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Mitteldeutschland Hunderte Rechte bei Trauermarsch in Köthen
Region Mitteldeutschland Hunderte Rechte bei Trauermarsch in Köthen
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13:24 10.09.2018
Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU, l-r), Sachsen-Anhalts Justizministerin Anne-Marie Keding und der Leitende Staatsanwalt Horst Nopens sitzen im Innenministerium während der Pressekonferenz ,die über Entwicklungen nach dem tödlichen Streit in Köthen informiert. Quelle: Peter Gercke/dpa
Magdeburg/Köthen

Am Trauermarsch am Sonntagabend in Köthen anlässlich des Todes eines 22-Jährigen haben sich laut Holger Stahlknecht (CDU) rund 400 bis 500 Anhänger der rechten Szene beteiligt. Das sagte Sachsen-Anhalts Innenminister bei einer Pressekonferenz am Montag in Magdeburg. Sie kamen auch aus Thüringen und Niedersachsen, hieß es weiter.

Insgesamt sollen rund 2500 Menschen an der Demo teilgenommen haben. Stahlknecht dankte den Bürgern, die „aus eigener Betroffenheit“ vor Ort waren. Er habe selbst mit Bestürzung auf den Tod des 22-Jährigen reagiert. Aber man müsse nun dafür sorgen, dass „Betroffenheit Betroffenheit bleibt“.

Redebeiträge geprüft

Wie Christiane Bergmann, Abteilungsleiterin im Innenministerium am Montag erklärte, wurden bei der Demonstration mehrere Redebeiträge registriert, die den Straftatbestand der Volksverhetzung entsprechen könnten. „Die Sequenzen werden nun analysiert und dabei eine ordentliche rechtliche Überprüfung zusammen mit den Strafverfolgungsbehörden durchgeführt“, sagte Bergmann.

Zudem bestätigte sie, dass es aus dem Protestmarsch heraus mindestens zwei Angriffe auf Journalisten gegeben habe. Es seien Strafverfahren aufgrund Körperverletzung und Beleidigung eingeleitet worden.

Am Montagabend ist den Angaben zufolge eine Kranzniederlegung geplant. Polizei soll im großen dreistelligen Bereich vor Ort sein, so Stahlknecht. Genaue Zahlen wollte er nicht nennen.

Mutmaßlicher Täter vorbestraft

Gegen zwei Afghanen wird wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt. Einer der beiden hatte eine Aufenthaltsgenehmigung, der andere war wegen Körperverletzungen vorbestraft und sollte Deutschland verlassen.

Einem Antrag zur Abschiebung habe die Staatsanwaltschaft am vergangenen Donnerstag (6. September) ihr Einvernehmen erteilt. Noch im Frühjahr war ein vorheriger Antrag abgelehnt worden.

Herzversagen als Todesursache

Wie Sachsen-Anhalts Justizministerin Anne-Marie Keding (CDU) sagte, sei aus den bisherigen Ermittlungen nicht abzuleiten gewesen, dass der 22-Jährige an Verletzungen durch Schläge oder Tritte gestorben ist. Sie bestätigte die schwere Herzerkrankung des Deutschen. Nach jetzigem Stand starb er an einem „akuten Herzinfarkt“.

An Spekulationen wolle man sich nicht beteiligen, betonten die Politiker am Montag. Nach aktuellem Stand waren am Samstagabend mindestens zwei Deutsche und zwei Afghanen aneinandergeraten. Ein 22 Jahre alter Deutscher starb. Die Hintergründe sind unklar.

Die Tat sei noch keine 48 Stunden her und man sei mitten in den Ermittlungen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt aus Dessau-Roßlau, Horst Nopens. „Wir können nur wiedergeben, was wir sicher wissen.“

Von mpu/jhz

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