Medizin (SturaMed) Leipzig kündigt spontane Aktionen an. In Dresden wollen Studenten vor dem Sächsischen Landtag protestieren. Das Praktische Jahr (PJ) nach dem 10. Semester des Studiums als Schnittstelle zwischen theoretischem Studium und praktischer ärztlicher Tätigkeit befände sich in der Krise, kritisieren die Studenten. „Fehlende oder ungenügende Bezahlung bei 40 Stunden Arbeit pro Woche sind die Regel.“ 60 Prozent der Studierenden müssten deshalb nebenbei noch arbeiten – meist am Wochenende oder nachts. 40 Prozent seien gezwungen, auf ihr Erspartes zurückzugreifen. Dazu komme, dass PJler mancherorts für stumpfe Routinetätigkeiten wie Blutabnahmen, Botengänge und Dokumentation eingesetzt würden.

Die Studenten fordern den BAföG-Höchstsatz von derzeit 735 Euro als Aufwandsentschädigung und für alle über 25-jährigen zusätzlich den Krankenversicherungsbeitrag. Denn die Familienversicherung erlischt danach. Auch das Kindergeld entfällt. Dennoch gibt es beispielsweise am Uniklinikum Leipzig weder Geld- noch Sachleistungen.

Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD) sagt, die Höhe der Zahlungen im Praktischen Jahr könne nur durch die bundesweit einheitliche Approbationsordnung verbindlich geregelt werden. Sie spreche sich nicht gegen eine solche Regelung aus, betont Stange. Sie dürfe aber nicht dazu führen, dass sich Krankenhäuser in Sachsen künftig eine Ausbildung nicht mehr leisten könnten. „Wenn junge angehende Mediziner deshalb den Freistaat verlassen würden, wäre das absolut kontraproduktiv“, so die Ministerin.

Unterstützung für die studentischen Forderungen kommt sowohl von den Grünen als auch von der Landesärztekammer. „Medizinerinnen und Mediziner sind überall begehrt. Es ist töricht, Medizinstudierende im letzten Studienabschnitt aus Sachsen zu vergraulen, weil die Arbeit von Studierenden im Praktischen Jahr nicht angemessen vergütet wird“, moniert Claudia Maicher, hochschulpolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Sie sieht die Gefahr, dass Medizinstudierende ihr Praktikum außerhalb Sachsens ableisten und dann später auch dort ihre Arbeit aufnehmen könnten.

Landesärztekammer-Präsident Erik Bodendieck sagt, es dürfe nicht sein, dass ein Großteil der Kliniken in Sachsen den Studierenden keine oder nur eine geringe Aufwandsentschädigung zahle. Viele Studierende seien gezwungen, nach der Höhe der Aufwandsentschädigung statt nach der Qualität der Lehre zu wählen. Bodendieck: „Sachsen verliert junge Mediziner, weil diese im Zweifel nach dem Studium an die Einrichtung gehen, wo sie im PJ gute Erfahrungen gemacht haben.“

Von Roland Herold

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