Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Mitteldeutschland Erste Hochwasserwelle erreicht Leipzig – Talsperren haben noch Platz
Region Mitteldeutschland Erste Hochwasserwelle erreicht Leipzig – Talsperren haben noch Platz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:16 14.01.2019
Axel Bobbe, Chef der Landestalsperrenverwaltung in Rötha. (Archivfoto) Quelle: Frank Prenzel
Leipzig

Leipzig. Auf Winterfreuden in mitteldeutschen Bergen folgen im Tiefland beim Einsetzen des Tauwetters meist Hochwassersorgen. Die LVZ sprach mit Axel Bobbe, Leiter der Landestalsperrenverwaltung in Rötha, über die aktuelle Situation an Mulde, Weißer Elster und Pleiße.

Frage: Herr Bobbe, einige Gewässer führen augenscheinlich schon wieder viel Wasser. Müssen wir uns Sorgen machen?

Axel Bobbe: Das kann ein Trugschluss sein, weil wir uns an die niedrigen Pegel aus dem Sommer gewöhnt haben. Mit Blick auf Leipzig ist die Situation seit Sonntag aber tatsächlich etwas verändert, weil es im Raum Gera auf den Schnee geregnet hat und die Weiße Elster deshalb dort bereits über die Ufer getreten ist. Das führt dazu, dass nun auch auf Leipzig eine mittlere Welle zuläuft.

Wann kommt die Welle in der Stadt an?

Axel Bobbe: Es dauert in der Regel eineinhalb Tage, bis das Wasser aus Gera in Leipzig ist. Aus den aktuell etwa 40 Kubikmeter Wasser, die pro Sekunde durch das Elsterbecken strömen, werden dann vermutlich 100 werden. Tatsächlich Sorgen bereitet uns das aber noch nicht. Die Situation ist eher wie bei einem Jahreshochwasser. Für die Menschen in der Stadt werden auch keine hohen Pegeln zu sehen sein – das können wir regulieren. Das Wasser fließt aber deutlich schneller und alles, was nicht am Ufer angebunden ist, könnte mitgerissen werden.

In den kommenden Tagen kann es noch mehr regnen. Ist das ein Problem?

Axel Bobbe: Die Böden sind quietschnass und wenn es regnet, kann kaum noch etwas versickern. Dazu muss man aber auch wissen: Die Talsperren in Pöhl, Dröda und Pirk haben im Sommer aufgrund der Trockenheit mächtig gelitten. Auch jetzt ist da noch ganz, ganz viel Platz drin - die drei sind nur etwa 20 bis 60 Prozent gefüllt. Zusammen könnten sie noch weitere 45 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen.

Der Schnee auf den mitteldeutschen Bergen passt also noch hinein?

Axel Bobbe: Wir machen regelmäßig Schneesimulationen. Dabei überprüfen wir, welche Mengen tatsächlich in zwölf, 24 oder 48 Stunden aus den Bergen abfließen könnten. Der Schnee im Vogtland würde in 48 Stunden maximal 30 Millionen Kubikmeter Wasser bedeuten. Diese Menge können unsere Talsperren locker abfangen. Im Grunde sind wir sogar sehr glücklich, dass sich die Talsperren etwas füllen.

Die Mulde führt auch ziemlich viel Wasser, zum Teil gibt es erste kleine Überflutungen.

Axel Bobbe: Monatelang war die Mulde ganz trocken, mit nur zehn Kubikmetern Wasser pro Sekunde. Normal fließen dort etwa 60 durch, aktuell sind es bei Grimma immerhin schon 450, Tendenz steigend. Allerdings sind wir noch weit weg von der Situation von 2013. Damals waren es 2000 Kubikmeter Wasser, die durch die Mulde bei Grimma geflossen kamen.

In der Region hört man immer wieder Ängste, dass durch den Ausbau an den oberen Mulde-Zuläufen jene Orte weiter unten Probleme bekommen werden.

Axel Bobbe: Das sind Märchen, die ich seit Jahren auch auf Bürgerversammlungen höre. Wir haben schon 2004, bevor die Baumaßnahmen begonnen haben, ein komplettes Hochwasserkonzept erarbeitet, um alle Städte zu schützen. Alles wurde eingepreist und modelliert. Wenn der Ausbau in Grimma zum Beispiel fertig ist, sind die neuen Wasserstände weiter unten bereits in die Planungen mit eingerechnet. Das Konzept ist ganzheitlich gedacht.

Von Matthias Puppe

Hinweis: In einer früheren Version des Textes gab es noch keine Angaben zur Hochwasser-Welle in der Weißen Elster. Da sich die Situation am 14. Januar aber verändert hat, wurden die entsprechenden Passagen aktualisiert.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die Wetterkapriolen und ihre Folgen gehen in Mitteldeutschland weiter. Am Abend wird kräftiger Wind erwartet. Der Schnee beginnt derweil zu tauen und Bäume drohe einzubrechen. Im Harz steckte die Schmalspurbahn erneut fest.

13.01.2019

2018 war das besucherstärkste Jahr seit Eröffnung der NS-Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein im Jahr 2000. Das teilte die Einrichtung, die an die Geschichte der nationalsozialistischen Krankenmorde mahnt, am Freitag mit.

13.01.2019

Unter dem Motto „Solidarität statt rechter Hetze – Für ein friedliches Zusammenleben“ fand auf dem Bahnhofsvorplatz in Beucha am Samstagabend eine Demo statt.

13.01.2019